Trotz des sehr guten Ergebnisses von Tyrosinkinasehemmern bei den meisten Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML) erleiden viele von ihnen chronische Nebenwirkungen, die ihre Lebensqualität mindern und mehrfach das Unterbrechen der Verabreichung sowie ein Absetzen von Medikamenten erfordern. Müdigkeit gehört zu den häufigsten chronischen Problemen bei Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML), die mit Tyrosinkinase-Hemmern (TKIs) behandelt werden. Eine auf ASH vorgestellte Veröffentlichung setzt sich mit den Patientenmerkmalen und Therapieergebnissen von CML-Patienten auseinander, die mit Tyrosinkinase-Hemmern (TKIs) behandelt werden und die über stärkere Müdigkeit berichten.


Unterlagen und Verfahren: Wir führten eine prospektive Studie auf Fragebogenbasis durch, die sich auf Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML) bezog, die in unserer Einrichtung im Zeitraum zwischen März 2010 und Mai 2011 behandelt wurden. Es wurden Patienten zur Studie zugelassen, die mindestens 18 Jahre oder älter waren, der englischen Sprache in Wort und Schrift mächtig waren, und bei denen Philadelphia-Chromosom-positive chronisch myeloische Leukämie (CML) in chronischer Phase diagnostiziert wurde, bestätigt durch pathologische und zytogenetische Analyse. Patienten mit einer Vorgeschichte oder neugestellten Diagnose von chronisch myeloischer Leukämie (CML) in akzelerierter oder Blastenphase sowie Patienten mit einer aktiven Diagnose einer Psychose oder schweren kognitiven Beeinträchtigung waren nicht zugelassen. Die Testpersonen füllten mehrmals die 26-teilige Bestandsaufnahme von Symptomen des MD Anderson Centers für chronisch myeloische Leukämie (CML) über einen Zeitraum von 6 Monaten aus, einschließlich zu Studienbeginn, nach drei Monaten und nach 6 Monaten. Symptome, einschließlich Müdigkeit, wurden anhand einer Schwereskala im Bereich zwischen 0 und 10 (wobei 10 der am schlimmsten vorzustellende Wert ist) bewertet. Um die Daten zu analysieren, wurden beschreibende Statistiken, der Exakte Fisher-Test sowie Mann-Whitney-U-Tests verwendet.  

Ergebnis: Insgesamt waren 148 Patienten in der Analyse aufgenommen. Die durchschnittliche Müdigkeitswertung betrug für die Gesamtprobe 2,95. Das Durchschnittsalter betrug 52 Jahre (im Bereich zwischen 21 und 81). 138 Patienten erhielten ihre derzeitigen Tyrosinkinase-Hemmer zum Zeitpunkt der ersten Auswertung durchschnittlich 43 Monate lang. 2 von 138 (1 %) der Patienten erhielten ihre anfängliche Therapie für chronisch myeloische Leukämie (CML) und 82 von 138 (59 %) Patienten erhielten nach vorangegangenen fehlgeschlagenen Therapien einen Tyrosinkinase-Hemmer. Die Patienten wurden mittels Trajektor-Analyse in zwei Gruppen aufgeteilt, einschließlich einer Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, bei der der durchschnittliche Müdigkeitswert bei 1,34 lag, und einer Gruppe mit stärkerer Müdigkeit, bei der der Müdigkeitswert bei 4,59 lag. Das Durchschnittsalter betrug 53 Jahre (im Bereich zwischen 25 und 81) und 52 (im Bereich zwischen 21 und 78) Jahre für die Gruppe mit schwächerer Müdigkeit bzw. für die Gruppe mit stärkerer Müdigkeit. Das Geschlecht, die Hautfarbe, Ausbildung und der Beschäftigungsstatus standen in keiner wesentlichen Verbindung mit der Gruppenzugehörigkeit. Der Familienstand stand in wesentlicher Verbindung mit der Gruppenzugehörigkeit. Es befand sich ein größerer Teil der ledigen Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit als in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, und ein größerer Teil der verheirateten oder in Partnerschaft lebenden Patienten befand sich in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit als in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit. Bei Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit wurden wesentlich höhere Werte vieler Symptome festgestellt, wie z. B. Schmerzen, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Traurigkeit, Schwellungen, Muskelschmerzen und Unwohlsein, als bei Patienten in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, allerdings lagen keine erhöhten Werte anderer Symptome, wie z. B. Durchfall und Hautausschläge, hierbei vor. Es bestand keine wesentliche Verbindung mit der Müdigkeitsgruppenzugehörigkeit für Patienten, die Imatinib (35 Patienten in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, 32 Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit), Dasatinib (18 Patienten in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, 17 Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit), Bosutinib (3 Patienten in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, 4 Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit) oder andere Behandlungen (5 Patienten in der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit, 8 Patienten in der Gruppe mit stärkerer Müdigkeit) erhielten. Es gab allerdings eine Entwicklung in Richtung Zugehörigkeit der Gruppe mit schwächerer Müdigkeit bei Patienten, die Nilotinib erhielten (18,8). Die Imatinib-Dosis (stärkere Müdigkeit > 400 mg täglich; schwächere Müdigkeit  ? 400 mg täglich) stand in keiner wesentlichen Verbindung mit Müdigkeitsgruppenzugehörigkeit. Patienten mit gutem Ansprechen auf ihre Therapie zum Zeitpunkt der Auswertung (definiert durch ein vollständiges zytogenetisches Ansprechen und weitgehendes oder vollständiges molekulares Ansprechen während des Studienzeitraumes) erfuhren eine ähnliche Müdigkeitsgruppenzugehörigkeit im Vergleich zu den Patienten ohne gutes Ansprechen. Bei 124 Patienten erfolgte eine dokumentierte Nachsorgeuntersuchung nach 3 Monaten und bei 120 Patienten erfolgte die Nachsorge nach 6 Monaten.

Schlussfolgerung: Die Gruppe mit stärkerer Müdigkeit wies höhere Schweregrade anderer Symptome von Schmerzen, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Traurigkeit, Schwellungen, Muskelschmerzen und Unwohlsein auf. Weder der Krankheitszustand noch die Behandlung mit unterschiedlichen Tyrosinkinase-Hemmern (TKIs) standen in Verbindung mit Müdigkeitsgruppenzugehörigkeit. Der Familienstand war die einzige sozialdemographische Variable, die mit Müdigkeitsgruppenzugehörigkeit in Verbindung stand. Weitere mögliche bestimmende Faktoren des Müdigkeitsschweregrades sowie längere Nachsorgestudien sind bei zukünftigen Analysen notwendig.

Quelle: ASH-Abstract 3785: Müdigkeit bei mit Tyrosinkinase-Hemmern behandelten Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML). Aziz Nazha, MD Anderson Cancer Center, Houston, Texas, USA. Vereinfachung durch Jan, Übersetzung durch Sigma Translations

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