Die Mütter von Leukämie-Patienten erinnerten sich in einer Studie des französischen Forschungsinstituts INSERM doppelt so häufig an eine frühere Verwendung von Insektiziden im Haushalt als gesunde Kontrollen. Experten stellten die Aussagekraft der in Occupational and Environmental Medicine (2006; 63: 131-134) publizierten Fall-Kontroll-Studie jedoch infrage, so das Ärzteblatt.

Die Gruppe um Florence Menegaux vom Französischen Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) hat die Mütter von 280 Kindern interviewt, die an einer akuten Leukämie erkrankt sind, deren Ursache immer noch unklar ist. Die Hämatologen interessierten sich vor allem für die Verwendung von Insektiziden im Haushalt oder im Garten – insbesondere während der Schwangerschaft, da hier die Schädigung erfolgen könnte, die dann später beim Kind zur Leukämie führt. Die Angaben wurden mit denen von 288 Müttern von gesunden Kindern verglichen. Solche Fall-Kontroll-Studien sind ein probates Mittel, um Risiken aufzuspüren, denen in weiteren Studien nachgegangen werden sollte. 

Die Befragung ergab ein erhöhtes Leukämie-Risiko für verschiedene Anwendungen von Insektiziden. Wenn die Mütter diese Mittel während ihrer Schwangerschaft im Haushalt benutzt hatten, war das Erkrankungsrisiko bei den Kindern um 80 Prozent erhöht (Odds Ratio OR 1,8; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2 - 2,8). Auch die spätere Anwendung dieser Mittel – mit Kleinkindern im Haushalt – war mit einem erhöhten Risiko assoziiert (OR = 1,7, 1,1 - 2,4). Besonders hohe Odds Ratios wurden für die Anwendung von Insektiziden und Fungiziden im Garten (OR = 2,4 bzw. 2,5) gefunden. Und auch die Behandlung von Kopfläusen mit Insektiziden war mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert (OR = 1,9).

Alle Assoziationen waren statistisch signifikant, und der Zusammenhang erscheint der Autorin plausibel. Da außerdem frühere Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind, raten die französischen Forscher zu präventiven Maßnahmen: vorsichtiger Umgang mit Insektiziden im Haushalt mit kleineren Kindern, vor allem während der Schwangerschaft.

Nachdem die Zeitschrift die Studie durch eine Pressemitteilung publik gemacht hatte, äußerten sich weitere Experten. Ein Vertreter des britischen Leukaemia Research Fund verwies auf eine wichtige Schwäche derartiger Studien, den so genannten Recall bias. Er entsteht, weil Mütter der an Leukämie erkrankten Kinder, die instinktiv nach Erklärungen für die Erkrankung ihrer Kinder suchen, sich eher an die Verwendung von möglichen Auslösern erinnern. Diese Tendenz ist umso ausgeprägter, je mehr in der Öffentlichkeit über Insektizide als Auslöser diskutiert wird. Die öffentliche Wahrnehmung ist jedoch häufig selektiv. Auch die Medien berichten eher über Studien, die auf ein mögliches Risiko hinweisen als über solche, die kein Risiko gefunden haben. Schließlich gibt es noch einen "publication bias". Er entsteht, weil positive Studien häufiger publiziert werden als negative. 

Weiterführende Informationen: Quelle: Ärzteblatt vom 20.01.2006
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