Ältere Patienten sind in vielen Studien durch ein oberes Alterslimit ausgeschlossen. Die Studiensituation entspricht daher oft nicht der tatsächlichen Altersverteilung der Patienten. Innerhalb des umfangreichen Studienprogramms zum Einsatz von Imatinib (Glivec) bei CML ist deshalb eine Anwendungsbeobachtung (ElderGli) speziell für Patienten über 65 Jahren vorgesehen. Die Anmeldung zur Teilnahme ist ab sofort möglich.

Bei der durch eine charakteristische Chromosomentranslokation gekennzeichneten chronischen myeloischen Leukämie (CML) waren die Heilungschancen, abgesehen von den Patienten, die einen geeigneten Knochenmarkspender fanden, bisher gering. Lediglich neuere Ansätze mit Interferon-Alpha versprachen akzeptable Behandlungsergebnisse. 

Patienten über 65 Jahren, die an einer CML erkrankt sind, wurden üblicherweise mit Hydroxyurea behandelt, da eine Behandlung mit Interferon-Alpha wegen Begleiterkrankungen oft nicht möglich war und eine autologe Stammzelltransplantation aufgrund des Patientenalters ausgeschlossen wurde. Hydroxyurea kann zwar die klinische Symptomatik und so die Lebensqualität subjektiv verbessern, die erkrankten Philadelphia-Chromosom-positiven Zellen werden jedoch nicht reduziert und die Überlebenschancen somit nur gering beeinflusst. 

Mit der Einführung des spezifischen Inhibitors Imatinib (Glivec), der die ursächlich an der Pathogenese beteiligte BCR-ABL-Tyrosinkinase hemmt, ist eine zielgerichtete Unterdrückung und Elimination des neoplastischen bcr-abl-positiven Zellklons möglich geworden. 


Neuer Ansatz – neue Chancen

Mit diesem molekularbiologischen Ansatz ist die Therapie der CML in ein neues Zeitalter getreten. Die hämatologischen und zytogenetischen Ansprechraten liegen deutlich höher als unter der Interferontherapie bei günstigerem Nebenwirkungsprofil. Besonders erfreu- lich ist, dass mit Imatinib hohe Raten in der kompletten zytogenetischen und guten molekularen Remission erzielt wer- den. Eine schnell erreichte molekulare Remission gilt als Indikator für ein längeres progressionsfreies Überleben (Guilhot, F. [IRIS Study Group], Abstract 21, ASH 2004). 


Warum ElderGli?

Die meisten Studien zu Imatinib zeigen nicht die tatsächliche Altersverteilung der Patienten mit CML, da der Einschluss von älteren Patienten oft durch ein oberes Alterslimit begrenzt ist. Bislang existieren zur Therapie älterer CML-Patienten mit Imatinib nur wenige Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit. 

Eine Studie mit 202 Patienten über 60 Jahren, die unter CML in später chronischer Phase, akzelerierter Phase oder Blastenkrise litten, beschreibt ein ähnliches hämatologisches und zytogenetisches Ansprechen wie bei jüngeren Patienten und keine Unterschiede in der Verträglichkeit (Cortes, J. et al., Blood 98:256b Abstract 4755, 2001). Die jetzt begonnene Anwendungsbeobachtung (AWB) ElderGli soll nun weitere Daten liefern. 


Auswertungskriterien

Die AWB dient der Erfassung von Wirksamkeit und Verträglichkeit der Glivec-Therapie bei älteren Patienten mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr ohne Imatinib-Vorbehandlung. Alle Patienten erhalten Imatinib gemäß ihrer Verschreibung. In der chronischen Phase beträgt die empfohlene Startdosis 400mg Imatinib pro Tag. Eine Dosiserhöhung auf 600 oder 800mg kann bei nicht zufrieden stellendem Ansprechen und bei Abwesenheit schwerer Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden. Zur Beurteilung der Wirksamkeit wird das hämatologische, zytogenetische und molekulare Ansprechen analysiert. In die Auswertung zur Verträglichkeit gehen alle erfassten Nebenwirkungen und unerwünschten Ereignisse ein. Gefragt wird auch nach dem Zeitraum, bis ein zytogenetisches oder molekulares Ansprechen erreicht wird, und nach der Rate und Ursache der Resistenz gegenüber Imatinib bei Patienten unter der Standarddosis verglichen mit denen, für die eine Dosisreduktion erforderlich wurde. 


Evaluation des Ansprechens

Das hämatologische Ansprechen, beurteilt durch ärztliche Untersuchung und hämatologische Laboruntersuchung, wird entsprechend der Praxis- routine 3, 6, 12, 18 und 24 Monate nach dem Therapiebeginn überprüft. 


Zytogenetisches Ansprechen

(Überprüfung von mindestens 20 Metaphasen auf Anwesenheit des Philadelphia-Chromosoms) und molekulares Ansprechen (quantitativer PCR-Nachweis von bcr-abl-Transkripten) werden ebenfalls so weit möglich verfolgt. Diese Untersuchungen werden drei Monate nach Therapiebeginn und dann alle sechs Monate während des zweijährigen Beobachtungszeitraums empfohlen. 

An dieser Anwendungsbeobachtung können alle interessierten hämatologisch-onkologischen Institutionen teilnehmen. 


Die ElderGli-Anwendungsbeobachtung in der Übersicht

Nicht interventionelle Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit und Wirksamkeit von Imatinib (Glivec) in der Behandlung von älteren Patienten mit CML in chronischer Phase 

Protokollkomittee: Prof. Dr. Andreas Hochhaus
Teilnahme: Etwa 150 Patienten in 40 bis 50 deutschen hämatologisch-onkologischen Institutionen (niedergelassene Onkologen)
Aufnahmekriterien: Alter größer 65 Jahre. BCR-ABL-positive CML in chronischer Phase, mind. 12 Monate vor Beginn der AWB diagnostiziert, evtl. vorbehandelt, jedoch nicht mit Imatinib therapiert 
Ausschlusskriterien: Patienten in akzelerierter Phase oder Blastenkrise
Beginn der AWB: Oktober 2005
Ende Patientenrekrutierung: Oktober 2007
Ende der Dokumentation: Oktober 2009
Beobachtungszeitraum: Etwa zwei Jahre
Ansprechpartner zu Fragen der Durchführung: Dr. Peter Schuld, Novartis Pharma, T. 0911/27312-440, Fax -996 


Übersicht CML-Studien mit Glivec
  • Neu diagnostizierte CML-Patienten: CML-Studie IV
  • Ältere Patienten (älter 65 J.) nach Hydroxyurea-Vortherapie: ElderGli-AWB
  • Therapieoptimierung bei suboptimalem Ansprechen:
    • Glivec-800-mg-Dosierung
    • Glivec-Kombination mit RAD001
    • Glivec-Kombination mit Lonafarnib
Eine Übersicht über laufende Studien findet sich unter www.kompetenznetz-leukaemie.de

Kontakt
Auskünfte zu den aktuellen Therapiemöglichkeiten und Studien sind erhältlich über die 
CML-Studienzentrale Mannheim 
Tel. 0621/383-41 68


Quelle: Medizin Aktuell Nr. 372, Beilage in der Zeitschrift Strahlentherapie und Onkologie 11/2005.
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