Mutter an Leukämie gestorben - Ärzte machen mir ständig Angs

Wie gehe ich mit Leukämie im Alltag um? Wie unterstütze ich als Freund oder Angehöriger? Welche Erfahrungen gibt es bezüglich Rente, Behindertenausweis, Psychotherapie, Kur?

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unknown

Beitrag von unknown » 02.06.2010, 09:11

Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Anna sollte ihre familiäre Vorgeschichte nicht verschweigen, oder "fälschen", sondern sie sollte meiner Meinung nach erst mal eine Diagnose abwarten ohne vorher auf eine Krebserkrankung der Mutter zu verweisen. Ich denke solche Vorinformationen können die Betrachtungsweise eines Arztes ohne weiteres beeinflussen. Das sie dem Arzt nach der ersten Diagnose mehr über die Vorgeschichte erzählen sollte ist richtig und wichtig, damit er sie weiter im Auge behalten kann. Aber wie Jan schon sagt: Bange machen gilt nicht!

jan
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Beitrag von jan » 02.06.2010, 09:01

Hallo Anna,

es ist sehr bedauerlich, dass Dir die Ärzte unnötig Sorgen machen.

Zwar ist es richtig, genauer hinzusehen, wenn es bei den engen Verwandten mehrere Krebsfälle gab - vor allem, wenn der Krebs nicht im hohen Alter auftrat, in dem es bei den meisten Menschen zu genetischen Mutationen kommt und oftmals auch ein Tumor entsteht. Man ist sich jedoch gerade bei Leukämien heute recht sicher, dass Leukämien spontan durch eine einzelne Mutation entstehen und nicht erblich sind -- aber zum Teil gibt es "Familienveranlagungen", d.h. wenn in einer Familie gehäuft Krebsfälle auftreten, könnte es sein, dass eine genetische Vorveranlagung besteht, die das Entstehen von Krebs im Allgemeinen begünstigt. Dies äußert sich dann aber nicht durch das Entstehen derselben Krebserkrankung, sondern eine Begünstigung von jeder Art Tumore. Andere Krebsarten - wie z.B. Brustkrebs oder Ovarialkrebs, nicht aber Leukämien - sind da eine andere Geschichte, da manche genetischen Vorveranlagungen erblich sind.

Eine aufmerksame Beobachtung durch den Hausarzt kann, finde ich generell, grundsätzlich nicht schaden.

Unverantwortlich und unsinnig ist jedoch, Dir Angst zu machen oder gar "bei dieser Vorgeschichte gute Chancen" für eine Krebserkrankung anzukündigen. Das ist meiner Ansicht nach nicht richtig - oder unsinnige Panikmache. Statistisch ist es korrekt, dass 1 von 3 Europäer im Laufe seines Lebens sowieso Krebs bekommt (die meisten aber erst im sehr hohen Alter) - insofern gibt es ein generelles Krebsrisiko, das unserem erfreulich hohen Lebensalter geschuldet ist, aber für Verwandten von Leukämiekranken ist dieses Risiko im Allgemeinen nicht höher als in der allgemeinen Bevölkerung.

Meinem anonymen Vorredner kann ich daher einerseits zustimmen und andererseits vehement widersprechen: Ich würde mir auch einen anderen, erfahrenen Hausarzt suchen, der mit der Sache rational umgeht und Dir nicht unsinnig Angst macht. Regelmäßig hinschauen, aber nicht unnötige Nervosität verbreiten. Wenn es Dich beruhigt, kann eine Beratung durch einen Hämatologen helfen, der Dir die Zusammenhänge von Familienerkrankungen und Risiken erklären kann. Völlig anderer Meinung bin ich aber, einen Hausarzt zu suchen und diesem Familienerkrankungen zu verschweigen. Ein umsichtiger Arzt geht mit diesen Informationen sachlich um, bezieht sie in seine Gesamtbetrachtung ein, und weiss, wo er genauer hinsehen muß. Das Verschweigen von Historie und das Fehlen von Informationen kann nachteilig sein, denn sollte eine Nadel im Heuhaufen sein, ist es zumindest gut zu wissen, dass sie da ist, falls man eine braucht. Lasse Dir evtl von einem niedergelassenen Onkologen oder Hämatologen einen Hausarzt in Deiner Nähe empfehlen, der Erfahrung mit Krebspatienten hat - dieser ist beim Umgang und der Beobachtung von Angehörigen sicherlich umsichtiger und einfühlsamer.

Viele Grüße
Jan
[addsig]

unknown

Beitrag von unknown » 01.06.2010, 23:54

<!-- BBCode Quote Start --><TABLE BORDER=0 CELLPADDING=3 CELLSPACING=1 ALIGN=CENTER WIDTH=85%><TR><TD><font class="pn-sub">Zitat:</font><HR noshade height=1></TD></TR><TR><TD><FONT class="pn-sub"><BLOCKQUOTE>

Ich habe mich auch an die Klinik gewandt, in der meine Mama behandelt wurde und darum gebeten, mir die Krankenakte bzw. wenigstens die Diagnose zu geben, damit die Ärzte zumindest mal ahnen, wonach sie eigentlich suchen.

Viele liebe Grüße,
Anna :) </BLOCKQUOTE></FONT></TD></TR><TR><TD><HR noshade height=1></TD></TR></TABLE><!-- BBCode Quote End -->


Richtige Idee, falscher Beweggrund...

Du sagst auf der einen Seite, dass dir die Situation Stress bereitet, aber auf der anderen Seite willst du losziehen und den Ärzten weiter "Futter" beschaffen, damit sie "wissen wonach sie suchen sollen". Ich würde erst mal davon ausgehen, dass du zwar an Allergien und Hautausschlägen leidest, aber von da aus bis zur Krebs/Leukämieerkrankung ist dann doch noch ein SEHR weiter Schritt.

Ich würde mir an deiner Stelle einen NEUEN Hautarzt suchen und dem KEIN WORT von der "Vorgeschichte" deiner Mutter erzählen. Ich schätze er wird von alleine keinen Zusammenhang zwischen Allergie/Hautausschlägen und Krebs/Leukämie herstellen.

Krebs ist in den seltensten Fällen erblich. Deine Chancen NICHT an der gleichen Erkrankung wie deine Mutter zu leiden stehen ungleich höher, als das Risiko ebenfalls zu erkranken.

Wenn du unbedingt Klarheit willst, dann lass dir die Diagnose deiner Mutter mitteilen und geh mit dem Ergebnis zu einem Onkologen. Er kann dir verlässlich sagen wie groß das Risiko ist, dass du die Krankheit ebenfalls bekommst.

unknown

Beitrag von unknown » 01.06.2010, 10:29


Hallo Hagi,

vielen lieben Dank für Deine aufmunternde Antwort! Auf die Idee einen Hämatologen zu suchen wäre ich gar nicht gekommen, aber das werde ich jetzt auf jeden Fall mal in Angriff nehmen.
Ich habe mich auch an die Klinik gewandt, in der meine Mama behandelt wurde und darum gebeten, mir die Krankenakte bzw. wenigstens die Diagnose zu geben, damit die Ärzte zumindest mal ahnen, wonach sie eigentlich suchen.

Viele liebe Grüße,
Anna :)

Haggi
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Beitrag von Haggi » 31.05.2010, 22:51

Hi Anna

Da würde ich mich nicht verunsichern lassen. Ärzte schwenken gerne auf ne Schiene ein die man ihnen legt.
Ich nehme mal mich selbst. Vor nem Jahr hatte ich 117 Kilo und immer hohen Blutdruck und nen Ruhepuls von größer 100. Da hieß es immer "Sie sind zu dick deshalb". Komischerweise lag man Blutdruck bereits wenige Wochen nach meiner Diagnose und Therapiebeginn im Normbereich, ist inzwischen sogar unter norm, auch mein Ruhepuls ist unten, trotz der Tatsache das ich erst danach signifikant Gewicht verloren habe. Es lag an meinem miesen Blutbild und ned am Hüftgold.
Ärzte machen es sich gerne leicht.
Sicherlich ist es immer gut bei vorbelastung öfters mal zu gucken, aber du solltest nicht in Angst leben.

Geh doch mal zu nem guten Hämtologen, sprich mit ihm drüber und lass dich gut untersuchen, dann bist du schlauer ;) Nur weil deine Mutti Leukämie hatte musst du nicht auch darauf einschwenken.

Nur Mut, und bei Fragen immer raus damit , wir sind ja gerne für andere da.

Haggi
[addsig]

unknown

Beitrag von unknown » 31.05.2010, 15:33

Hallo an Alle,

zunächst möchte ich sagen, dass ich es sehr gut finde, wie offen und aufgeschlossen hier über eure Krankheit bzw. die Erkrankung von Angehörigen und Freunden gesprochen wird. Ich habe einiges mitgelesen und habe viel Respekt vor Eurem Umgang mit der Erkrankung.

Ich habe folgende Frage: Meine Mutter ist vor vielen Jahren an Leukämie gestorben. Leider habe ich keine Ahnung, welche Art von Leukämie sie hatte, aber nach den Erzählungen glaube ich, dass es eine chronische Leukämie war. Jedenfalls muss man das ja auch immer beim Arzt angeben (meine Mutter war wahrscheinlich schon krank, als sie mit mir schwanger war). Da ich auch öfter mit Allergien etc. zutun habe und die Krankheit bei meiner Mutter mit Hautausschlägen begann, machen mich die Ärzte total wahnsinnig. Ich bekomme andauernd Differential- Blutbilder gemacht und ein besonders sensibler Arzt hat mir sogar gesagt, ich hätte "bei dieser Vorgeschichte auch gute Chancen". Jetzt habe ich seit ein paar Wochen wieder mit einem Hautausschlag zutun, und nun geht das ganze Theater wieder los.
Ist das Verhalten der Ärzte aus eurer Sicht angemessen? Mir geht es ansonsten echt gut.

Viele liebe Grüße und danke für Eure Meinung!

Anna

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