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London – Alle Patienten, die mit dem Krebsmedikament Idelalisib behandelt werden, sollten eine Antibiotikaprophylaxe zur Vorbeugung einer Pneumocystis jirovecii-Pneumonie erhalten. Die Ärzte sollten bei ihren Patienten zudem auf Infektionen oder Neutropenien achten und im Fall einer Komplikation die Behandlung sofort abbrechen. Diese Empfehlung veröffentlichte der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) als Reaktion auf schwere Komplikationen und Todesfälle, die zum Abbruch von sechs klinischen Studien geführt haben.

Idelalisib ist seit Oktober 2014 zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) in Kombination mit Rituximab sowie zur Behandlung des follikulären Lymphoms zugelassen, das zur Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome zählt. Beim follikulären Lymphom ist eine Monotherapie möglich. In beiden Indikationen ist Idelalisib ein Reservemittel, dessen Einsatz erst nach dem Versagen anderer Therapien erlaubt ist.

In den jetzt gestoppten Studien wurde Idelalisib neben der CLL noch in weiteren Indikationen (small lymphocytic lymphoma und indolente Non-Hodgkin-Lymphome) untersucht. In diesen Studien ist es zu schweren Zwischenfällen gekommen, die teilweise tödlich endeten. Laut der Mitteilung der EMA waren die Todesfälle auf Pneumocystis jirovecii-Pneumonien und Zytomegalievirus-Infektionen zurückzuführen. In anderen Fällen sei der Tod auf „Atemwegsereignisse“ zurückzuführen gewesen.

Die Studien zum Non-Hodgkin-Lymphom umfassten laut EMA Patienten, deren Krankheitsmerkmale sich von den derzeitigen Zulassungsbedingungen unterscheiden. Es sei zudem eine Kombination von Medikamenten eingesetzt worden, die derzeit nicht zugelassen ist. An der klinischen Studie zur CLL beteiligten sich Patienten, die noch keine frühere Behandlung erhalten hatten. Einige wiesen eine 17p Deletion oder eine TP53-Mutation auf. Auch in dieser Studie wurden derzeit nicht zugelassene Kombinationen verwendet.

Als Erstmaßnahme, die weitere Zwischenfälle vermeiden soll, rät der PRAC ab sofort, alle Patienten zur Vermeidung von Pneumocystis jirovecii-Pneumonien mit Antibiotika zu behandeln. Die Ärzte sollen zudem ihre Patienten auf Zeichen einer Infektion unter­suchen und regelmäßig die Konzentration der neutrophilen Granulozyten überprüfen.

Ein Abfall dieser Zellen ist ein Alarmsignal, da es die Immunabwehr gegen Krank­heitserreger schwächt. Der PRAC empfiehlt außerdem, bei Patienten mit generalisierten Infektionen keine Behandlung zu beginnen. Eine weitere Kontraindikation besteht bei zuvor unbehandelten Patienten mit CLL, deren Krebszellen bestimmte genetische Mutationen (17p Deletion oder TP53-Mutation) aufweisen. Bei diesen Patienten war bisher eine Erstlinientherapie erlaubt, wenn die Patienten für eine Chemoimmuntherapie ungeeignet waren.

Idelalisib darf bei CLL-Patienten weiterhin in einer Kombination mit Rituximab eingesetzt werden, wenn die Patienten zuvor wenigstens eine andere Therapie erhalten haben. Beim follikulären  Lymphom ist weiterhin eine Monotherapie erlaubt, die aber weiterhin erst erfolgen darf, wenn die Patienten gegen zwei frühere Therapien refraktär sind.

Die EMA hatte erst vor wenigen Tagen eine Sicherheitsprüfung begonnen. Die jetzigen Empfehlungen gelten bis zum Abschluss dieser Untersuchungen.

 

Deutsches Ärzteblatt vom 21.03.2016

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