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An Krebs erkrankte Kinder haben ein 17fach erhöhtes Risiko, bis zum Alter von 30 Jahren erneut eine Krebserkrankung zu entwickeln. Am häufigsten seien dabei die akute lymphatischen Leukämie (ALL) und die akute myeloische Leukämie (AML), berichtete der Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz, Peter Kaatsch, in der "Ärzte Zeitung".
Im Kinderkrebsregister wurden zwischen 1980 und 2002 beinahe 34.000 krebskranke Kinder erfasst, von denen 389 Kinder (1,1%) einen Zweittumor entwickelt hatten. Derzeit läuft ein auf fünf Jahre ausgerichtetes und im Jahre 2004 endendes Forschungsvorhaben zur systematischen Beurteilung von Fragstellungen zur erneuten Krebserkrankung im Kindesalter. Das Projekt wird gefördert durch das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie und Hämatologie.
Ein Grund für das in den letzten Jahren häufigere Auftreten von Zweittumoren liege in den deutlich verbesserten Überlebensraten der Kinder, sagte Kaatsch. Inzwischen lebten mehr als zwei Drittel (70%) der Kinder mit Krebs länger als zehn Jahre. Je länger die kleinen Patienten aber überlebten, desto eher könne sich ein weiterer Tumor bilden. Aber auch eine genetische Veranlagung könne zum Entstehen eines Zweitkrebses beitragen.
Die Heilungsraten seien sehr unterschiedlich. So könnten mehr als 90% aller Kinder mit einem Retinoblastom, einem Tumor am Auge, geheilt werden. Bei einer AML lebten nach fünf Jahren nur noch die Hälfte der Betroffenen. Auch die Therapieform kann Kaatsch zufolge offenbar das Risiko für einen Zweittumor erhöhen. Erste Ergebnisse einer Studie zeigten, dass das Risiko für einen erneuten Krebs bei einer Strahlentherapie mit der Höhe der Dosis zunehme. Auch bestimmte Chemotherapeutika könnten das Risiko für einen Zweittumor erhöhen.
Bisher sei jedoch nicht klar abzugrenzen, ob die Zweiterkrankungen Folge der Primärtherapie oder eines erhöhten genetischen Erkrankungsrisikos zu betrachten sind.
Im Bereich dieser Abgrenzung besteht noch erheblicher Forschungsbedarf, weil sich hieraus Folgerungen für eine gezielte Veränderung der Primärtherapie sowie für die Erstellung angemessener und praktikabler Nach- und Vorsorgeprogramme ergeben.
Quellen:
Webseite des Kinderkrebsregisters
Yahoo-Artikel vom 03.08.2003
Hohe Konzentrationen des Metalls Wolfram in der Umwelt stehen im Verdacht, bei Kindern Leukämie zu verursachen. Darauf deuten Untersuchungen in den USA an Orten mit besonders hoher Rate an Blutkrebs hin.
So waren in der kleinen Gebirgsstadt Fallon in Nevada in den vergangenen fünf Jahren 17 Kinder an Leukämie erkrankt. Der statistische Durchschnitt für eine Stadt dieser Grössenordnung liegt für den gleichen Zeitraum weit unter einer Erkrankung. Der Forscher Paul Sheppard von der Universität Tuscon verglich daraufhin die Metallkonzentrationen von Baumringen der vorigen fünf Jahren mit denen der 80er Jahre, als es noch keine Häufung von Leukämie-Erkrankungen gab. Die Analyse ergab, dass sich die Wolfram-Konzentrationen in den jüngeren Baumringen deutlich erhöht hatten, andere Metallwerte waren dagegen unverändert.
US-Gesundheitsbehörden stellten nachträglich bei Untersuchungen von Leitungswasser und Urin ebenfalls erhöhte Wolfram-Konzentrationen fest. In zwei Städten in Arizona und Kalifornien, Sierra Vista und Florin, wo es auch gehäuft zu Leukämiefällen gekommen war, mass der Wissenschaftler wieder sehr hohe Wolfram-Werte. In Sierra Vista waren sogar die Konzentrationen in der Luft erhöht. Beide Städte liegen in der Nähe von alten Wolfram-Minen.
Zwar gilt das Metall bislang offiziell nicht als Krebs erregend. Mindestens eine Studie lieferte jedoch nach einem Bericht des Magazins "Nature" schon Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem Metall und tumorartigen Veränderungen in Zellen.
Quelle:
Yahoo!-Artikel vom 26.12.2003
2 KommentareGlivec ist wie die meisten Arzneimittel in ihrer Wirksamkeit bisher noch unzureichend speziell für Kinder untersucht worden. Faustregeln wie "Kinder nehmen die Hälfte" oder die Umrechnung nach Körpergröße oder Gewicht gehen in die falsche Richtung - Kinder sind auch rein biologisch keine "kleinen Erwachsenen". Da jedoch bei an CLL oder AML erkrankten Kindern nach einer fehlgeschlagenen Transplantation die medikamentöse Therapie lebensrettend sein kann, sind Studien zur Dosierung, Verträglichkeit und Wirksamkeit dringend nötig. Eine Forschergruppe aus den USA und Kanada hat diese Punkte erstmals in einer Phase-I-Studie untersucht und ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin Blood vorgestellt.
Ergebnisse
Hierbei wurden die Ergebnisse einer klinischen Studie an 31 jungen Patienten zwischen 3 und 20 Jahren veröffentlicht, die eine Resistenz in einer Philadelphia-Chromosom-positiven Leukämie (ALL, CML) entwickelt hatten. Ziel der Studie war, dosislimitierende Giftigkeiten und die Pharmakokinetik zu bestimmen.
Die Teilnehmer der Studie erhielten tägliche Dosen zwischen 260mg und 570mg/m2 über eine Dauer von 28 Tagen (Hinweis: die Dosis wird in Studien bei Kindern anhand der Körperoberfläche in m2 dokumentiert). Die Ergebnisse waren gut: Von 12 CML-Patienten, die eine zytogenetische Antwort zeigten, hatten10 ein komplettes und 1 eine teilweises zytogenetisches Ansprechen. Unter den 10 ALL-Patienten, die ein morphologisches Ansprechen erreichten, erreichten sieben ein M1- und einer ein M2-Knochenmark.
Nebenwirkungen waren ähnlich den Erfahrungen bei Erwachsenen: Es wurde in der Studie keine maximal tolerierte Dosis identifiziert. Die aus der Imatinib-Therapie bekannten Nebenwirkungen taten bei weniger als 5% der Patienten auf und schlossen Übelkeit (Grad 1 und 2), Erbrechen, Ermüdung, Durchfall und reversible Zunahmen von Serumtransaminasen ein. Ein Patient, der 440mg/m2 einnahm, zeigte dosiseinschränkende Gewichtszunahme.
Die tägliche orale Gabe von Imatinib wurde insgesamt von Kindern mit Philadelphia-Chromosom-positiver Leukämie in Dosen von 260-570mg/m2 gut vertragen; die Verabreichung von 260-340mg/m2 liefern eine ähnliche systemische Wirkung wie die bei Erwachsenen übliche Dosis zwischen 400 und 600mg.
Hintergrund
Die meisten Arzneimittel, die Kinderärzte sehr jungen Patienten in Krankenhäusern und Praxen verabreichen, sind in ihrer Wirksamkeit nicht speziell für Kinder untersucht worden. Die Faustregel "Kinder nehmen die Hälfte" ist völlig unzutreffend, denn Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten hängen stark vom Stoffwechsel des Patienten ab, der nichts mit der Körpergröße zu tun hat - Kinder sind biologisch keine "kleinen Erwachsenen". Auch die Methode, die Dosis nach dem geringeren Körpergewicht umzurechnen, funktioniert nicht immer: Kleinkinder im Krabbelalter scheiden Medikamente beispielsweise sehr schnell aus und benötigen – bezogen auf ihr Körpergewicht – erheblich höhere Dosen als Erwachsene.
Das Problem bei Studien mit Kindern: Einerseits werden Studien mit Kindern kontrovers diskutiert, andererseits aber sind genau fehlende Daten das Problem in der klinischen Praxis. Andererseits lohnt es sich nur in den seltensten Fällen finanziell für die Pharmaindustrie, Medikamente auch für die Zulassung bei Kindern zu testen: die Studien sind besonders aufwändig und teuer, gleichzeitig verheißt das Marktsegment "Kinder" nur geringen Umsatz. In den USA wurde hier ein finanzieller Anreiz für die Pharmafirmen geschaffen: wer Medikamente auch an Kindern erprobt, erhält längeren Patentschutz auf die Substanz. In Europa dagegen stecken Bestrebungen, die Situation der kleinen Patienten zu verbessern, noch in den Kinderschuhen; die neue EU-Direktive zur Durchführung klinischer Studien verschärft die bürokratischen Bedingungen für Arzneimittelstudien mit Kindern noch weiter.
Quellen: