In der Vergangenheit - und bei vielen Ärzten auch heutzutage noch - waren die Einstufungen nach RAI der Ausgangspunkt für die sogenannte Watch + Wait Phase beziehungsweise für den Beginn einer Therapie. In den letzten Jahren wurden bessere Diagnoseverfahren entwickelt und deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen.

Sehr intensiv wurde die Erforschung dieser neuen Verfahren unter anderem von Prof. Döhner und seinen Mitarbeitern an der Universität Ulm betrieben. Die heutigen Methoden erlauben es, festzustellen, ob der Patient eine mutierte (langsam verlaufende) oder eine unmutierte (aggressive) CLL hat. Danach können der Therapieinhalt und der Therapiebeginn bestimmt werden. Neben der sehr teuren genetischen Untersuchung, die von der Kasse nur zu einem Bruchteil bezahlt wird, sind zur Zeit die Bestimmung des ZAP70-Faktors und das so genannte FISH-Diagramm die aktuellen Prognosefaktoren. Jeder CLL-Patient sollte auf der Bestimmung dieser Werte bestehen. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie unter auf clltopics.org im Kapitel "FISH-ing for answers". Das New England Journal of Medicine hat in Ihrer Ausgabe vom 26. August 2004 eine ausführliche Studie, an der alle bekannten CLL Forscher aus der USA beteiligt waren, zu diesem Thema veröffentlicht.)

Es folgt eine Übersetzung der Zusammenfassung:

ZAP-70 im Vergleich mit Mutationsstatus von IgVh (Immunoglobulin heavy-chain variable-region gene) als Prognosefaktor für den Verlauf einer CLL (P-70 Compared with Immunoglobulin Heavy-Chain Gene Mutation Status as a Predictor of Disease Progression in Chronic Lymphocytic Leukemia)
(University of California; Anderson Cancer Center; Dana Farber Cancer Institute; Kimmel Cancer Center; Long Island Jewish Medical Center; Ohio State University; Mayo Clynic; Howard Hughes Medical Institute)


Zusammenfassung

Der Verlauf einer CLL ist von Person zu Person unterschiedlich. Bei einem aggressiven Verlauf zeigt die CLL unmutierte IgVh und ZAP 70 Werte. Bei einem langsamen Verlauf werden mutierte IgVh und keine ZAP 70 Werte ausgewiesen.
Es wurden die CLL B Zellen von 307 Patienten mit CLL nach ZAP 70 und Mutationsstatus ausgewertet. Anschließend wurden die Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen und den Zeitpunkt zwischen Diagnose und Therapiebeginn untersucht.
ZAP 70 wurde, oberhalb eines festgelegten Schwellenwertes von >20%, bei 117 von 164 Patienten mit einem unmutierten IgVh Gen festgestellt. (71 %), aber nur bei 24 Patienten mit einem mutierten IgVh Gen. (17 %). Von den Patienten mit ZAP 70 positiven CLL Zellen, war die mittlere Zeit von der Diagnose bis zum Therapiebeginn bei unmutierten IgVh Genen (2,8 Jahre) nicht signifikant unterschiedlich von denen mit einem mutierten Status (4,2 Jahre). Diese mittlere Zeit war jedoch in beiden Gruppen deutlich niedriger, als bei nicht vorhandenen ZAP 70 Zellen, egal ob mutierte oder unmutierte IgVh vorlagen. Im letzteren Fall betrugen die mittlere Zeit 11 Jahre bei mutierten Genen und 7,1 Jahre bei nicht mutierten Genen.

Schlussfolgerung: Obwohl das Vorhandensein eines unmutierten IgVh stark korreliert mit dem Vorhandensein von ZAP 70, ist ZAP 70 ein stärkerer Prognosefaktor für den Beginn einer Therapie.

Autor/Übersetzung: Roland Keilwerth

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