Die meisten Berichte zur Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie (CML) mit Tyrosinkinasehemmern (TKI) fokussieren sich auf die Wirksamkeit, insbesondere auf molekulares Ansprechen und das Behandlungsergebnis. Im Gegensatz dazu werden Nebenwirkungen oft als selten, unbedeutend, erträglich und beherrschbar beschrieben, aber sie werden zunehmend bedeutend, weil die Behandlung möglicherweise lebenslänglich ist und eine Vielzahl von TKI verfügbar sind. Aus diesem Grund präsentiert das European LeukemiaNet-Expertenpanel für die Behandlung der CML eine erschöpfende und kritische Zusammenfassung von Nebenwirkungen, die während der Behandlung der CML auftreten, um bei deren Verständnis, Behandlung und Vermeidung zu helfen. Es gibt fünf wesentliche Schlussfolgerungen.
Insgesamt hat Imatinib ein gutes Langzeit-Sicherheitsprofil gezeigt, obwohl neuere Befunde auf eine Unterschätzung der Schwere der Symptome durch die Ärzte hindeuten. Die TKI der zweiten und dritten Generation haben höhere Ansprechraten gezeigt, sie haben aber auch zu unerwarteten Problemen geführt,von denen einige irreversibel sein könnten. Die Autoren hoffen, dass diese Empfehlungen dabei helfen, die Nebenwirkungen zu minimieren und glauben, dass eine optimale Beherrschung der Nebenwirkung mit besserer Therapietreue belohnt wird und so zu besseren Behandlungsergebnissen führt, zusammen mit einer besseren Lebensqualität.
Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung einer Gentherapie ausgesprochen, die T-Zellen vor einer haploidentischen Stammzelltherapie im Labor mit einem Suizid-Gen ausstattet, um später eine Graft-Versus-Host-Reaktion durch die Gabe eines Medikaments stoppen zu können.
Heute wollen wir auf eine interessante Befragung aufmerksam machen. An der Uniklinik Leipzig soll ein Fragebogen für junge ehemalige Krebspatienten entwickelt werden, der die Bedürfnisse und die Lebensqualität junger Erwachsener noch Jahre nach überstandener Erkrankung erfasst. Dies ermöglicht das Bereithalten altersgerechter Unterstützungsangebote. Dazu gibt es eine Online-Befragung. Den Link zu der Befragung und weitere Infos zur Studie findet ihr auf der Projekthomepage http://www.noch-mehr-leben.de/. Die Studie des Universitätsklinikums Leipzig wird zum Teil von der José Carreras Leukämie-Stiftung gefördert.
Die aus den Studien zum Absetzen der Behandlung gezogenen Lehren sind, dass beinahe die Hälfte der Patienten, die ein tiefes molekulares Ansprechen während mindestens zweier Jahre erreicht haben, in der Lage sind, die Behandlung mit TKI absetzen zu können. Nach dem Absetzen konnten bei vielen Patienten minimale Reste der CML auf sehr niedrigem fluktuierendem PCR-Level nachgewiesen werden. Ähnliche Erscheinungen wurden auch schon in den 1990er Jahren bei der Behandlung mit Interferon beobachtet, wo bei den meisten Patienten noch ein molekularer Nachweis der Erkrankung trotz erfolgreichen Absetzens der Behandlung vorlag. Patienten, die ein gutes Ansprechen auf Interferon erreichten und die Behandlung absetzen konnten, wiesen erhöhte erhöhte Spiegel von Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), tiefere Spiegel spezifischer T-Zellen oder ein spezifisch verschiedenes Zytokin-Profil im Vergleich zu Patienten auf, bei denen das Absetzen fehl schlug. Diese Immunmechanismen wurden z.B. auch in einer Studie in Mannheim von 2001 beobachtet, in der Patienten mit einer Kombinationstherapie aus Imatinib und Peg-Interferon behandelt wurden und anschliessend Imatinib oder beide Medikamente absetzten.