Chaya Venkat, Gründerin und Betreiberin der US-amerikanischen CLL-Webseite clltopics.org, hat unter dem Titel "Was Sie und Ihr Onkologe über CLL wissen müssen" einen für CLL-Patienten sehr relevanten Artikel auf ihrer Website veröffentlicht. Darin behandelt und kommentiert sie einen von Forschern der renommierten Mayo Klinik in Rochester (USA) verfassten Forschungsbericht, der deren Empfehlungen einer optimalen Vorgehensweise bei der Behandlung von CLL beschreibt. Die wichtigsten Punkte des Artikels werden hier zusammengefaßt.

Optimale Vorgehensweise bei der Behandlung von CLL

Die Autoren des Mayo-Artikels identifizieren verschiedene wichtige Therapieregeln für die Diagnose und Behandlung der CLL, die an der Mayo-Klinik gebräuchlich sind. Die wichtigsten Punkte des Forschungsberichts lauten:

  1. Bestätige die CLL-Diagnose. Stelle sicher, dass durch Untersuchung und Beurteilung eines erfahrenen Pathologen eng verwandte Erkrankungen wie Haarzellen- oder Mantelzellenleukämie durch eine detaillierte Histologie, einen FISH-Test (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung zur Erkennung von Chromosomenabweichungen, u.a. zur Feststellung der Agressivität der Krankheit und damit zur Festlegung der notwendigen Therapie) durch Untersuchung und Beurteilung eines erfahrenen Pathologen sowie Beurteilung der Morphologie ausgeschlossen werden können.

  2. Eventuell Klinikaufenthalt, inkl. Stadieneinteilung, und Auswertung der Symptome.

  3. Blutbild: Blutwerte, CLL FISH Panel, CD38 durch Flusszytometrie, Beta2Mikroglobulin. Regelmäßige Überwachung des Blutbildes, um die Zeit zur Verdopplung der Lymphozyten zu bestimmen.

  4. Knochenmarkbiopsie ist optional, wird aber vor Beginn der Therapie empfohlen.

  5. Risikoangepaßte Therapie, insbesondere für Hochrisikopatienten, bestimmt durch moderne prognostische Marker. Dabei sollten infektbedingte Gründe für Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß sowie schnellem Anstieg von ALC vor Beginn einer Chemotherapie ausgeschlossen werden. Außerdem sollten autoimmunbedingte Zytopenien (hämolytische Anämie, ITP, Aplasie der roten Blutkörperchen) vor einer Chemotherapie ausgeschlossen werden, da Autoimmuneffekte auf weniger toxische Behandlungsansätze reagieren könnten. (Prognosefaktoren sind z.B. Chromosomabweichungen (positiv=13, negativ=11, IgVH mutiert (günstig) oder nicht mutiert (aggressiv), ZAP 70 in Zusammenwirken mit CD38. Thymikinase wird in USA nicht angwendet)

  6. Da CLL Patienten ein hohes Risiko einer autoimmunbedingten hämolytischen Anämie (AIHA) haben, und dieses Risiko bei einer Fludara-Therapie steigt, ist der Coombs-Test zum Nachweis von Autoimmun-Antikörpern vor einer Fludara-Therapie erforderlich. Bei positivem Coombs-Test ist die Fludara Therapie zu vermeiden.

  7. Vor der Fludara-Therapie ist eine vorbeugende Medikation gegen Infekte, wie z.B. Lungenentzündung und Herpes opportun. Neutropenie sowie generell eine Infektionsempfindlichkeit nach der Therapie ist recht groß. Häufig erfolgt schmerzhaftes Auftreten der Gürtelrose.

  8. Junge Patienten mit Hochrisiko-CLL sollten die Möglichkeit einer Knochenmarktransplantation prüfen, um diese Option zu untersuchen.

  9. Ab dem Zeitpunkt der Diagnose jährliche Grippeimpfung, und alle 5 Jahre eine Impfung gegen Lungenentzündung.

  10. Cytomegalie-Virus-Infektionen (CMV) sind eine potentielle Ursache für Fieber bei CLL-Patienten. Blutuntersuchungen können die CMV-Infektionen identifizieren. Oral einzunehmende Medikamente können diese Infektion sehr wirksam bekämpfen.

  11. Behandlung von Hypogammaglobulinämie (zu niedriges Gammaglobulinniveau) mit Immunglobulininfusion. Alle 4-6 Wochen 0,3 Gramm pro Kilo Körpergewicht.(In Deutschland u.a. Oktagam, allerdings kleinere Mengen).

  12. CLL-Patienten neigen zur Entwicklung von agressivem Hautkrebs. Sonnenschutz ist dringend angeraten, regelmäßige Hautuntersuchungen sind wichtig.

  13. Neben Hautkrebs besteht für CLL-Patienten ein dreifaches Risiko, andere Krebsarten zu entwickeln. Vorsorgeuntersuchungen (Mammographie, Koloskopie/Darmuntersuchung, Prostata-spezifische Antigen-Untersuchung) sind daher bei CLL-Patienten wichtiger als bei anderen Personen.

  14. Bei 5%-8% der CLL-Patienten verwandelt sich die CLL in eine aggressivere Form (B-Zell-Lymphom), z.B. die Richter-Transformation. Die Richter-Transformation erfordert zügig angewandte aggressive Therapie. Der Arzt sollte die Symptome der Richter-Transformation (schnell ansteigendes LTD, große Lymphknoten, schnelle Zunahme der B-Symptome, erhöhter LDH-Wert, usw.) kennen und diesbezüglich wachsam sein.

Quellen:

Hinweis des Übersetzers: Die Mailingliste von clltopics.org ist für CLL-Patienten, die Englisch beherrschen sehr empfehlenswert. Anmelden kann man sich über Topics Alert Subscription Page" auf clltopics.org.
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