Ein erst kürzlich entdecktes Transportprotein ist die Ursache für eine immer wieder auftretende Chemotherapieresistenz bei leukämiekranken Kindern und Jugendlichen. Für diese Entdeckung wird jetzt Dr. Daniel Steinbach von der Kinderklinik des Universitätsklinikums Jena mit dem Forschungspreis 2003 der Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro höchstdotierte Preis für pädiatrisch-onkologische Forschung im deutschsprachigen Raum wird Dr. Steinbach wurde am 18. Juni 2004 auf der Tagung der Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) in Berlin überreicht. 

Obwohl die Heilungschancen bei Leukämiepatienten, besonders bei Kindern, in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert werden konnten, werden die Ärzte immer wieder mit Patienten konfrontiert, deren Leukämiezellen eine hohe Resistenz gegenüber der Chemotherapie aufweisen. Die Behandlung schlägt bei den Betroffenen entweder gar nicht oder sehr schlecht an, mit der Folge von Rückfällen. Auf der Suche nach den Ursachen dafür analysierte Dr. Steinbach in seiner mit dem Kind-Philipp-Preis ausgezeichneten Studie die Resistenzmechanismen der Leukämiezellen. Er konnte anhand der Blutproben von 150 Patienten zeigen, dass einem bestimmten Eiweißstoff, dem Transportprotein MRP3, eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Therapieresistenz bei Kindern und Jugendlichen zukommt. Je größer die Menge an MRP3 (Multidrug Resistance-associated Protein 3) in den Leukämiezellen ist, umso schlechter sprechen die Patienten auf die Behandlung an. Der Grund liegt darin, dass MRP3 als ein Transportprotein in der Außenhülle der Leukämiezellen für den Ausstoß von zellfremden Stoffen verantwortlich ist. Das trifft auch auf die Medikamente der Chemotherapie zu, die von dem Eiweiß aus den Zellen herausgepumpt werden und so nicht an ihren Wirkungsort im Inneren der Zelle gelangen können. 


Therapieresistenz gilt auch bei Erwachsenen

Inzwischen sind in einer noch unveröffentlichten Folgestudie die von Dr. Daniel Steinbach für die Kinderleukämie belegten Mechanismen von Forschern aus Paris auch für Therapie-Resistenz bei leukämiekranken Erwachsenen bestätigt worden.

"Für die klinische Praxis können daraus zwei Schlussfolgerungen gezogen werden", erklärt Dr. Steinbach die Auswirkungen seiner Entdeckung. "MRP3 kann als ein wichtiger prognostischer Marker mit Signalwirkung genutzt werden, dessen Vorhandensein bereits vor der Therapie auf eine mögliche Resistenz hinweisen kann. Tritt das Transportprotein in großen Mengen auf, muss die Behandlung individuell angepasst werden, indem der Patient von vornherein eine längere und höher dosierte Therapie erhält." 


Neuer Therapieansatz

Darüber hinaus ergibt sich aus der Entdeckung der Rolle des MRP3 auch ein neuer Ansatz für die Therapie: Die Funktion des Proteins kann durch ein bereits zugelassenes Medikament effektiv gehemmt werden, so dass die chemotherapeutischen Zytostatika nicht mehr aus den Zellen hinaus gepumpt werden. "In beiden Fällen könnten sich dadurch die Heilungschancen für therapieresistente Leukämie-Patienten wesentlich verbessern", so Steinbach. Dies zu untersuchen, wird nun das Ziel klinischer Folgestudien sein, die teilweise bereits in den USA und in Holland angelaufen sind. 

Der Kind-Philipp-Preis für pädiatrisch-onkologische Forschung wird alljährlich von der Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung im Stifterverband der Deutschen Wissenschaft als Forschungspreis für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der pädiatrisch-onkologischen Forschung im deutschsprachigen Raum verliehen. Den Forschungspreis 2003 teilt sich der Jenaer Universitätsmediziner Dr. Steinbach mit einem weiteren Preisträger aus Tübingen. 


Ansprechpartner:
Dr. Daniel Steinbach 
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 938270
E-Mail: 


Quelle: Pressemitteilung der Uni Jena
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