Kinder, die in der Nähe von Tankstellen oder Werkstätten aufwachsen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Leukämie zu erkranken. Besonders hoch war das Risiko auf eine akute nicht-lymphozytäre Leukämie, berichten französische Forscher in einer Fall-Kontroll-Studie im Fachmagazin "Occupational and Environmental Medicine". Die untersuchten Fallzahlen sind aber noch zu gering, so dass weitere Studien Aufschluss bringen würden, so das Deutsche Ärzteblatt.

Die Hämatologen um Jacqueline Clavel vom Staatlichen Forschungsinstitut INSERM in Villejuif, Frankreich, haben 280 Kinder aus vier französischen Großstädten, die an einer Leukämie erkrankt waren, mit 285 gesunden Kontrollen verglichen. Die Mütter der Kinder, die im Alter von 2 bis 6 Jahren an einer Leukämie erkrankt waren, wurden detailliert zu ihren Arbeits- und Lebensverhältnissen befragt.

Ursprünglich hatten die Forscher nach Faktoren am Arbeitsplatz der Mütter gesucht (in Frankreich sind die meisten Mütter berufstätig), doch die Analyse der Fragebögen lenkte das Interesse in eine andere Richtung. Überraschenderweise erwies sich die Nähe der Wohnung zu einer Tankstelle oder einer Autoreparaturwerkstatt als signifikanter Risikofaktor. Das Gesamtrisiko auf eine Leukämie war vervierfacht (Odds Ratio 4,0; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,5-10,3). Das relative Risiko darf allerdings nicht missverstanden werden. Nur 17 der 280 Leukämie-kranken Kinder wohnten in der Nähe einer Tankstelle/Werkstatt. In der Kontrollgruppe waren es sieben Kinder. 

Aus dem Unterschied errechnet sich das relative Risiko, das aber noch andere mögliche Risikofaktoren berücksichtigt. Für die nicht-lymphozytäre Leukämie wurde eine Odds Ratio von 7,7 (1,7 – 34,3) errechnet. Plausible andere Ursachen für das Ergebnis wurden nicht gefunden. Vielmehr bestand tendenziell sogar ein Zusammenhang zwischen der räumlichen Entfernung (in Metern) und der Odds Ratio. Diese Dosis-Wirkungsbeziehung gilt als wichtiger weiterer Anhaltspunkt für eine Kausalität.

Die Ursache für die Assoziation ist unklar. Die Autoren vermuten, dass die erhöhte Exposition mit Benzol in der Luft eine Rolle spielen könnte. Bei Arbeitern in Gummifabriken wurde in anderen Studien eine Assoziation zwischen der Benzol-Exposition und dem Leukämie-Risiko von Erwachsenen gefunden. Doch die Exposition war in den Fabriken ungleich höher als in der Nähe einer Tankstelle/Werkstatt.

Es besteht deshalb kein Anlass, um Tankstellen/Werkstätten herum, Sperrzonen für Kleinkinder zu errichten. Dazu war die Fallzahl der Studie zu gering, und die Datenerhebung per Interview ist für eine endgültige Bewertung zu ungenau. Die Autoren wollen deshalb weitere Studien durchführen. Tatsache ist aber auch, dass die Ursachen der Leukämie im Kindesalter weiter unbekannt sind. Mit einer Häufigkeit von 4 Erkrankungen auf 100.000 sind sie in den Industrieländern die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter.

Quelle: Artikel im Ärzteblatt vom 20.08.2004

Weitere Informationen:
"Occupational and Environmental Medicine" (2004; 61: 773-778)
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