Auf der Krebsstation in der Rostocker Universitätsklinik ist mehr als jeder zweite Leukämiepatient älter als 62 Jahre. Diese Patienten vertrügen die aggressive Behandlung vor einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation wesentlich schlechter als jüngere, sagt der Leiter der Abteilung für Hämatologie und Onkologie, Mathias Freund. "Zudem ist die Gefahr von Unverträglichkeitsreaktionen bei diesen Patienten nach Transplantationen wesentlich höher." Die Rostocker Forscher scheinen mit Treosulfan einen Ausweg gefunden zu haben. 

In einer klinischen Studie entwickeln die Mediziner ein neues Vorbereitungsverfahren für Patienten, die transplantiert werden sollen. Das Medikament Treosulfan habe sich als sehr effektiv und gut verträglich erwiesen, so der Arzt nach dem Abschluss der ersten Studie. In einer zweiten Studie mit fünf weiteren deutschen Städten sowie Kattowitz (Polen), Huddinge (Schweden) und Helsinki (Finnland) werden nun bis zu 120 Patienten speziell behandelt. In Rostock überlebten von den 56 Patienten rund 60 Prozent. "Das ist eine hohe Quote", sagt der Mediziner. "Immerhin sind dies schwerkranke Patienten, die zum großen Teil mit konventionellen Methoden nicht hätten transplantiert werden können." Der Hämatologe hofft, dass das neue Präparat im kommenden Jahr die Zulassung durch die europäische Behörde erhält. 

Finanziert wird diese Studie durch ein Pharmaunternehmen aus Schleswig-Holstein. Der Schwerpunkt liegt hier in der Onkologie. Rund 44% des jährlich rund 120 Millionen Euro Umsatzes wird auf diesem Gebiet erzielt. "Geht es in der Forschung um die Zulassung neuer Medikamente, ist die Finanzierung gut machbar", sagt Freund. Gehe es aber um die Forschung und Entwicklung komplexer und praxisnaher Behandlungsmethoden, stehe Deutschland sehr schlecht da. Während die USA rund 0,06% des Bruttosozialproduktes für die Krebsforschung ausgeben, investiert Deutschland nur einen Drittel dieser Summe. Ein Nationales Krebsinstitut, das klinische Forschung regelhaft finanziere, könnte neue Möglichkeiten schaffen. 

Profitieren könnte davon beispielsweise ein weiteres Forschungsprojekt der Rostocker auf dem Gebiet der Zelltherapie. Ziel ist, die Unverträglichkeitsreaktionen des Körpers nach einer Transplantation zu verringern oder gar auszuschalten. "Es geht nicht um die Entwicklung eines Medikamentes, sondern wir müssen das Verhalten von Zellen im Körper genauer erforschen und mehr über eine spezielle Zellenaufbereitung erfahren", erläutert Freund. 

Hierfür beziehen die Wissenschaftler bald Labore und Reinsträume im Biomedizinischen Forschungszentrum (BMFZ), das am 6. Dezember in Rostock eröffnet wird. Uni und Hansestadt investieren dort mit Landesfördermitteln rund 30 Millionen Euro. Neben der besseren finanziellen Ausstattung wünscht sich der Mediziner die Öffnung der Stammzellenforschung. Deutschland darf keine embryonalen Stammzellen herstellen. "Ich verstehe die ethisch-moralischen Bedenken", räumt der Mediziner ein. Damit entstehe aber eine Abhängigkeit von anderen. "Wir bekommen nur die Stammzellen, die andere bereits forschungsmäßig abgegrast haben", sagt Freund. Dabei ist die Zelltherapie ein Zukunftszweig. In den kommenden zehn Jahren könnten Wissenschaftler so viel über Zellen wissen, um damit die Krebsbehandlung zu revolutionieren, ist sich der Mediziner sicher.

Quelle: Yahoo-Meldung vom 23.11.2005
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