Der Normalbetrieb der norddeutschen Kernkraftwerke um Hamburg herum führt nicht zu einem erhöhten Risiko von Blut- und Lymphdrüsenkrebs, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Allerdings führe die Verwendung von Insektiziden und Holzschutzmitteln in privaten Haushalten sowie die Nähe der Wohnung zu Baumschulen oder Hochspannungsleitungen zu einem erhöhten Lymphom- oder Leukämierisiko.

Die wissenschaftlichen Studie von Eberhard Greiser vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin wurde am Mittwoch von Schleswig-Holsteins Umweltminister Klaus Müller in Kiel vorgestellt. Sie stellt den vorläufigen Schlusspunkt einer Debatte dar, die seit den 80er Jahren andauert und von erhöhten Zahlen von Blutkrebsfällen in der so genannten Elbmarsch ausgelöst worden war, wo sich mehrere Atomkraftwerke und eine Atom-Versuchsanlage befinden. "Das Kernkraftwerk Krümmel scheidet als Verursacher der Leukämie-Häufung in der Elbmarsch aus", so Eberhard Greiser. Die Organisation Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) kritisierte jedoch, das Bremer Gutachten habe wesentliche neue Erkenntnisse nicht einbezogen. Nach Ansicht des IPPNW könnte ein Unfall mit radioaktivem Material in der Nähe des Atomkraftwerks die Blutkrebsfälle verursacht haben.

Nach der Inbetriebnahme des AKW Krümmel in der Elbmarsch waren auffällig viele Kinder in der Umgebung an Blutkrebs erkrankt. Deshalb beauftragten die Landesregierungen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins 1996 das Bremer Forschungsinstitut mit dem Gutachten. Seither sind bereits eine Reihe anderer Studien zu den möglichen Ursachen der Krebsfälle erschienen, deren Inhalt unter Fachleuten zum Teil umstritten ist. 

Die Untersuchung von mehr als 4.000 Personen ergab, dass Erwachsene, die Insektizide und Holzschutzmittel in privaten Haushalten anwenden, ein erhöhtes Risiko haben, an Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Weiterhin gab die Studie auch Hinweise darauf, dass Männer, die in der Nähe von Baumschulen leben, ein leicht erhöhtes Risiko haben, an einem speziellen Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Für Frauen hingegen konnte dieses Risiko nicht nachgewiesen werden. Männer, die bis zu hundert Metern von Hochspannungsleitungen entfernt leben, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einem Lymphom zu erkranken. Aus Sicht des Landesumweltminister Klaus Müller (Grüne) ergibt sich Klärungsbedarf zu den Komplexen Insektizide und Holzschutzmittel. Er forderte deshalb, Holzschutzmittel und Insektizide schneller als bisher vorgesehen auf ihre krebserregende Wirkung zu testen. Gesundheitsgefährdende Stoffe "müssten vom Markt genommen werden".

In der Studie wurden 1.430 Leukämie- oder Lymphdrüsenkranke und 3.041 Vergleichspersonen befragt. In etwa zweistündigen Interviews gaben die Studienteilnehmer Auskunft über ihren Wohnort und Arbeitsplatz, ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie mögliche Kontakte mit Insektenbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln. Die Studie kostete rund 3,25 Millionen Euro. Der Untersuchungszeitraum umfasste die Jahre 1986 bis 1998. Zum Studiengebiet gehörten die Kreise Lüneburg, Harburg, Herzogtum-Lauenburg, Pinneberg sowie die südlichen Teile der Kreise Stormarn und Steinburg. 

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