Leukämie bei Kindern und Jugendlichen

An dieser Stelle findet Ihr Informationen rund um das Thema pädiatrische Leukämie, zum Beispiel

    – deutsche Übersetzungen zu aktuellen relevanten Artikeln und Studien zu pädatrischen Leukämien

    – Aufzeichnungen von Online-Patientenseminaren

    – aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen und Treffen

    – sowie allgemeine Neuigkeiten und interessante Informationen zu dieser Erkrankung

 


 

Ab welchem Alter sollte mein Kind eine Tageseinrichtung besuchen? Diese Frage stellen sich viele Eltern. Britische Forscher haben darauf eine klare Antwort: So früh wie möglich. Denn dadurch sinkt das Risiko des Kindes, später an einer Leukämie (Blutkrebs) zu erkranken.

Die Wissenschaftler um Tim Eden von der Kinderklinik der Universität Manchester untersuchten über 9000 Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren. Etwa 6000 von ihnen waren gesund, während 3140 an Krebs litten, in 1286 Fällen an einer Leukämie. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Blutkrebses (akute lymphatische Leukämie, ALL), die insbesondere im Vorschulalter auftritt. Die Mediziner interessierten sich vor allem für die Betreuung der Kinder und die Häufigkeit sozialer Kontakte während des ersten Lebensjahres.

Das Ergebnis war eindeutig: Um so früher und regelmäßiger die kleinen Studienteilnehmer mit gleichaltrigen Spielkameraden zusammen gewesen waren, um so seltener entwickelten sie eine Krebserkrankung. Bei Kindern, die bereits in den ersten drei Lebensmonaten regelmäßig (mindestens zweimal wöchentlich) in eine Kindertagesstätte gegangen waren, lag das Leukämie-Risiko nur halb so hoch wie bei Kindern, die im ersten Lebensjahr kaum Kontakte außerhalb der eigenen Familie gehabt hatten.

Die Resultate bestätigen die Hypothese, dass häufige Infekte während der ersten Lebensmonate Kinder vor einer Leukämie bewahren können. Eine "immunologische Isolation" von den Gleichaltrigen hat demnach zwar kurzfristig Vorteile, da die Kinder seltener an Infektionen erkranken, ist langfristig aber eher von Nachteil. Auch das Risiko für allergische Erkrankungen steigt, wenn das Kind in den ersten Lebensjahren vor Krankheitserregern geschützt war. 

Quelle: Onkologie.de vom 02.05.2005, veröffentlicht im BMJ am 22.04.2005
Über aktuelle Aspekte der Knochenmarktransplantation bei Kindern diskutieren etwa 75 Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum am 9. und 10. September 2005 bei ihrer Jahrestagung im Kolping- Tagungshotel in Münster. Die Veranstaltung dient dem Erfahrungsaustausch der Transplantationszentren untereinander und der Weiterentwicklung der derzeitigen Behandlungsprotokolle. Organisiert wird sie von Oberärztin Dr. Karoline Ehlert, Privatdozent Dr. Andreas Groll und Prof. Dr. Josef Vormoor von der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (Kinderkrebsklinik) des Universitätsklinikums Münster (UKM).

Themenschwerpunkte bei dieser Jahrestagung der Knochenmarktransplanteure für Kinder sind unter anderem die Behandlung von Adenovirus-Infektionen nach Knochenmarktransplantation, neue Behandlungskonzepte für die akute und die chronische myeloische Leukämie (Blutkrebs) im Kindesalter und die Rolle der Knochenmarktransplantation in der Behandlung von Erkrankungen phagozytierender Zellen (Fresszellen).

In Deutschland erhalten alljährlich etwa 250 Kinder und Jugendliche eine allogene Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation, das heißt eine Übertragung von Stammzellen aus Knochenmark oder Blut von einem Geschwisterkind oder einem passenden Fremdspender. Die Knochenmarktransplantation bietet bei bestimmten Hochrisikoleukämien aber auch bei anderen Störungen der Blutbildung sowie bei seltenen Stoffwechselerkrankungen und Immundefekten oft die einzige Heilungschance. Sie ist ein aufwändiges und risikoreiches Therapieverfahren, das daher nur in bestimmten spezialisierten Zentren angeboten wird.

Im interdisziplinären pädiatrisch/internistischem Knochenmarktransplantationszentrum des UKM werden seit 1999 Kinder und Erwachsene transplantiert. Pro Jahr erhalten hier etwa 20 Kinder mit Leukämien, Stoffwechselerkrankungen und Immundefekten eine Knochenmark- oder Blutstammzellübertragung. Damit zählt das Zentrum zu einem der größten Knochenmarktransplantationszentren für Kinder in Deutschland.

Kontakt:
Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
- Pädiatrische Hämatologie und Onkologie -
Kongress-Sekrariat: Frau Scholz
Tel. 0251-8347742
Fax. 0251-8347828
E-Mail: 
http://www.klinikum.uni-muenster.de/institute/paedonc/

Tagungsadresse:
Kolping Tagungshotel GmbH
Aegidiistr. 21
48143 Münster

Quelle:
idw-Mitteilung vom 23.08.2005
Wie die internationale Forschungszeitschrift Lancet (Lancet Vol. 366, 635-42 2005) in Ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, führt die Transplantation von Blutstammzellen von Geschwistern bei Kindern mit Hochrisiko-Leukämie zu einer verbesserten Heilungschance.

Prof. Dr. Martin Schrappe, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Koordinator und Leiter der Studie, erläutert: "Die Heilungschancen bei der häufigsten Leukämieform im Kindesalter, der akuten lymphatischen Leukämie (ALL), liegen inzwischen bei etwa 80 Prozent. Dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Patienten, bei denen die üblichen, bei Leukämie wirksamen Medikamente nicht oder nur vorübergehend ansprechen. Deswegen habe ich mich für die Organisation und die Durchführung dieser Studie engagiert." In der jetzt veröffentlichten großen europäischen Studie wurde erstmals prospektiv über 5 Jahre (von 1995 bis 2000) untersucht, ob Kinder mit ALL, die ein passendes Geschwister als Spender haben, von der Transplantation langfristig profitieren. Die Patienten stammten aus sieben europäischen Ländern und wurden nach weitgehend einheitlichen Behandlungsplänen vorbehandelt.

Die Übertragung von Blutstammzellen von Gesunden durch Knochenmarktransplantation (KMT) auf leukämiekranke Patienten ist seit mehr als drei Jahrzehnten auch bei Kindern eine weit verbreitete Therapiemöglichkeit. Dennoch ist sie im Vergleich zur medikamentösen Behandlung KMT mit mehr Komplikationen verbunden, nicht zuletzt deswegen, weil das Immunsystem des Empfängers so stark unterdrückt werden muss, damit die Blutstammzellen des Spenders überhaupt erfolgreich anwachsen und funktionieren können.
Bei dieser Untersuchung, an der mehr als 350 Kinder teilnahmen, ließ sich zeigen, dass die Transplantation von Blutstammzellen von Geschwistern eine Verbesserung der Heilungschance ergibt, wobei dieser Unterschied mit der Zeit immer deutlicher wird. Dies ist ein wesentlicher Hinweis darauf, dass sogar eine Hochrisiko-Leukämie prinzipiell durch diese so genannte zelluläre Immuntherapie heilbar ist.

Allerdings musste festgestellt werden, dass zu Beginn der Studie die Transplantation für die wenigen Patienten, die von nicht-verwandten Spendern transplantiert wurden, nicht von Vorteil war, weil die nachfolgenden Komplikationen oft nicht beherrschbar waren. Ende der 90er Jahre ergaben sich dann neue Möglichkeiten der Gewebetypisierung, die eine wesentlich verbesserte Zuteilung von Spendern zu Empfängern erlaubten und damit zu einer geringeren Komplikationsrate beitrugen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Martin Schrappe
Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schwanenweg 20
24105 Kiel 
Telefon 0431-597-1621
Fax 0431-597-1831
E-Mail 

Quelle: idw-Meldung vom 19.09.2005 - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
In Deutschland erkranken von 13 Millionen Kindern unter 15 Jahren etwa 600 jährlich neu an Leukämie. Zwischen 1992 und 2000 führte das Deutsche Kinderkrebsregister eine umfassende Fallkontrollstudie zu den Ursachen von Leukämien im Kindesalter durch. Ein im Deutschen Ärzteblatt erschienener Artikel fasst nun die Erkenntnisse zusammen. An Umweltfaktoren haben ionisierende Strahlung sowie vermutlich auch Pestizide und nichtionisierender Strahlung einen Einfluss auf das Kinderleukämierisiko. Die Hypothese, dass ein gut trainiertes Immunsystem einen schützenden Effekt vor Kinderleukämie hat, wurde teilweise bestätigt. Im Bereich der Lebensgewohnheiten der Familie wurden keine bedeutsamen Kinderleukämierisiken identifiziert. Das Down-Syndrom bestätigte sich als starker Risikofaktor. Auffällig war ein hohes Geburtsgewicht als Risikofaktor. Ein schützender Effekt des Stillens sowie durch Erkrankungen wie Heuschnupfen, allergisches Asthma oder Neurodermitis in der Familie wurde festgestellt.

Auszug aus der Zusammenfassung des Deutschen Ärzteblatts:


Während der Schwangerschaft

Das Zigarettenrauchen der Mutter während der Schwangerschaft sowie des Vaters vor der Konzeption war in der Studie der Autoren nicht mit dem Leukämierisiko des Kindes verbunden. Auch der Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft hatte keinen Einfluss. 

Kein höheres Leukämierisiko zeigte sich auch für Kinder, deren Mütter vorher eine oder mehrere Fehlgeburten hatten. Im Gegensatz zu früheren Vermutungen zeigte sich kein höheres Leukämierisiko für Kinder von zum Geburtszeitpunkt älteren Müttern (älter 35 Jahre). 

Kinder von Müttern, bei denen trotz regelmäßigem Zyklus eine Sterilitätsbehandlung notwendig war, hatten ein tendenziell erhöhtes Leukämierisiko. 

Ein Zusammenhang mit Kinderleukämierisiko zeigte sich sowohl für Kinder mit einem höheren (mehr als 4 kg) als auch niedrigeren (kleiner 2,5 kg) Geburtsgewicht. Der Zusammenhang mit einem niedrigeren Geburtsgewicht war größtenteils auf ein verkürztes Gestationsalter (kalendarisches Alter des Neugeborenen ab erfolgter Befruchtung) und die damit verbundenen Komplikationen zurückzuführen. Während in der Literatur der Zusammenhang mit einem niedrigen Geburtsgewicht nicht bestätigt wird, erweist sich über die meisten Studien hinweg ein konsistenter Zusammenhang mit einem höheren Geburtsgewicht. Die beobachteten relativen Risiken für den Zusammenhang liegen aber in den meisten Studien nur zwischen 1,1 und 1,5. 

Kinder mit Trisomie 21/Down-Syndrom hatten in der Studie der Autoren und anderen Studien ein stark erhöhtes Leukämierisiko. Es wird geschätzt, dass etwa eines von 95 Kindern mit Trisomie 21 an einer Leukämie erkrankt.


Immunsystem

Obwohl die so genannte "Überhygiene" bei der Entstehung von Kinderleukämie eine populäre Arbeitshypothese ist, wurden in der Studie der Autoren keine überzeugenden Hinweise gefunden, dass ein verspäteter Kontakt des Kindes mit infektiösen Erregern, das heißt, weniger Infektionen im Säuglingsalter und vermehrt Infektionskrankheiten in späteren Jahren, mit Leukämieerkrankungen verbunden war. Kinder, die an einzelnen Kinderkrankheiten erkrankt waren, unterlagen in unserer Studie keinem erhöhten Leukämierisiko. Für Einzelkinder oder Erstgeborene zeigte sich im Gegensatz zu einigen früheren Studien keine Tendenz einer Risikoerhöhung. Das Stillen hatte, analog zu anderen Studien, einen tendenziell protektiven Effekt.

Zwar zeigte sich für Schutzimpfungen ein starker schützender Effekt, diesen führen die Autoren aber zum größten Teil auf einen Befragungsartefakt zurück: Eltern nicht erkrankter Kinder gaben im Fragebogen auch Impfungen außerhalb des eigentlich zu erfragenden Zeitraums an, wodurch es zu einer Überschätzung der Impfprävalenz unter den Kontrollkindern kam. Bei den Patienten konnten hingegen Prodromalerscheinungen der Krankheit dazu geführt haben, dass geplante Impfungen nicht erfolgten.

Allergische Erkrankungen des Kindes, und hierbei insbesondere atopische Erkrankungen wie Heuschnupfen, allergisches Asthma und Neurodermitis, könnten einen protektiven Effekt auf das Kinderleukämierisiko haben. Auch für (noch) allergiefreie Kinder mit atopischen Erkrankungen der Mütter war das Leukämierisiko etwas verringert. Zu diesem Befund liegen fast keine Ergebnisse anderer Studien vor. Der Zusammenhang könnte damit erklärt werden, dass Einflüsse auf das Verhältnis von T-Helferzellen Typ 1 und Typ 2 sowohl das Atopie- als auch das Kinderleukämierisiko modulieren. Zudem könnte die bereits erwähnte "Überhygiene" auch mit dem Atopierisiko in Zusammenhang stehen.


Berufliche Umweltbelastungen der Eltern

Die Literatur hinsichtlich der beruflichen Exposition der Eltern mit ionisierender Strahlung ergibt kein klares Bild. In der Studie der Autoren hatte eine Strahlenexposition des Vaters vor der Zeugung keinen Einfluss auf das Kinderleukämierisiko. Sie war jedoch – allerdings basierend auf kleinen Fallzahlen (n = 9) – mit dem Leukämierisiko bei Kindern bis zum 18. Lebensmonat assoziiert. 

Bei weiteren beruflichen Expositionen der Eltern zeigten sich für beide Elternteile Assoziationen in Bezug auf die Verwendung von Pestiziden. Da die meisten exponierten Eltern in der Landwirtschaft tätig waren, wäre es auch möglich, dass der der Assoziation zugrunde liegende Faktor in einer direkten postnatalen Exposition des Kindes [d.h. der Belastung des Kindes nach seiner Geburt] bestand. 

Dies wäre im Einklang mit den Beobachtungen der Autoren, dass ein schwach erhöhtes Leukämierisiko auch für häufigeSchädlingsbekämpfungen in der Wohnung und für eine Verwendung von Herbiziden in der Landwirtschaft ermittelt wurde. Einemütterliche Exposition mit Farben, Lacken, Fleckentfernern oder Färbemitteln im pränatalen Zeitraum führte ebenfalls zu einem schwach erhöhten Leukämierisiko. Bei einer postnatalen Exposition wurde dieser Zusammenhang nicht gesehen. Im Gegensatz zu einer großen amerikanischen Studie zeigte sich keine Assoziation mit einer mütterlichen Exposition gegenüber Lösungsmitteln.


Ionisierende und nichtionisierende Strahlung

Als gesicherter umweltbedingter Risikofaktor für Leukämien insgesamt sowie Leukämien im Kindesalter gilt ausschließlich ionisierende Strahlung. Röntgenuntersuchungen der Mutter während der Schwangerschaft oder des Kindes nach der Geburt waren in Studien in den 1940er- bis 1970er-Jahren häufig mit Kinderleukämien assoziiert. Analog zu anderen jüngeren Studien jedoch führten Röntgenuntersuchungen des Kindes in unserer Studie ebenso wenig zu einem erhöhten Leukämierisiko wie eine Strahlenexposition der Mutter während der Schwangerschaft. Dies ist möglicherweise auf die heutzutage niedrigeren Strahlendosen bei den Untersuchungen zurückzuführen und darauf, dass das Risiko für den Fötus durch ionisierende Strahlung inzwischen bekannt ist und auf Röntgenuntersuchungen während der Schwangerschaft weitgehend verzichtet wird.

In dem sich auf Niedersachsen beziehenden Studienteil wurden die häuslichen Radonkonzentrationen ein Jahr lang gemessen. Bei Expositionen über 70 Bq/m3 ergab sich kein Zusammenhang mit dem Kinderleukämierisiko. Dies schließt zwar einen Zusammenhang bei deutlich höheren Expositionen nicht aus, ist aber ein Hinweis, dass Radon in Deutschland höchstens für einen minimalen Anteil von Kinderleukämiefällen verantwortlich sein kann.

Im Bereich der nichtionisierenden Strahlung stand ein höheres Leukämierisiko bei Expositionen gegenüber Magnetfeldstärken (50 Hz) von über 0,4 µT im Einklang mit anderen internationalen Studien. Mittlere Magnetfeldstärken dieser Größenordnung finden sich in Deutschland in etwa jeder 500. Wohnung. Hauptursachen dafür sind nahe am Haus vorbeiführende Hochspannungsleitungen, Hausanschlüsse an das Stromnetz (beispielsweise Dachständer) oder die innerhäusliche Stromverteilung in Mehrfamilienhäusern. In unserer Studie hatten insbesondere Kinder, die während der Nacht einem Magnetfeld über 0,2 µT ausgesetzt waren, ein höheres Leukämierisiko. Die Ergebnisse können als Hinweis auf eine statistische Assoziation zwischen magnetischen Feldern und Leukämien im Kindesalter gewertet werden. Eine biologische Erklärung für diese Beobachtung ist unbekannt. Sollte die empirische Assoziation kausaler Natur sein, wären etwa ein Prozent aller Kinderleukämiefälle in Deutschland auf häusliche Magnetfeldexpositionen zurückzuführen. 


Über die Studie

Die Fallkontrollstudie setzte sich aus drei Teilstudien zusammen, deren Studienpopulationen teilweise überlappten. Durchgeführt wurde eine Fallkontrollstudie in den alten Bundesländern, eine Fallkontrollstudie in Niedersachsen und eine Fallkontrollstudie, die in eine Inzidenzstudie im Umkreis kerntechnischer Anlagen eingebettet war. In der bundesweiten Studie wurden alle Kinder aufgenommen, die vor ihrem 15. Geburtstag zwischen Oktober 1992 und September 1994 neu an einer Leukämie erkrankten und zum Diagnosezeitpunkt in den alten Bundesländern lebten. In allen drei Studien wurden Kontrollkinder zufällig aus den Daten der Einwohnermeldeämter ausgewählt. 82% der Familien leukämiekranker Kinder nahmen teil; bei den Kontrollfamilien waren es 70%. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 38 vom 23.09.2005, Seite A-2557 Autoren: Schüz, Joachim; Blettner, Maria; Michaelis, Jörg; Kaatsch, Peter (pdf-Datei)
Nach fünf Jahren Planungs- und Umbauphase und einer großzügigen Förderung der Deutschen Krebshilfe e.V. erhalten Kinder mit Blutkrebs oder anderen schweren Störungen der Blutbildung in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt erstmals auf einer eigenen Station in der Kinderklinik eine Knochenmark- oder Blutstammzell-Transplantation (KMT). Am 22. November findet die Eröffnung statt, zu der die MHH Interessierte herzlich einlädt.

Die Station wird von Professor Dr. Karl Welte geleitet. Ein zweiter Höhepunkt: Die Hochschule bietet diese Therapie bei Kindern und Erwachsenen seit 20 Jahren an, bis heute erfolgten hier fast 1.600 Transplantationen. "Die MHH hat sich zu einem der größten deutschen Zentren auf diesem Gebiet entwickelt", sagt Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH- Abteilung Hämatologie, Hämostaseologie und Onkologie. Und Professor Dr. Karl Welte, Direktor der Kinderheilkunde - Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, ergänzt: "Die MHH ist die einzige Klinik in Niedersachsen, die alle Formen dieser Transplantationen bei Erwachsenen und bei Kindern anbietet."

Zur Eröffnung der neuen Kinder-KMT-Station lädt die MHH herzlich alle Interessierten am Dienstag den 22.11.2005 um 14:00 im Hörsaal M, Klinisches Lehrgebäude (J 1), Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover ein. 

Anfahrt:

Durch die Parkschranke fahren, unter der ersten Brücke durchfahren und in der Nähe der zweiten Brücke parken. Links in das Gebäude J 1 eintreten und in den zweiten Stock gehen. Dort befindet sich Hörsaal M.

Das Programm im Hörsaal:
  • Begrüßung: MHH-Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann
  • Ansprachen: Lutz Stratmann, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur und Professorin Dr. Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe
  • Vorträge: Professor Dr. Karl Welte zu "Indikationen und Perspektiven der Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantationen bei Kindern" und Professor Dr. Arnold Ganser über "20 Jahre Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantationen an der MHH - Leistungen und Ergebnisse"
Quelle: idw-Mitteilung der MHH vom 17.11.2005
Durch Transplantation von hämatopoetischen Stammzellen können viele Kinder und Jugendliche mit Krebs geheilt werden. Viel Erfahrung mit dieser Therapie haben Onkologen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort steht seit kurzem eine Einrichtung ausschließlich für Kinder und Jugendliche zur Verfügung, in der pro Jahr rund 50 Kinder Knochenmark- oder Blutstammzellen erhalten können.

Auf der Spezialstation an der MHH können jährlich bis zu 50 Knochenmark- oder Blutstammzell-Transplantationen vorgenommen werden. Das sind doppelt so viele wie bisher. An den 2,6 Millionen Euro Gesamtkosten für die Spezialstation hat sich die Deutsche Krebshilfe mit einer Million Euro beteiligt.

Ihrem Ziel einer flächendeckenden guten Versorgung von Krebspatienten kommt die Krebshilfe so ein Stück näher: Die neue Einheit mit sechs Transplantationsplätzen schließt eine Lücke in der wohnortnahen Betreuung leukämiekranker Kinder. 

Zentren für Kinder in Hamburg, Münster, Berlin und Hannover

Diese Kinder mußten bisher entweder auf Stationen für Erwachsene mitbehandelt werden, oder - wenn auch dort kein Platz war - nach Hamburg, Münster oder Berlin verlegt werden. "Nun gibt es auch in Niedersachsen genug pädiatrische Transplantationseinheiten, wobei die MHH die einzige Klinik ist, die allogene Stammzelltransplantationen bei Kindern anbietet", so Professor Karl Welte, Leiter der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie.

Bei der allogenen Transplantation erhalten Krebspatienten nach der Chemotherapie die Zellen eines gesunden Spenders. Das kann ein Geschwister oder ein nicht-verwandter Spender mit passenden Gewebemerkmalen sein. "Für 90 Prozent der Patienten, die eine Transplantation benötigen, wird ein geeigneter Spender gefunden", so Welte. "Das ist einer der Gründe, warum heute drei von vier Kindern mit Krebs geheilt werden können".

Besonders beeindruckend seien die Erfolge der Transplantationsmedizin bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL): Sie haben eine Überlebenschance von 80 Prozent, wenn sie eine Stammzelltransplantation erhalten. Mit Chemotherapie allein überlebten höchstens 30 Prozent der Kinder.

150 Transplantationen pro Jahr

Die MHH gehört zu den großen deutschen Transplantationszentren und überträgt jährlich etwa 150mal Knochenmark oder Stammzellen. Ein Viertel der Patienten sind Kinder.

Aus dem Register mit einer Gesamtzahl von 1564 Transplantationen bei Erwachsenen und Kindern (von Anfang 1986 bis September 2005) lassen sich einige interessante Verschiebungen ablesen: So wurde bis 1993 vorwiegend Knochenmark transplantiert, heute sind es zu über 80 Prozent Blutstammzellen aus dem peripheren Kreislauf, einschließlich Nabelschnur-Blut. Die Zahl allogener Transplantationen ist seit Ende der 90er Jahre kräftig gestiegen, wobei 40 Prozent der Transplantate von Fremdspendern stammen.

Das Interesse der hannoveraner Onkologen richtet sich auch auf die allogene Transplantation, die besonders die Therapie bei akuter myeloischer Leukämie (AML), fortgeschrittenem myelodysplastischen Syndromen (MDS) sowie der seltenen aplastischen Anämie (AA) verbessern soll.

Die AML war im vergangenen Jahr an der MHH die am häufigste gestellte Indikation für eine Transplantation. Um auch ältere und mehrfach zuvor behandelte AML-Patienten erfolgreich Stammzellen übertragen zu können, werden die Verfahren fortlaufend modifiziert.

Nach Angaben von Professor Arnold Ganser, Leiter der MHH-Onkologie, ließe sich zum Beispiel die Strahlendosis reduzieren, mit der Patienten auf die Transplantation vorbereitet werden. Diese Konditionierung nach dem FLAMSA-Protokoll sei besonders verträglich und schaffe in Kombination mit einer Chemotherapie die Voraussetzung für eine effektive Zelltransplantation.

"Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, die allogenen Transplantationsverfahren zu verbessern, um damit noch mehr Patienten helfen zu können", so Ganser.

Die klassische autologe Transplantation habe an der MHH derzeit einen Anteil von 37 Prozent. Dieses Verfahren, bei dem eigene Stammzellen nach Chemotherapie und Bestrahlung rückübertragen werden, ist zum Beispiel für ältere Patienten mit Plasmozytom die geeignete Therapie. Unabhängig vom gewählten Verfahren sei die enge Zusammenarbeit der Abteilungen ein wichtiger Erfolgsparameter, so Ganser. Das gelte besonders für die pädiatrische Onkologie.

Quelle: Ärzte Zeitung vom 13.12.2005
Eine neue Behandlungsstrategie für an AML erkrankten Kindern, die auf der Bewertung des individuellen Risikos und der Optimierung auf Basis einer hochempfindlichen Technik zur Identifikation von leukämischen Zelleb beruht, resultiert in einer Überlebensrate von fast 90 Prozent. Dies sind die Ergebnisse einer durch die St. Jude Kinderklinik (Memphis, USA) in Kooperation mit verschiedenen Forschungsinstituten durchgeführten Untersuchung.

Die laufende Studie AML02 ergab auch, dass nahezu 77% der Überlebenden ein Jahr nach der Diagnose leukämiefrei waren. Unter den 112 Patienten, die seit Oktober 2002 in die Studie aufgenommen wurden, starben vier an Infektionen, die während oder nach Abschluß der Chemotherapie aufgetreten waren.

AMN02 war die erste Studie, die die Messung der minimalen Resterkrankung (MRD) anwandte, um exakte Bewertungen des Therapieansprechens bei jedem Kind durchzuführen, und die Behandlung entsprechend anzupassen. Durch Verwendung von Flusszytometrie identifizierten die Forscher abnormale Kombinationen von Proteien, die nur auf der Oberfläche von Leukämiezellen auftreten. Dies ermöglichte den Forschern, schnell und exakt den Anteil solcher Zellen im Knochenmark zu bestimmen. Die Ärzte nutzen MRD-Untersuchungen nach dem ersten Teil der Therapie, um herauszufinden, ob die Behandlung genügend Leukämiezellen beseitigte, um die Erfolgswahrscheinlichkeit sicherzustellen. Basierend auf dieser Information veränderten die Ärzte die Intensität der Behandlung, um überflüssige Behandlungen zu vermeiden oder die Therapie zu intensivieren. Bisher mußten sich Forscher auf die weniger genaue Technik der mikroskopischen Untersuchung verlassen, um herauszufinden, welche Zellen in der Blutprobe des Kinds leukämisch waren.

"Die Zukunft wird zeigen, ob es einen langfristigen Vorteil unserer Fähigkeit gibt, langsam ansprechende Patienten zu identifizieren und bei diesen die Therapie zu intensivieren. Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr vielversprechend", so Dr. Jeffrey Rubnitz von der Abteilung für Hämatologie und Onkologie am St. Judes Krankenhaus auf der ASH-Jahrestagung.

Quelle:PR Newswire Meldung vom 13.12.2005

Weiterführende Informationen: St. Jude Children's Research Hospital Website

Übersetzung durch Jan, ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.
Die führende Rolle Deutschlands in der Kinder-Onkologie in Europa und der Welt bedroht sehen die Deutsche Krebshilfe und die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH). Der Grund dafür seien Veränderung im Arzneimittelgesetz (AMG). Diese Veränderungen erschweren nach Angaben der Organisationen so genannte Therapieoptimierungsstudien.

"Unsere Patienten werden bundesweit in spezialisierten Zentren behandelt, die dann ihre Daten zusammen tragen, um so die Behandlungsstandards ständig weiter verbessern zu können. Nach der Neuregelung des AMG unterliegen unsere nicht-industriellen Therapieoptimierungsstudien künftig jedoch den gleichen Auflagen wie die Studien der Arzneimittelindustrie bei der Zulassung von neuen Medikamenten. Allein die damit verbundene Versicherungsgebühr für die Patienten belastet die Förderer dieser Studien mit jährlich bis zu einer Million Euro", erklärte der Vorsitzende der GPOH, Prof. Dr. Heribert Jürgens. 

Die Fachgesellschaft befürchtet, dass in Zukunft nicht mehr alle krebskranken Kinder nach den üblichen hohen Standards behandelt werden können. "Wir haben die Bundeskanzlerin gebeten, sich dieses Themas anzunehmen, um den hohen Standard in Deutschland zu sichern - bei vertretbaren Kosten", so Jürgens. Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan (CDU) und Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) haben das Schreiben erhalten. 

"Wir sind bestrebt, mit den uns von der Bevölkerung anvertrauten Spendengeldern weitere Verbesserungen in der Kinderkrebsmedizin zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, erscheint es uns jedoch nicht akzeptabel, unsere Mittel für eine Überbürokratisierung einsetzen zu müssen", erklärte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Weiterführende Informationen:
Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH)

Quelle:
Ärzteblatt vom 22.12.2005
Insektizide und Pestizide könnten das Risiko für Kinder, an Blutkrebs zu erkranken, ungünstig beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie französischer Wissenschaftler. Sie hatten einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Läuse-Shampoos durch die Mutter und der Erkrankung des Kindes an Leukämie gefunden. Die Forscher konnten damit die Ergebnisse älterer Untersuchungen bestätigen.

Florence Menegaux und ihre Kollegen hatten die Mütter von 280 Kindern mit einer akuten Leukämie und von 288 gesunden Kindern zur Nutzung von Pestiziden und Insektiziden im Haushalt befragt. Am größten scheint dabei das Risiko durch Insekten- und Pilzvernichtungsmittel im Garten zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, an einer akuten Leukämie zu erkranken, stieg bei Kindern, die während ihrer Entwicklung derartigen Substanzen ausgesetzt waren, auf mehr als das Doppelte. Erstmals konnten die Autoren außerdem nachweisen, das auch die Nutzung von insektizidhaltigen Läuse-Shampoos mit einer Risikozunahme für Leukämie einherzugehen scheint.

"Wir können kein bestimmtes Produkt benennen und ein eindeutiger Kausalzusammenhang bleibt fraglich", kommentiert Menegaux die Resultate. "Allerdings scheint es in Anbetracht der Übereinstimmung unserer Ergebnisse mit denen früherer Studien sinnvoll zu sein, über vorbeugende Maßnahmen nachzudenken." 

Quelle: Onkologie.de vom 23.01.2006
Boston - Die akute lymphatische Leukämie (ALL), die früher fast immer tödlich verlief, könnte schon in naher Zukunft zu 90 Prozent heilbar sein. Verantwortlich für diesen Fortschritt im Kampf gegen die häufigste Krebsart bei Kindern sind nach Angaben von US-Medizinern eine verbesserte Diagnose und Therapie.

Im Jahr 1962 überlebten lediglich vier Prozent der Kinder mit der Diagnose ALL. Moderne Analysemethoden ermöglichen inzwischen nach Angaben von Medizinern des St. Jude Children's Research Hospital in Boston die Ermittlung individueller Behandlungsansätze für verschiedene Patienten. So geben genetische Untersuchungen etwa Aufschluss darüber, ob eine Standardbehandlung Erfolg versprechend oder ob eher ein aggressiveres Vorgehen ratsam ist.

Pharmakogenomik

Zudem lässt sich die Aktivität oder Inaktivität bestimmter Gene sowohl im Körper des Patienten als auch in den Leukämiezellen ermitteln. Die so genannte Pharmakogenomik untersucht dabei die Reaktion verschiedener Gene auf Medikamente.

Ebenfalls wichtig für die Therapiewahl ist die Messung der Anzahl der Leukämiezellen, die die anfängliche Therapie überleben. "Diese Information hilft uns zu entscheiden, wie intensiv die folgende Therapie sein sollte", schreibt der St.-Jude-Mediziner Ching-Hon Pui im "New England Journal of Medicine". "Unser Ziel ist das vollständige Abtöten der leukämischen Zellen bei geringster Toxizität für die Kinder." (APA/AP) 

Quelle: DerStandard.at vom 20.01.2006

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