Die Gesundheitspolitik gibt manchmal den Stoff für einen veritablen Krimi her. Als optimale Vorlage dafür bietet sich aktuell das Kölner "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) an. Ein aktueller Bericht in "DFG Online" deckt die Hintergründe auf. 

Quelle: DFG Online:

Im Januar 2003 kam Europas dienstälteste und erfahrenste Gesundheitsministerin, Ulla Schmidt MdB (58), auf die Idee, ein "staatsnahes Zentrum für Qualität in der Medizin" zu gründen. Zum Träger wurden die wichtigsten Leistungserbringer und die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auserkoren, die im Gemeinsamen Bundesausschuß (G-BA) vertreten sind. Am 18. Juni 2004 legte man das Schmidt-Kind auf Kiel, zum 1. September 2004 trat der Institutsleiter, Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki (50), seinen Dienst in der Domstadt an. Er ließ sich in drei Jahren von den Medien einen "Glorienschein" als Retter der Transparenz im Gesundheitswesen umhängen. STERN-Reporter Markus Grill (39) bezeichnete jüngst den in Warschau geborenen Wissenschaftler als "smart im Umgang, aber klar und kompromißlos in seinen Urteilen". Angesichts der Sturmläufe der forschenden Arzneimittelhersteller und der mit ihnen verbandelten Organisationen gegen das IQWiG schien diese Bewertung, dieser Heiligenstatus auch berechtigt zu sein. 

Doch wo viel Licht ist, muß wohl auch Schatten sein. Erst jetzt wurde so richtig bekannt, welche "gesunden Geschäfte" in Köln im Zusammenhang mit dem IQWiG und den Zwangsabführungen aus den Geldern der ambulanten und stationären Versorgung noch gemacht wurden. Peter T. Sawicki scheint keine so reine Weste anzuhaben, wie der "charming boy" vorgibt.

Gem. § 139 SGB V ist das IQWiG ein "fachlich unabhängiges, rechtsfähiges Institut privaten Rechts". Es wird von einem Stiftungsvorstand beaufsichtigt, in den die Leistungserbringer und die GKV je zwei Vertreter entsenden, der Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ist gesetzt. Das Institut wird vom G-BA oder dem BMG zu "Fragen von grundsätzlicher Bedeutung für die Qualität und Wirtschaftlichkeit der im Rahmen der GKV erbrachten Leistungen tätig". Man liest im Gesetz die Vorgabe: "Das Institut hat zu gewährleisten, daß die Bewertung des medizinischen Nutzens nach den international anerkannten Standards der evidenzbasierten Medizin und die ökonomische Bewertung nach den hierfür maßgeblichen international anerkannten Standards, insbesondere der Gesundheitsökonomie erfolgt." Um seine Gutachten und Stellungnahmen zu fertigen, "hat" das IQWiG in "allen wichtigen Abschnitten des Bewertungsverfahrens" Sachverständigen und im Gesetz benannten Organisationen "Gelegenheit zur Stellungnahme" zu geben. Und weiter: "Zur Sicherstellung der fachlichen Unabhängigkeit haben die Beschäftigten vor ihrer Einstellung alle Beziehungen zu Interessenverbänden, Auftragsinstituten, insbesondere der pharmazeutischen Industrie und der Medizinprodukteindustrie, einschließlich Art und Höhe von Zuwendungen offen zu legen."

Angesichts dieser gesetzlichen Vorgaben, war es schon für den Errichtungsbeauftragten der Gemeinsamen Selbstverwaltung, den Dresdner Rechtsanwalt Werner Nicolay (71), recht schwierig, den Entscheidungsträgern einen geeigneten Kandidaten zu präsentieren. Schließlich ist bekannt, daß sich die Industrie nur allzu gerne der Dienste von Wissenschaftlern versichert. Aus unabhängigen Experten werden dann – angesichts üppiger Honorare und anderer "Dienstleistungen" – nur zu leicht "Mietmäuler". Die geforderte Unabhängigkeit ist damit perdu. Aber wenn Pharmaknete z.T. in fünf- oder mehrstelliger Höhe fließt, wird so mancher gerne schwach. Nicolay gelang es jedoch, aus den 37 eingegangenen Bewerbungen der fünfköpfigen Findungskommission zehn Damen und Herren Ordinarii heraus zu fischen, die er für würdig befunden hatte, künftig das IQWiG mit der geforderten Unabhängigkeit und evidenzbasierten Fachkunde zu leiten. Unter denen, mit denen man am 7. April 2004 in Berlin Bewerbungs-gespräche führte, befanden sich insgesamt vier ehemalige oder aktuelle Mitglieder des Sachverständigenrates für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Den IQWiG-Stuhl - wie wir heute wissen - erklomm der damalige Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin des St. Franziskus Hospitals in Köln, Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki. Seine Publikationsliste zu Themen der evidenzbasierten Medizin (EbM) war schon damals lang. Denn er stammte aus der Schule eines der Gründungsväter des deutschen EbM, Prof. Dr. med. Michael Berger (+). Der Düsseldorfer Diabetologe kämpfte laut STERN-Grill "zeitlebens dafür, die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten und Grenzen zu unterrichten, jede Diagnose und Behandlung auf ihren Nutzen zu untersuchen, die Patienten mündig zu machen und ‚vor der Gefährdung ihrer Gesundheit durch fortwährende Irrationalität und medizinisch-industriellen Interessen’ zu bewahren. Berger gründete eine richtiggehende "EbM-Schule", zu deren Mitgliedern u.a. seine Ehefrau Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser (heute Universität Hamburg), Prof. Dr. med. Peter Sawicki, Dr. med. Tim-Christian Heise (41) und Privatdozent Dr. phil. Ralf Bender gehören. Diese Namen muß man sich für das System der "gesunden Geschäfte der S." merken. 

Einige der Namen aus der Berger-Schule fand und findet man auch im Impressum des überaus pharmakritischen Berliner Hintergrunddienstes "arznei-telegramm". Schon Berger vermochte es, sich gegenüber der kritischen Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen Heiligenschein umzuhängen. Kritiker aus der Industrie bemerkten jedoch gegenüber der dfg-Redaktion zu seinem Geschäftsgebaren, er sei ein "Protagonist" für den Stil gewesen: "Wettere gegen die Industrie und halte gleichzeitig an anderer Stelle die Hand auf". Nur, der Düsseldorfer Übervater soll sich nach diesen Informationen nie die Hände schmutzig gemacht haben. Dafür gaben sich andere her, die dann von der Industrie gesponserte Tagungen, Gutachten und, und, und .... leiteten, anfertigten. Aus dieser Schule stammt nun Peter T. Sawicki. 16 Jahre – von 1984 bis 2000 – konnte er von seinem Mentor alle Feinheiten studieren Und er scheint, bevor er im Jahr 2000 den Ruf an das Kölner Krankenhaus annahm, in Düsseldorf viel gelernt zu haben. Am 5. Juli 2002 gründete er mit einem Anteil von 50 Prozent das "DIeM – Deutsches Institut für Evidenz-basierte Medizin GmbH".

Den Rest der Stammeinlagen teilten sich der alte Düsseldorfer Kumpel Dr. Tim-Christian Heise und die diplomierte Psychologin Ulrike Didjurgeit (56). Wie schon beim Ehepaar Berger ist es immer gut, wenn der Lebens- und/oder Ehepartner seinen Ursprungsnamen (in diesem Fall den des ersten Ehemannes) beibehält. So fällt es nicht auf, daß hier Sawicki/Sawicki 75 Prozent des Kapitales aufbrachten. Kumpel Heise hatte im Mai 2000 in Neuss bei der "Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH" angeheuert und war seinem Kumpel Sawicki auch als "Part-Time-Kraft" im Kölner Institut zur Hand gegangen. Man verstand sich eben, vertraute sich.

Das Neusser Institut Profil bezeichnet sich als ein "international anerkanntes Forschungsinstitut für klinische Studien auf dem Gebiet Diabetes mellitus". In Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie führt es klinische Studien zur Entwicklung und Erprobung von neuen Substanzen, Medikamenten und Produkten im Bereich Diabetes und Stoffwechselkrankheiten durch. Dabei werden insbesondere neue Medikamente oder auch neue Verabreichungsarten (z.B. Insulin zum Einatmen) für die Diabetestherapie auf Wirksamkeit und Verträglichkeit untersucht, sowie neue Technologien im Diabetesbereich getestet. Man liest: "Unser Ziel ist es, das qualitativ führende wissenschaftliche Kompetenz-Zentrum für klinische Studien im Bereich Diabetes und Stoffwechsel zu werden und zukünftig an der klinischen Entwicklung aller relevanten Diabetes-Medikamente beteiligt zu sein." Und bei diesem Ziel ist es immer gut, wenn man gleich die EbM-Studien durch das verbundene DIeM-Institut mit organisieren kann. Der Erfolg sollte allen damaligen Eigentümern recht geben.

Sawicki war im Jahr 2004 immerhin so klug, seine Beteiligung am DIeM schon in seiner Bewerbung anzuführen. Immerhin handelte er mit den IQWiG-Repräsentanten für seine "wissenschaftliche Unabhängigkeit" ein Jahressalär von 200.000 € aus, das später auf 240.000 € angehoben worden sein soll. Er gab auch seine DIeM-Anteile ab. Die Anteile seiner Gefährtin und des Profil-Geschäftsführers Heise wuchsen auf jeweils 40 Prozent an. Und mit 20 Prozent tauchte am 20. Juli 2004 – wenige Wochen vor seiner Installierung als IQWiG-Chef – eine neue Gesellschafterin auf. Auch Josefine, genannt Josie, Kaiser (34) wohnt in Köln. 

Was macht nun eine Kommunikationsdesignerin als Gesellschafterin bei einem Institut, dessen Gegenstand "die Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Untersuchungen, Konzeption und Durchführung von wissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie die Betreuung von Patienten im Rahmen strukturierter medizinischer Projekte" ist? Haben Sie es geahnt? 

Nun, Josie ist gemäß den Vorgaben des Systems Berger ebenfalls Ehefrau. Und zwar verheiratet mit dem jetzigen IQWiG-Ressortleiter "Arzneimittelbewertung", Dr. med. Thomas Kaiser. Dieser ist ein Schüler Sawickis. Man kennt sich, man vertraut sich, man beteiligt eben alte Vertraute am Erfolg. Und wenn wir die Liste der IQWiG-Mitarbeiter durchforschen, so taucht auch noch der Name des Privatdozenten Ralf Bender als Ressortleiter Medizinische Biometrie auf, auch dieser ein alter Fahrensmann aus der Schule Berger. Nun mag die Beteiligung der Eheleute Kaiser – Josie scheint für das Geschäftliche verantwortlich zu sein, denn sie vermietet auch schon mal Übernachtungen in Frankreich und läßt das Geld auf das gemeinsame Konto mit ihrem Thomas fließen – ein gewisses "Geschmäckle" haben. So richtig verwerflich ist es nicht, wenn alles sauber zugeht.

Doch das System S. scheint so ausgelegt zu sein, daß auch unsere Ulrike Didjurgeit und ihr DIeM zu ihrem Recht kommen sollen. Die Verbindung zum industriefinanzierten Profil-Institut im nahen Neuss scheint nicht ausgereicht zu haben. Um die zahlreichen Mitarbeiter in Köln samt bilderreich auf der Website dokumentierten Institutsfeste zu finanzieren, mußten wohl weitere Aufträge her. 

Wie gut, daß es da das IQWiG gab. Zwar hatten der Stiftungsvorstand die Weisung ausgegeben, daß alle Aufträge des staatsnahen IQWiG an das ehelich verbandelte DIeM einer besonderen Genehmigung bedürften. Diese Vorgabe kann man jedoch auch umgehen. Wozu sind die alten Fahrensleute aus dem System Berger da? Nehmen wir ein internationales Beispiel. Dafür muß man wissen, daß die Berger- Witwe Ingrid Mühlhauser 1977 an der Wiener Universität promoviert wurde. Also waren Kontakte ins Nachbarland vorhanden – und IQWiG-Aufträge ins Ausland machen sich immer gut. Das IQWiG vergab z.B. einen Unterauftrag an ein Forschungsteam der Universität Graz unter der Leitung der Diabetologen Dr. med. Sibenhofer-Kroitzsch und Dr. med. Karl Horvath. Weil das Team dort recht klein ist, versicherten die Grazer sich der Hilfe der DIeM-Experten. Schließlich erhielt man auch vom Kölner Institut weitere Aufträge. 

Hinsichtlich der Drittmittel scheinen die Grazer größtenteils von "Drittmitteln" aus Deutschland zu leben. Denn sieht man sich die Auftragsliste der Österreicher durch, so tauchen neben den beiden Kölner Instituten nur noch die deutsche Tochter des Pharmamultis Roche Diagnostics aus Mannheim auf. Und dieser, die ehemalige Boehringer Mannheim GmbH, hat nun einmal den Ruf, auch ein Marktführer von Produkten zur Behandlung der Diabetes zu sein. Die innige Verknüpfung Graz-Köln ging so weit, daß angeblich in Besprechungen, die im IQWiG mit den Grazern zu verschiedenen Projekten stattgefunden haben, auch Angestellte des DIeM anwesend waren. So etwas nennen Kritiker gerne "Seilschaften", wenn im Rahmen einer "Drittvergabe" plötzlich DIeM-Mitarbeiter doch indirekt in die Arbeit des staatsnahen Institutes einbezogen werden. Ob der Grazer Fall ein Einzelfall war, ist nicht zu belegen. Aber es würde so manchen staunenden Thebaner nicht verwundern, wenn auch andere Auftragnehmer oder Gesprächspartner der Kölner freundschaftlich auf die Möglichkeit verwiesen worden wären, sich doch bitte schön der Mithilfe des DIeM zu versichern.

Wenn man weiter stochert, dann tauchen immer mehr bekannte System-Namen auf. Durchforstet man z.B. die Listen der DIeM-Publikationen, findet man natürlich, und das gehäuft, den IQWiG-Ressortleiter Dr. Thomas Kaiser. Aber auch der stellvertretende Vorsitzende des G-BA, der Bremer Prof. Dr. med. Norbert Schmacke (59), gehört zu den DIeM-Autoren. Wen verwundert es, dass der erst in diesem Jahr zum Vorsitzenden des Kuratoriums des IQWiG berufene Direktor des Caritas-Diözesanverbandes Köln, Dr. med. Frank Johannes Hensel, zeitweise in Düsseldorf gearbeitet hat. Es würde diese dfg-Ausgabe sprengen, würde man alle Querverbindungen aufzeigen, das Dickicht des Systems S. noch weiter durchleuchten. Ach ja, das Kuratorium des IQWiG wird u.a. natürlich auch durch die Berger-Witwe Ingrid Mühlhauser geadelt. Wie dem auch sei, dem Treiben in Köln scheint niemand Einhalt geboten zu haben. Dank der ständigen öffentlichen Angriffe von Seiten der Industrie und der mit ihr verbundenen "Mietmäuler" bzw. Organisationen schien Sawicki regelrecht sakrosant. Als im Herbst 2005 sein erster Verwaltungsleiter Dr. med. Guido Noelle die Brocken hinschmiß und kündigte (vgl. dfg 44 – 05, S. 7ff.), nahm von diesem Vorgang noch niemand so richtig Kenntnis. Zwar wurden einige der Repräsentanten der Gemeinsamen Selbstverwaltung mißtrauisch – aber es fehlten echte Belege. Noelle soll freiwillig zur Industrie gewechselt sein, weil er bestimmte Vorgänge wohl nicht mehr decken wollte. Fast zwei Jahre später folgte nun sein Nachfolger Dr. rer. publ. Michael Weber. Mit den gleichen Argumenten kündigte auch der ehemalige Verwaltungschef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), nachdem er sich erfolgreich eine neue Position gesucht hatte. Weber wie Noelle scheinen nicht bereit gewesen zu sein, das Tun von Sawicki weiter zu decken und unter Umständen für diesen "in den Knast zu wandern".

Zuvor hatten sich die Fehler von Sawicki aber anscheinend gehäuft. Der öffentlich viel bewunderte, als "Womanizer" betitelte Institutschef muß sich wohl seiner Sache zu sicher gewesen sein. Man kennt das aus der Kriminologie. Die Gerüchte nahmen zu. Patientenorganisationen beschwerten sich, daß man mit ihnen zu rüde in den Anhörungen umgegangen sei. Plötzlich war die Rede von Protokollen und Band-Mitschriften, die nicht das wiedergaben, was zuvor vereinbart oder gesagt worden war. Kritiker nahmen vermehrt juristische Ausdrücke in den Mund, die Juristen unter die Tatbestände diverser Delikte, sogar unter die Vermögensdelikte, subsummieren. Sawicki bemühte zuerst Juristen, dann auch mehr und mehr Gerichte. Wortreich verstand er es immer wieder, die Mitglieder seiner Gremien zu beruhigen, zu kalmieren. Aber Zug um Zug tauchte in den Gremien wie in der Öffentlichkeit belegbares Material auf, das die Grundzüge des System S. aufdeckte.

Anfang Oktober 2007 muß es dem amtierenden Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes, dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. med. Andreas Köhler (47), zu bunt geworden sein. Er forderte am 8. Oktober 2007 Sawicki schriftlich zur Stellungnahme auf.

Weitere Details scheinen dann auf den Tischen der Entscheidungsträger gelandet zu sein. Was genau an Material, darüber schweigen die Beteiligten wie ein Grab. Die Kommunikations-leitungen müssen aber heiß gelaufen sein. Denn am 30. Oktober 2007 stand für die vier Vorstandsmitglieder der Stiftung fest, daß sie sich am 9. November 2007 zu einer "Nicht-Sitzung" in Siegburg treffen würden. Nacheinander hörten sie den Institutsdirektor und seinen Verwaltungschef, die internen Kombattanten Sawicki und Weber, an. Das fünfte Vorstands-Mitglied, BMG-Staatssekretär Dr. rer. pol. Klaus Theo Schröder (59), muß in die wesentlichen Details eingeweiht gewesen sein, denn die versandten Schreiben ließen an Deutlichkeit wohl nichts zu wünschen übrig. Wie man im Ministerium auf die Hiobsbotschaften der Marke IQWiG inoffiziell reagierte, war nicht herauszufinden. Die Ministerin ließ sich zumindest dazu herab, am 8. November 2007 in den Räumen ihres Hauses eine Jubel-Pressekonferenz zur Feier des dreijährigen Bestehens des IQWiG abzuhalten. Bei der Sawicki schon einmal vorbeugte und seinen Rückzug von der Institutsleitung in den Raum stellte. Als ein Journalist nachfragte, platzte es aus Ulla Schmidt heraus: "Ich habe mir gedacht, daß diese Frage kommen würde." Den wahren Grund für diese Meinungsäußerung kann man sich denken.

Das was die IQWiG-Vorstände am 9. November 2007 vernahmen, muß niederschmetternd gewesen sein. Vor allem weil sie feststellen mussten, "daß die Behauptungen und Vermutungen größtenteils leider zutreffend sind", wie aus einem internen Vorstandsschreiben vom 13. November 2007, das der dfg-Redaktion vorliegt, hervorgeht. Ob Sawicki zu allen Vorwürfen Ja und Amen gesagt, also gestanden hat, war nicht zu erfahren. Die IQWiG-Vorstände handelten zumindest. Und das in einer Art und Weise, die an Klarheit nicht zu wünschen übrig läßt. Die Beschlüsse sehen vor:
  1. Ein externes Institut prüft alle Vergabevorgänge des IQWiG seit Inkrafttreten der für das Institut geltenden Vergaberichtlinie.
  2. Künftige Vergabeverfahren werden notariell begleitet. Der Notar berichtet in regelmäßigen Abständen unmittelbar dem Vorstand.
  3. Wenn das IQWiG künftig externe Gutachter und Auftragnehmer beschäftigt, dürfen diese nur mit IQWiG-Genehmigung eine "Unterauftragsvergabe" erteilen. Unteraufträge, die externe Gutachter und Auftragnehmer an das DIeM-Institut vergeben möchten, bedürfen der Zustimmung des Vorstandes.
Was die externen Prüfer in den nächsten Wochen in Köln noch alles zu Tage fördern oder ob bis dahin die Aktenlage etwas bereinigt wurde, das muß abgewartet werden. Sicher ist: Der "Glorienschein" von Prof. Dr. med. Sawicki hat erheblich an Glanz verloren. So "unabhängig", wie er immer tat, so ehrlich wie er sich anscheinend gab, wird sein Handeln und Tun wohl nicht gewesen sein.

Den Schaden, den er dem IQWiG und dem EbM-Ansatz zugefügt hat, ist immens. Die Glaubwürdigkeit des staatsnahen Institutes ist nicht nur angekratzt, sie ist extrem beschädigt. Eigentlich müßte ein Bruttoeinkommen in Höhe von €240.000 jährlich ausreichen, um auch den ehelichen Lebensunterhalt in etwa, so gerade eben, bestreiten zu können. Aber manchen Protagonisten des deutschen Gesundheitswesens scheint das, was sie erreicht haben, nicht zu genügen. Hoffentlich rafft sich der Stiftungsvorstand auf und macht in Köln "reinen Tisch". Ein Neuanfang, ein personelles wie strukturelles Säubern müßte eigentlich auf der Tagesordnung stehen. Kein Mensch liest nämlich gerne mehr über "Augiasställe". 

Quelle: dfg-online.de, 47 - 07 / 22. November 2007

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