Experten wissen schon seit langem, dass die der Nabelschnur gewonnenen Blutstammzellen helfen, tödliche Leukämien und Lymphome zu schlagen. Leider hat es immer eine Grenze gegeben: die durchschnittliche Nabelschnur enthält nur genug Stammzellen, um kleinen Patienten, hauptsächlich Kindern, zu helfen. Die neuesten Untersuchungsergebnisse des Dana-Farber-Krebsinstituts in Boston zeigen nun aber, dass erwachsene Leukämiepatienten erfolgreich mit Stammzellen aus zwei separaten Nabelschnüren behandelt werden können.

"Bemerkenswert daran ist, dass es keine offensichtlichen Nachteile der Verwendung zweier Nabelschnüre gibt, und die neuen Blutkörperchen scheinen schneller anzukommen, schnellerer anzuwachsen", erklärte Dr. Robert Soiffer, Chef der Hämatologie im Dana-Farber. Er sagte, dass die Mehrheit der Patienten, die ein Stammzelltransplantat aus zwei Nabelschnüren erhielten, auch ein Jahr nach der Behandlung immer noch am Leben und gut dran seien.

Die Forscher unter Leitung von Dr. Karen Ballen tabellarisieren noch ihre Daten, und die vollständigen Ergebnisse der Untersuchung werden wahrscheinlich nicht vor Dezember bekannt gegeben, so Soiffer. Jedoch skizzierte er Journalisten bei einem kürzlich vom NCI unterstützten, am Dana Farber durchgeführten Seminar die vorläufigen Ergebnisse.

Ein anderer Experte nannte die Ergebnisse "sehr viel versprechend". Weil die Mehrheit der Leukämie- und Lymphompatienten ältere Erwachsene seien, "eröffnet dies die Möglichkeit, die primäre Patientengruppe zu behandeln", erklärte Louis DeGennaro, Forschungs-Vizepräsident der Leukämie- & Lymphomgesellschaft (Leukemia & Lymphoma Society). "Das Kombinieren von Nabelschnurblut-Entnahmen ist so vielversprechend", sagte er. "Das ist genau das was man braucht - mehr Zellen."

Der Nabelschnur ist eine reiche Quelle von Stammzellen, die dazu bestimmt sind, sich zu Blutkörperchen weiter zu entwickeln. Soiffer wies auch darauf hin, dass Nabelschnurblut eine relativ niedrige Anzahl von Immun-T-Zellen hat - wichtige Spieler in der gefährlichen, nach einer Transplantation auftretenden Immunantwort "Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit" (Graft versus Host Disease = GvHD), die das Leben der Patienten bedrohen kann.

Aus jenen zwei Gründen ist bei der Transplantation von Nabelschnurstammzellen die Schwelle eine korrekte "Übereinstimmung" zwischen Spender und Patient viel niedriger als bei der Verwendung von erwachsenen Knochenmarkstammzellen. "Das bedeutet, dass mehr Patienten behandelt werden können", sagte DeGennaro, "besonders Patienten, die die gegenwärtige Altersgrenze für Transplantationen überschreiten."

Ein anderer Vorteil des Nabelschnur-Transplantats ist: Keinerlei Risiko für den Spender.

Und doch realisierten Ärzte früh, dass eine einfache Nabelschnur einfach nicht genug Stammzellen enthält, um die verwüsteten Immunsysteme von erwachsenen Patienten schnell neu zu besiedeln. "Es kam zu einem langsameren Anwachsen", erklärte DeGennaro. Für Patienten mit Blutkrebs kann diese Verzögerung tödlich sein. "Sie setzt dem Patienten der Ansteckungsgefahr aus, weil ihr Immunsystem kompromittiert ist, und es gibt auch das Risiko des Krankheitrückfalls."

Aber Ballens Team bei Dana-Farber könnte auf eine offensichtliche Lösung gekommen sein. Mit 27 Patienten arbeitend, die an verschiedenen Leukämien oder Lymphomen leiden, erhielten sie Blutstammzellen, die pro Patient von zwei verschiedenen Nabelschnüren gewonnen wurden. Diese Stammzellen wurden damals dem jeweiligen Patienten in einem einfachen intravenösen Verfahren verabreicht.

Obwohl genaue Zahlen noch nicht verfügbar sind, sagte Soiffer, dass sie ein Jahr später "ein relativ schnelles Engraftment gesehen haben, und die Transplantat-gegen-Wirt-Rate ist tolerierbar gewesen". Weiterhin seien "die Jahresüberlebensraten sehr ermutigend - die große Majorität der Patienten sind noch am Leben".

Soiffer sagte, dass es so weit keine zusätzlichen Komplikationen beim Verwenden von zwei Nabelschnüren statt einem zu geben scheint. Eine interessante Erkenntnis: Obwohl Stammzellen von beiden Nabelschnüren über die ersten Monate zu einer neuen, gesunden Blutbildung beitragen, sagte Soiffer, dass " es letztlich zu sein scheint, dass Zellen von einer Nabelschnur am Ende dominieren und am Ende übernehmen. Und wir können im Augenblick nicht vorhersagen, welche Nabelschnur das sein wird."

DeGennaro applaudierte dem Einsatz, warnte aber, dass die Nachfrage nach brauchbarem Nabelschnurblut, das die Eltern öffentlichen Nabelschnurblutbanken spenden, bald das Angebot überschreiten könnte. 

"Verfügbarkeit ist eine wichtiger Punkt", sagte er. Er und Soiffer waren sich einig, dass die meisten US-Kliniken einfach nicht dazu ausgerüstet sind, Nabelschnurblutstammzellen zu gewinnen und angemessen aufzubewahren. Es könne daher sein, dass Eltern an vielen Kliniken nicht in der Lage sein könnten, die lebensrettenden Nabelschnurstammzellen zu spenden.

"Es laufen jedoch einige neue Initiativen", sagte DeGennaro. "Im Moment unterstützt Senator Chuck Schumer (D-N.Y.) das Nabelschnutblutstammzellgesetz, das, wenn es verabschiedet wird, ein landesweiteres Netz von qualifizierten Nabelschnurblutbankzentren schaffen möchte. Dies wären die Zentren für das Aufbereiten und das Verteilen von Nabelschnurblutstammzellen für die Therapie. So etwas könnte die Verfügbarkeitslücke wirklich ausfüllen", so DeGennaro.

Quelle:
  • HealthDay News vom 08.07.2005
Übersetzt aus dem Englischen von Jan.
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