Messgenauigkeit von Laborergebnissen

Woran erkenne ich Leukämie? Wie verstehe ich Laborergebnisse und Arztberichte? Was bedeuten meine Werte z.B. zu PCR, FISH, Zytogenetik?

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Thomas55
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Re: Messgenauigkeit von Laborergebnissen

Beitrag von Thomas55 » 18.11.2020, 20:15

kh4u hat geschrieben:
18.11.2020, 16:24
Mir fiel jetzt auf, dass meine Thrombozytenwerte immer dann schlechter waren, wenn kapillares Blut aus den Fingerkuppen entnommen worden war.
....Fingerblut ist nicht geeignet um ordentliche Blutbilder zu bekommen.

Ich kann übrigens meine Anfangs geschilderten Erfahrungen , die ich an anderer Stelle schon geschildert habe, hier nochmals kurz erzählen, da es in diesen Thread hier gut reinpasst.
Im der Ambulanz der Uniklinik zählte der Automat 7.000 Thrombozyten (Venenblut), eine Stunde später waren die Ergebnisse vom Zentrallabor (gleiches Blut) mit 14.000 Thrombos 100% mehr. Vor etwas mehr als zwei Wochen waren in meiner großen hämatologischen Praxis mit Tagesklinik die Thrombos mit Thrombo Exact gemessen nicht mehr nachweisbar, das EDTA Blut erbrachte 1.000 Thrombos und ein zweiter Reserveapparat zählte immerhin 4.000. Hängt wohl auch damit zusammen dass durch meine jahrelange Thrombozytopenie meine Restthrombos wohl so groß sind, dass sie nicht richtig gezählt werden können, eigentlich müsste das von Hand am Mikroskop ausgezählt werden.
Gruß Thomas

kh4u
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Re: Messgenauigkeit von Laborergebnissen

Beitrag von kh4u » 18.11.2020, 16:24

Hallo Thomas,
bei meiner AML Behandlung werden die Blutproben zu Beginn der Vidaza Therapie aus der Armvene und bei der Kontrollmessung 15 Tage später aus einer Fingerkuppe entnommen.
Mir fiel jetzt auf, dass meine Thrombozytenwerte immer dann schlechter waren, wenn kapillares Blut aus den Fingerkuppen entnommen worden war. Als Ursache vermute ich zwar die zu den Entnahmezeitpunkten unterschiedlich starke Vidaza Wirkung, aber ich habe mich auch zu den Unterschieden und möglichen Messfehlern belesen und da gibt es klare Hinweise.

- Kapillares Blut und Venenblut sind nicht identisch und schon deshalb nicht für alle erwarteten Meswerte gleich gut geeignet.
- Die Konzentration von Stoffen im Kapillarblut ist innerhalb kurzer Zeit starken Schwankungen ausgesetzt.
- Fehler können bei der Durchführung der Blutentnahme gemacht werden:
-- Der Finger sollte warm sein.
-- Punktion in kalte oder feuchte Fingerkuppe kann zu Hämolyse führen
(Unter Hämolyse versteht man die Auflösung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Dabei wird die Zellmembran, die das rote Blutkörperchen umgibt, zerstört mit Austritt von Hämoglobin).
Empfohlen wird die vorherige Aufwärmung des Fingers unter warmem Wasser.
Meine Extremitäten sind durchweg leicht kalt besonders natürlich jetzt im Herbst.
Abhängig vom Temperament der MTA, wurde bei mir entweder leicht massiert oder stark gerubbelt (Hämolyse).
-- Bei der Blutentnahme sollte der Finger weder gemolken noch gar gequetscht werden, das führt zu Hämolyse und Kontamination mit Gewebeflüssigkeit (Lymphflüssigkeit), was insbesondere die Thrombozyten Messwerte verringern kann.

Die möglichen Messfehler bei einer Kapillarblutentnahme liegen nicht im Bereich der Nachkommastellen, sondern durchaus im zweistelligen Prozentbereich.
Für die Bestimmung von Blutwerten vor Therapieentscheidungen wird man wohl ausschließlich auf Venenblut zurückgreifen.
Wird aus meist wirtschaftlichen Gründen für Kontrollzwecke die Kapillarblutentnahme angewendet, werde ich die Messwerte zukünftig kritisch hinterfragen.

Thomas55
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Messgenauigkeit von Laborergebnissen

Beitrag von Thomas55 » 26.10.2019, 10:31

Als langjährigem Patient ist mir natürlich bekannt, dass es viele Untersuchungen gibt, deren Messgenauigkeit und Aussagekraft so unsicher ist dass sie manchmal eher nicht gemacht werden sollten.
Allerdings hätte ich angenommen, dass die Blutbilder die in der Hämatologie/Onkologie jeden Tag in modernen Automaten gemacht werden recht zuverlässig sein müssten. Davon hängen ja oft schnelle kurzfristige Entscheidungen ab, z.B. ob eine Therapie weiter geführt wird oder nicht. Sehr überrascht hat mich ein Erlebnis das ist gestern hatte :

Ich bin in einem großen onkologischen Therapiezentrum ( 8 Ärzte, rd. 30 Therapieplätze mit eigenem Labor, jede Menge Personal usw.) in Behandlung. Das Labor hat zwei Automaten die in rd. einer Minute automatisch ein großes Blutbild machen. Bei mir erbrachten gestern die Thrombos mit dem Thrombo Exakt Röhrchen, das ein genaueres Ergebnis bringen sollte, 7.000 Thrombos. Etwa eine dreiviertel Stunden später wurde mit der gleichen Blutprobe mit einem anderen neuen Apparat der bisher abseits erst im Probebetrieb läuft 11.000 Thrombos gemessen, also rd. 40 % mehr. Ich gehe davon aus, dass dieser bessere Wert richtig ist, da ich bei nur 7 Tsd. Thrombos mehr Petechien haben müsste.

Gruß
Thomas

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