Diagnose CML - Unsicher wegen Studienteilnahme

z.B. welche Therapiewege kann ich einschlagen? Welche Optionen und Alternativen gibt es? Wie interpretiere ich Optionen und wie gehe ich mit der Unsicherheit um?

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vivifee
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Beitrag von vivifee » 18.07.2008, 10:22

Lieber Nordstern,
ich habe gerade Deine Frage vom Dez. 2006 hier im Forum gelesen, hinsichtlich der Frage, ob Studie und in Kombitherapie Interferon + Glivec oder nicht.
Stehe gerade vor derselben Frage und muss mich bis zum 22.7.08 entscheiden.
Mich interessiert nun Deine Entscheidung und wie es Dir mit oder ohne Interferon bzw. mit Glivec körperlich und psychisch geht.
Herzliche Grüße aus Göttingen
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unknown

Beitrag von unknown » 26.11.2007, 22:10

Ihre Milz war vergroessert und sie war voller Wasser.Sie so zu sehen und nicht helfen zu koennen war schwer.Sie bekam Blut mehrere Male aber es ging ihr nur schlecht.Sie bekam Morfin Pflaster gegen Schmerzen ,,sie konnte bald nicht mehr alleine stehen,gehen und wollte auch nicht mehr sitzen. Sie wusste das sie nur noch leiden wuerde---sie wollte nach ein paar Monaten nur sterben---sie ist seit dem 2o 11 tot. Ach wenn ich sie gern noch behalten haette,sie hat denke iich,fuer sich richtig entschieden. Sie hat fast nichts mehr gegessen und den Aertzen gesagt,das sie so nicht leben kann und will---Noch ist das alles wie ein Film fuer mich ---ich hatte ihr so gern geholfen--- Moeglich das bei juengeren Menschen die Krankheit nicht so zur qUAL WIRD UND ES NOCH mOEGLICHKEITEN ZUR tHERAPIE GIBT; ICH WUENSCHE ALLEN bETROFFENEN UND AUCH DEN aNGEHOERIGEN VIEL kRAFT UND AALLES gute
<!-- BBCode Quote Start --><TABLE BORDER=0 CELLPADDING=3 CELLSPACING=1 ALIGN=CENTER WIDTH=85%><TR><TD><font class="pn-sub">Zitat:</font><HR noshade height=1></TD></TR><TR><TD><FONT class="pn-sub"><BLOCKQUOTE>Hallo,
vor ca. 3 Wochen habe ich den Befund CML erhalten, der mich zunächst komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich habe gerade eine kleine Tochter bekommen (8 Monate) und hätte gern auch noch weitere Kinder ....

Jetzt versuche ich mir einen Weg durch mein "neues" Leben zu bahnen. Ich bin in einer Klinik in Behandlung, mit der ich eigentlich sehr zufrieden bin. Nun habe ich mir aber doch noch eine zweite Meinung eingeholt und bin verunsichert, insbesondere was die Teilnahme an einer Studie betrifft.

Die erste Meinung war, dass bei Neudiagnose zunächst allen Patienten erst einmal Glivec 400 verabreicht wird, und nur wenn es Probleme gibt, andere Komibnationen ausprobiert werden... Hier mache dann eine Berücksichtigung von Studien Sinn.
Die zweite Meinung hat ein hohes Eigeninteresse an den Studien und hat mir nahegelegt, teilzunehmen. Einleuchtend ist mir auch der intensive und standardisierte Untersuchungsumfang.
Wenn ich von vorne herein wüsste, für Glivec 400 ausgelost zu werden, müsste ich wohl nicht lange überlegen. Vor den anderen Kombinationen habe ich allerdings etwas Angst und möchte mit so wenig Nebenwirkungen wie nur nötig leben.
Kann mir jemand hierzu seine Erfahrungen berichten?
</BLOCKQUOTE></FONT></TD></TR><TR><TD><HR noshade height=1></TD></TR></TABLE><!-- BBCode Quote End -->

<IMG SRC="modules/phpBB_14/images/smiles/icon_confused.gif"> <IMG SRC="modules/phpBB_14/images/smiles/icon_confused.gif"> <IMG SRC="modules/phpBB_14/images/smiles/icon_confused.gif"> <IMG SRC="modules/phpBB_14/images/smiles/icon_confused.gif"> <IMG SRC="modules/phpBB_14/images/smiles/icon_cool.gif"> Hallo ich bin Luna
Vor ca 3 Monaten ist meine Mutter an CML erkrankt,von jetzt auf gleich war sie nur .

muede und kraftlos.

Lise
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Beitrag von Lise » 23.12.2006, 21:53

Hallo Nordstern,

ich war vor zwei Jahren in einer ähnlichen Lage und habe mit den Studien sehr gezaudert. Da ich zum Zeitpunkt der Diagnose noch schwanger war, konnte ich noch etwas warten (die Werte waren auch noch sehr niedrig). Nach der Entbindung wollte ich dann unbedingt in den reinen Interferon-Arm, der damals noch angeboten wurde, um weiter stillen zu können.
Aber es hat nicht sollen sein - ich sage mal, heute bin ich froh darum. Denn mit Glivec (ich war auch noch in dem Arm "Kombi Glivec mit Ara-C", einem Chemotherapeutikum, wenngleich in geringster Dosis) sind meine Wert in traumhafte Tiefen gefallen, das hätte ich mit Interferon wohl nicht geschaffft.
Die Zweifel haben sich aufgelöst, nachdem ich mit einem Co-Kranken, vermittelt über meinen Doc, telefoniert habe.

Was die Frage der Studie anbelangt - den Argumenten von Jan ist wenig hinzuzufügen. Die Behandlung mit Glivec 400 ist absoluter Standard, Glivec 800 (also die doppelte Dosis) ist heute auch keine Neuigkeit mehr und "Glivec und Interferon" (das ist doch der dritte Zweig?) ist ebenfalls ein sehr interessanter Ansatz, siehe Jans Therapieerfolg derzeit.

Alles drei Varianten werden bei Dir gut handelbar sein, und vor allem: die Untersuchungen sind sehr genau und gründlich, der Arzt ist durch die Vernetzung immer auf dem Laufenden, und mir persönlich gibt es ein Gefühl von Sicherheit, in der Studie zu sein. Die eigenen Daten tragen zu Forschungsfortschritten bei!

Wirst Du denn jetzt bereits therapiert?

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg, ich und alle hier können es knapp 1:1 nachfühlen, wie es jetzt bei Dir aussieht.

Viele Grüße und frohe Weihnachten von Lise
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jan
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Beitrag von jan » 23.12.2006, 16:02

Hallo Pascal, Nordstern,

wobei man hier wieder sehr klar unterscheiden muß: Die CML-Studie IV ist eine Phase-4-Studie, bei der alle drei Therapiearme erwiesenermaßen sehr wirksam sind - man weiss nur nicht, ob langfristig eine Therapieform gegenüber der anderen Vorteile hat oder eventuell mehr Nebenwirkungen zeigt. Man hat also die engmaschige Kontrolle und das Netzwerk einer Studie mit bewährten, zugelassenen Therapien, mit der Möglichkeit, in den Glivec-400mg-Arm zu wechseln, wenn sich Nebenwirkungen zeigen sollten.

Je weniger Patienten an Phase-IV-Studien teilnehmen, desto später weiß man, unter welcher der Therapiewege die wenigsten Probleme auftauchen, weil die Ergebnisse von Individualtherapie nur dem Einzelnen, nicht aber allen nachfolgenden Patienten helfen. Nochmal: Die Kombinationen bzw. höheren Dosen sind ja gerade dafür da, zu erreichen, dass weniger "schief geht", also das Ansprechen zu verbessern und damit das statistische Risiko von Resistenzen zu verringern. Und wenn sich herausstellen sollte, dass unter 800mg/Kombi-Therapie zum Diagnosezeitpunkt auch nur 3% weniger Patienten rezidivieren als unter 400mg-Monotherapie, rettet das im Zweifel Leben: 3% weniger Patienten mit Krankheitsfortschritt. Ohne genügend Teilnehmer in der CML-IV werden wir Patienten darauf nie eine Antwort haben.

Die Studien, die Du im Falle des "Schiefgehens" erwähnst, sind hingegen meist Phase-2-Studien, d.h. Studien, bei denen ein experimentelles Medikament erprobt wird, weil die zugelassenen Alternativen bei diesen Patienten nicht mehr wirksam sind. In eine solche Studie geht man dann, wenn die Standardtherapien keine guten Aussichten mehr bieten. Und die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolgs ist dann deutlich schlechter, weil die Standardoptionen schon fehlgeschlagen sind.

Also bitte nicht frühe Studienphasen (wie z.B. bei CML mit SKI-606 bei Glivec-Resistenz) mit spätphasigen Therapieoptimierungs/Beobachtungsstudien (wie die CML-IV) durcheinanderwerfen! Das ist eine ganz unterschiedliche Sache!

Insofern stellt sich für mich im Falle der CML-IV schon die Frage, ob es denn neben den Vorteilen wirklich einen Nachteil gibt, der es überlegenswert macht, an der CML-Studie IV nicht teilzunehmen -- und welchen rational begründbaren Vorteil eine Therapie außerhalb der Studien haben soll.

Viele Grüße
Jan


unknown

Beitrag von unknown » 23.12.2006, 01:06

Hallo nordstern,

bei einer Chemo sind wohl auch die unten genannten 'schlafenden Zellen' das Problem - d.h., man kann an der Oberfläche aufräumen, aber von unten wächst es wieder nach. Und das bei meist hohen Nebenwirkungen. Würde man radikal aufräumen, dann wäre man bei der Transplantation.

Was die Frage der Studie angeht, gibt es ja auch noch den dritten Weg: Erst ohne Studie die normale Behandlung probieren, und nur im Falle, daß etwas schief geht, dann in eine entsprechende Studie eintreten.
In jedem Falle: sehr genau abwägen, nichts übereilen!

Schöne Feiertage trotz allem,
Pascal.

jan
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Beitrag von jan » 23.12.2006, 00:20

Hallo Nordstern,

ja, es ist sehr unueblich, die CML nur mit einer unspezifisch wirkenden Chemotherapie zu behandeln. Die CML ist, wenn auch langsam entwickelnd am Anfang, eine sehr agressive Krankheit des Knochenmarks, der mit einer Chemo alleine nur im geringen Maße beizukommen ist. Im Grunde ist die Transplantation ja eine Hochdosischemo, in der versucht wird, nahezu alle (kranken)Knochenmarkzellen zu beseitigen, so dass sich das Spenderimmunsystem danach festsetzen und die Immunfunktionen des Empfängers übernehmen kann.

Auch wenn man Leukaemien biologisch untereinander nur schwer vergleichen kann, sind dauerhafte Heilungen bei AML und ALL (die sich recht aehnlich wie CML in Blastenkrise verhalten) alleine mit Chemotherapie sehr selten.

Viele Grüße
Jan

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nordstern
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Beitrag von nordstern » 22.12.2006, 21:52

Ja, die Entscheidung kann einem leider keiner abnehmen...

Ich sehe auch, ich habe noch so viel zu lernen über die Krankheit. Ich bin auch noch gar nicht so vertraut mit den ganzen Diagnosen (PCR, etc.). Aber da ist dieses Forum wirklich sehr hilfreich!

Ist es eigentlich grundsätzlich nicht üblich, dass man eine CML versucht mittels einer Chemo zu therapieren (unabhängig von einer Transplantation)? Ich habe von anderen Leukämien gehört, wo allein die Chemo zu einer Heilung geführt hat.

lg, nordstern
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medusa
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Beitrag von medusa » 21.12.2006, 13:55

Hallo Nordstern,

Ich stand vor fast zwei Jahren auch vor der Entscheidung, ob ich an einer Studie teilnehmen soll oder nicht und habe mich dagegen entschieden.

Ich hätte nicht wählen können welche Behandlung ich bekomme ... das Los hätte entschieden und dazu konnte ich nicht Ja sagen. Meinen Entschluss habe ich nie bereut.

Mein Arzt verstand meine Entscheidung und ich nehme seitdem 400mg Glivec pro Tag ein, habe keine Resistenzen entwickelt und meine Testergebnisse sind gut.

E liebs Sunnegriessli vo dr medusa
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jan
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Beitrag von jan » 20.12.2006, 23:19

Hallo Nordstern,

bezüglich der Wahrscheinlichkeit, dass sich Resistenzen bilden: Das hängt sehr stark davon ab, wie man auf das Medikament anspricht. Die Statistik der Glivec-Studiendaten aus mittlerweile über 60 Monaten zeigt: Je höher die Tumorlast, desto höher die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden, oder umgekehrt, das Erreichen einer guten Remission minimiert die Gefahr einer Resistenz.

Dazu steht das Ziel, eine komplette zytogenetische Remission (keine Ph-Zellen im Knochenmark nachweisbar) und danach gute molekulare Remission (PCR unter 0,1%) zu erreichen. In der Glivec-Zulassungsstudie IRIS erfuhren insgesamt 7% der Glivec-Patienten ein Fortschreiten der Krankheit. Von denen, die eine zytogenetische Vollremission erreichten, waren 91% ohne Fortschreiten der Krankheit, und von denen, die eine PCR unter 0,1% BCR-ABL/ABL hatten, sind ausnahmslos alle über einen Zeitraum von 60 Monaten ohne Rückfall geblieben.

Dementsprechend ist natürlich das Ziel, möglichst schnell eine gute molekulare Remission zu erreichen, um das Risiko eines Krankheitsfortschritts, in dem Glivec nicht mehr gut wirkt, zu minimieren. Man weiss, dass man diese Remissionen mit der höheren Dosis oder Kombination schneller erreicht - aber ob das statistisch im Vergleich zur Standarddosis wirklich einen Vorteil bringt, muss man eben erst langfristig in der aktuellen Studie sehen.

Ich selbst kann die Teilnahme an Studien nur aus eigener Erfahrung unterstützen. Man ist dort in guten Händen, es werden eher mehr als zu wenig Kontrolluntersuchungen gemacht, und im Falle von Schwierigkeiten ist man bei einem Arzt, der im internationalen Forschungsnetzwerk bestens verdrahtet ist und auch an Informationen über seltene Komplikationen oder Therapiealternativen kommt. Und nebenbei tut man noch etwas für alle anderen Patienten, indem die eigenen Daten strukturiert gesammelt werden und die Studienzentrale in einigen Jahren eine Aussage treffen kann, welche Therapieform denn nun wirklich besser ist.

Zu Deiner Frage zu mir - ja, ich wurde von September 2001 mit der Kombination von Glivec und pegyliertem, niedrig dosiertem Interferon in einer Studie behandelt (Glivec war zu der Zeit noch nicht zugelassen). Ich hatte nach einem Vierteljahr eine komplette zytogenetische Remission, nach 4 Monaten war meine PCR auf 0,1%, und danach dauerhaft über Jahre deutlich niedriger, wenn auch fast immer messbar positiv. Im April diesen Jahres habe ich in enger Absprache mit meinem Arzt Glivec abgesetzt und nur mit Interferon als Erhaltungstherapie weitergemacht. Dies scheint gut zu funktionieren - seitdem ist meine regelmäßig kontrollierte PCR weiterhin konstant sehr niedrig. Bei hoher Tumorlast reicht Interferon nur bei einem kleinen Teil der Patienten, bei (durch Glivec erreichter) niedriger Tumorlast scheint Interferon aber in der Lage zu sein, die CML dauerhaft unter Kontrolle zu halten. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

Herzliche Grüße
Jan

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nordstern
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Beitrag von nordstern » 20.12.2006, 13:49

Vielen Dank für die Informationen.
Es fällt mir hier schon verdammt schwer, mich für den "richtigen" Weg zu entscheiden. Im Moment habe ich noch genug damit zu tun, überhaupt zu verstehen, was mit mir passiert und dann muss ich auch noch die Entscheidung Studien-Teilnahme ja oder nein treffen....

Jan, Du schriebst, du wurdest die ersten Jahre mit der Kombi-Therapie behandelt. Hast Du jetzt eine andere Therapieform gewählt bzw. verschrieben bekommen?

Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Resistenzen bilden?

Viele grüsse, nordstern
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jan
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Beitrag von jan » 20.12.2006, 02:18

Hallo Nordstern,

wie es Dir nach der Diagnose geht, verstehen wir alle sicher sehr gut. Wir sind alle durch diese Achterbahn gegangen und wissen, wie schwierig diese Zeit ist. Ich wünsche Dir gute Nerven, diese sPhase zu überstehen. Wie Gerd bereits andeutete - man kann bei CML mittlerweile sehr guter Hoffnung sein, damit sehr alt zu werden.

Bzgl. der Studienentscheidung - dieses Thema wurde hier öfter diskutiert. Ich nehme an, dass Du von der "CML-Studie IV" sprichst, richtig? Mehr Informationen zu dieser Studie <!-- BBCode Start --><A HREF="http://www.leukaemie-online.de/modules. ... le&sid=247" TARGET="_blank">findest Du hier</A><!-- BBCode End -->. Die Studie ist eine randomisierte Studie, d.h. die Patienten werden per Zufallsverfahren auf die drei Therapieoptionen (Arme) verteilt; meines Wissens kann man bei randomisierten Studien nicht selbst wählen, da eine solche Vorauswahl auf Ärzteseite ja die statistische Gleichverteilung der Studienarme bei Eintritt gefährden würde. Eine (Doppel)blindstudie ist diese CML-Studie IV nicht, da nach Anwendung des Zufallsverfahrens sowohl Arzt als auch Patient wissen, welche Medikation angewendet wird.

Allerdings würde ich gerne Deine Bedenken bzgl der Therapieoptionen zerstreuen.

Die Standardtherapie ist die zugelassene Dosierung Glivec 400mg, muss also nicht näher erklärt werden.

Bei Glivec 800mg hat man mittlerweile festgestellt, dass die Remissionen schneller eintreten, ob daraus aber langfristig ein Vorteil und weniger Rückfälle eintreten, soll gerade diese Studie klären. Es gibt unter den CML-Ärzten hierzu unterschiedliche Auffassungen, ob die Remissionen nur schneller oder auch besser sind, und ob die erhöhten Nebenwirkungen gerechtfertigt sind. Die Nebenwirkungen bei 800mg sind aller Erfahrung nach etwas stärker, aber selten deutlich merkbar.

Die Kombination von Glivec und Interferon folgt der Theorie, dass Glivec die "schlafenden Zellen" nicht erreicht, und aufgrund des sehr stark auf ein molekulares Ziel ausgerichteten Glivecs können bei leichten Veränderungen in der Struktur der CML-Zellen Resistenzen eintreten - was nur selten passiert, aber doch immer wieder. Interferon ist ein seit Jahren gut bekanntes CML-Medikament, das bei CML wirksam ist. Man folgt hier der Theorie, dass in der Kombination ein Angriff von zwei Seiten langfristig Vorteile bringt und die Gefahr von Resistenzen minimiert. Aufschluss gibt auch hier langfristig die CML-Studie IV. Allerdings hat Interferon einige Nebenwirkungen bei vielen Patienten.

Ich selbst wurde die ersten 4,5 Jahre meiner Therapie in letzterer Kombination behandelt und bin damit sehr gut gefahren; befinde mich seit rund 4 Jahren in molekularer Vollremission. Die Nebenwirkungen von beiden Medikamenten bei mir waren bei mir minimal.

Ich bin insgesamt ein Anhänger der Kombinationstherapien, da ich selbst von der Möglichkeit, die CML von verschiedenen Seiten anzugreifen und so eventuell mutierte Zellen mit dem zweiten Medikament von vornherein zu erwischen, recht überzeugt bin. Eine spätere Intervention mit Kombinationen, wenn schon eine Resistenz eingetreten wäre, könnte riskanter sein.

Es gibt aber zum Thema "Studienteilnahme Pro&Con" durchaus unterschiedliche Meinungen, die auch hier im Forum schon ausgetauscht wurden. Wenn Du über die Foren-Suchfunktion nach "CML-Studie" suchst, findest Du die entsprechenden Diskussionsverläufe, beispielsweise <!-- BBCode Start --><A HREF="http://www.leukaemie-online.de/modules. ... &topic=926" TARGET="_blank">diesen</A><!-- BBCode End -->.

Wenn wir Dir direkt noch Fragen beantworten können, lass es uns bitte wissen...

Herzliche Grüße
Jan


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Beitrag von MegaGerd » 19.12.2006, 08:58

PPS: Bei den Studienarten gibt es noch eine dritte Form, die ich unten vergessen habe, die offene Studie. In diese Studienart bin ich eingeordnet, da mir meine Behandlung der CML mit SZT bekannt war. Wenn Du Dich für eine Behandlung mit Glivec entscheidest und dies im Rahmen einer Studie geschieht, wäre dies ebenfalls eine offene Studie.

Nochmal Grüße,

Gerd
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MegaGerd
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Beitrag von MegaGerd » 19.12.2006, 08:54

PS: Auch meine Behandlung wurde und wird auch heute noch im Rahmen einer Studie überwacht.

Herzliche Grüße,

Gerd
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Beitrag von MegaGerd » 19.12.2006, 08:52

Hallo "Nordstern",

die Teilnahme an einer Studie bedeutet nicht, daß man in seiner Therapiewahl eingeschränkt wird. Wenn Du mit Glivec behandelt werden möchtest, kannst Du diesen Wunsch klar äußern und wirst nicht für eine Behandlungsform ausgelost. Bei Deiner Entscheidung für Glivec kannst Du trotzdem an einer Studie teilnehmen. Die Studien dienen im Allgemeinen dazu, eine Behandlungsform zu beobachten um den Verlauf und die Wirksamkeit dieser Behandlungsart zu beobachten und am Ende wissenschaftlich fundierte Vergleiche mit anderen Behandlungsformen aufzustellen.

Es gibt verschieden Studienarten:
Bei einer Blindstudie weiß der Patient nicht, mit welchem Medikament er behandelt wird. Auf diese Weise kann er gegen sein Medikament nicht voreingenommen sein und so die Wirksamkeit aus dem Unterbewußtsein beeinflussen.

Bei eine Doppelblindstudie wissen weder Patient noch der behandelnde Arzt, welches Medikament verabreicht wird. So will man absolut sicher gehen, daß keinerlei äußere Beeinflussung des Patienten möglich ist, die wie bei einer einfachen Blindstudie auch, das Ergebnis beeinflussen könnte.

Ich erhielt im Juni 1999 die Diagnose CML. Glivec gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland. In den USA liefen die ersten Studien zu Glivec, das damals noch unter der Forschungs-Bezeichnung STI 571 geführt wurde. Damals wurde die Behandlung der CML mit STI 571 mit der Behandlung der CML mit Interferon verglichen. Die erste STI 571- Studie in Deutschland startete im Frühjahr 2000. Die Studien-Ergebnisse zeigten sehr schnell die Überlegenheit von STI 571 und das Medikament wurde deswegen in Rekordzeit für die Behandlung der CML zugelassen und kam unter dem Namen Glivec in die Apotheken.

Nach Diagnosestellung hatte ich mich 1999 für eine Stammzelltransplantation entschieden, die im April 2000 durchgeführt wurde. Die SZT war ein voller Erfolg und heute gilt meine CML als geheilt. Es geht mir fast so, als sei nichts gewesen. Darum kann ich persönlich keine Auskunft zu einer Behandlung mit Glivec geben.

Für Deine Behandlung wünsche ich Dir alles Gute und Mut und Zuversicht bei der Verarbeitung der Diagnose CML. Diese Diagnose ist heute kein Todesurteil mehr. Nimm Dir als ein Beispiel irgend jemanden, der es geschafft hat und glaube daran, daß Du es auch schaffen kannst, wenn er es geschafft hat.

Nochmal alles Gute und herzliche Grüße,

Gerd
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nordstern
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Beitrag von nordstern » 18.12.2006, 14:03

Hallo,
vor ca. 3 Wochen habe ich den Befund CML erhalten, der mich zunächst komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich habe gerade eine kleine Tochter bekommen (8 Monate) und hätte gern auch noch weitere Kinder ....

Jetzt versuche ich mir einen Weg durch mein "neues" Leben zu bahnen. Ich bin in einer Klinik in Behandlung, mit der ich eigentlich sehr zufrieden bin. Nun habe ich mir aber doch noch eine zweite Meinung eingeholt und bin verunsichert, insbesondere was die Teilnahme an einer Studie betrifft.

Die erste Meinung war, dass bei Neudiagnose zunächst allen Patienten erst einmal Glivec 400 verabreicht wird, und nur wenn es Probleme gibt, andere Komibnationen ausprobiert werden... Hier mache dann eine Berücksichtigung von Studien Sinn.
Die zweite Meinung hat ein hohes Eigeninteresse an den Studien und hat mir nahegelegt, teilzunehmen. Einleuchtend ist mir auch der intensive und standardisierte Untersuchungsumfang.
Wenn ich von vorne herein wüsste, für Glivec 400 ausgelost zu werden, müsste ich wohl nicht lange überlegen. Vor den anderen Kombinationen habe ich allerdings etwas Angst und möchte mit so wenig Nebenwirkungen wie nur nötig leben.

Kann mir jemand hierzu seine Erfahrungen berichten?

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