Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind Schmerzmittel, die ihrer entzündungshemmenden Wirkung wegen bei rheumatischen Erkrankungen, Entzündungen sowie im Alltagsgebrauch gegen Schmerzen eingesetzt werden. Sie hemmen Symptome von Entzündungsprozessen wie Schmerz und Schwellung, senken Fieber, und hemmen die Quervernetzung der Blutplättchen. Zu dieser Wirkstoffklasse gehören auch Ibuprofen oder Diclofenac. Eine neue Laborstudie hat nun mögliche Zusammenhänge unter CML-Therapie mit Imatinib festgestellt.

Das Protein OCT-1 spielt eine wichtige Rolle des Transports des Wirkstoffs Imatinib in die BCR-ABL-positive Zelle: je höher die OCT-1-Aktivität, desto stärker ist der Hemmeffekt von Imatinib im Stoffwechsel einer CML-Zelle. In früheren Studien konnte auch beobachtet werden, dass die CML-Zellen von Patienten mit suboptimalem Ansprechen auf Imatinib oftmals niedrige OCT-1-Aktivitäten zeigten.

Eine kürzlich im British Journal of Cancer vorgestellte Laborstudie, die von australischen Forschern um Tim Hughes vorgestellt wurde, hat nun den Einfluss von zwölf NSAR-Wirkstoffen auf die Funktionsfähigkeit des OCT-1-Mechanismus untersucht, da NSAR-Arzneimittel wie Ibupofen und Diclofenac häufig von CML-Patienten verwendet werden. Aufgrund der weitverbreiteten Anwendung könnten mögliche Wechselwirkungen dieser Arzneimittel von Relevanz im Klinikalltag der CML-Therapie sein.

Beim gleichzeitig Einsatz von Imatinib und Diclofenac konnte in der Untersuchung beobachtet werden, dass es durch Diclofenac zu einer stärkeren OCT-1-Aktivität von Imatinib, und damit im Labor zu einer stärkeren Hemmung von BCR-ABL kam, insbesondere wenn die OCT-1-Aktivität beim jeweiligen Patienten sowieso relativ niedrig war.

Bei Ibuprofen war der Effekt gegenteilig - unter Imatinib-Therapie verringerte die Einnahme von Ibuprofen die OCT-1-Aktivität und es wurde in Laborversuchen ein dadurch verstärktes Wachstum von BCR-ABL-positiven Zellen beobachtet.

Bei den anderen zehn NSAR-Wirkstoffen wie z.B. COX-2-Hemmer wie Celecoxib und Rofecoxib konnte kein signifikanter Einfluss auf OCT-1 festgestellt werden.

Die Autoren der Studie schließen, dass es Hinweise auf Wechselwirkungen mancher NSARs mit Imatinib gebe, die einen direkten Einfluss auf anti-leukämischen Effekte vom Imatinib und damit den CML-Therapieerfolg haben könne. Auf dieser Basis sollte der Einsatz von Ibuprofen in Kombination mit Imatinib vermieden werden. Der potentielle Vorteil des Einsatzes von Diclofenac unter Imatinib, um die OCT-1-Aktivität zu verbessern, solle in weiteren Studien untersucht werden. Generell sei Vorsicht beim Einsatz aller NSAR-Wirkstoffe unter Imatinib angebracht.

Quelle: Contrasting effects of diclofenac and ibuprofen on active imatinib uptake into leukaemic cells, J Wang, TP Hughes, CH Kok, VA Saunders, A Frede, K Groot-Obbink, M Osborn, AA Somogyi, RJ D’Andreaand DL White. British Journal of Cancer (2012) 106(11), 1772 – 1778. doi:10.1038/bjc.2012.173 - erschienen am 24. April 2012. Deutsche Zusammenfassung durch Jan.

 

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