Menschen, die an einer akuten Form der Leukämie erkranken, kämpfen über Monate, manchmal Jahre um ihr Überleben. Zu der physischen kommt die psychische Belastung - Körper und Seele befindet sich über lange Zeit im Ausnahmezustand. Auch wenn die Behandlung erfolgreich ist, müssen die Betroffenen oft mit Spätfolgen und Veränderungen in ihren Lebensbedingungen fertig werden. Ein Wissenschaftlerteam an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg will nun untersuchen, auf welche Bewältigungsstrategien Menschen unter dieser enormen Belastung zurückgreifen. Das eineinhalbjährige Forschungsprojekt beginnt jetzt und wird mit 75.600 Euro von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. gefördert.

Privatdozent Dr. Michael Koenigsmann von der Klinik für Hämatologie und Onkologie führt die Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jörg Frommer von der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durch und erläutert den Schwerpunkt der Studie: "Besonders interessiert uns die Frage, wie die individuelle Lebenssituation und die persönliche Lebenserfahrung des Patienten seine Bewältigungsstrategie beeinflusst. Mit dieser Untersuchung biografischer Krankheitsverarbeitung möchten wir zum ganzheitlichen Verständnis von Überlebenden, aber auch aktuell Betroffenen einer akuten Leukämieerkrankung beizutragen."

Jeden Patienten trifft die Diagnose akute myeloische oder lymphatische Leukämie an einem anderen Punkt seiner Lebensgeschichte. Aber jeder muss auf seine Weise mit dem Gefühl der Ohnmacht und der Angst vor dem möglichen Tod fertig werden. Fragen nach dem Sinn der Krankheit und dem bisherigen Lebens tauchen auf. Die psychische Integration dieser Erfahrung und die psychosoziale Anpassung ist auch nach der Rückkehr in das "normale Leben" nicht automatisch abgeschlossen: zumindest ein Teil der Überlebenden leidet auch danach an verschiedenen Belastungen infolge der Erkrankung.

Bislang galt das Interesse der Wissenschaft vor allem dem Einfluss psychosozialer Faktoren auf den Heilungsprozess. In diesem Forschungsprojekt geht es um die Frage: Wie verarbeiten die Überlebenden die Erfahrung einer lebensbedrohlichen Krankheit in ihrem Lebensentwurf? Dazu werden Patientinnen und Patienten in autobiographisch-narrative Interviews im Zeitraum von ein bis zwei Jahren nach Abschluss der Behandlung befragt.

Die Forschergruppe um Dr. Koenigsmann und Prof. Frommer hat bereits wichtige Vorarbeiten für das nun anlaufende Projekt geleistet. In einer zweijährigen Studie, die ebenfalls von der Carreras-Stiftung gefördert wurde, hatte sie das subjektive Erleben und Bewältigen der Krankheit bei Leukämiepatienten untersucht.

Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. finanziert mit Spendengeldern Projekte zur Bekämpfung von Leukämien und verwandten Blutkrankheiten wie Lymphomen. Ihre Förderschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich der Forschung, im Ausbau von Kliniken und in sozialen Angeboten für Betroffene und Angehörige. Allein 2005 konnte die Carreras-Stiftung rund 11,1 Millionen Euro für neue Projekte zur Verfügung stellen.

Ansprechpartner:

PD Dr. Michael Koenigsmann
Klinik für Hämatologie und Onkologie
Medizinische Fakultät der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
Tel. 0391-67-13281 oder -13266 / Fax 0391-67-13267
e-mail: 

Quelle: idw-Pressemitteilung Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, 02.02.2006
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