US-Forscher haben einen vielversprechenden Ansatz für eine Gentherapie gegen Leukämie gefunden: Es gelang ihnen, das Immunsystem erkrankter Freiwilliger mit Hilfe gentechnischer Methoden so zu verändern, dass es Antikörper gegen die entarteten Blutzellen bildete. Diese Abwehrproteine reagierten auf ein Eiweißmolekül namens ROR1, das bei Erwachsenen ausschließlich auf der Oberfläche von Leukämiezellen zu finden ist.

Zwar handelt es sich bei den Ergebnissen bislang um reine Grundlagenforschung. Sie zeigen jedoch, dass es prinzipiell möglich ist, die Schlagkraft des Immunsystems eines Leukämiepatienten gegen seine eigenen Krebszellen zu richten, kommentiert Studienleiter Thomas Kipps von der Universität von Kalifornien in San Diego. Er und sein Team stellen ihre Arbeit in der Fachzeitschrift "PNAS" vor (DOI: 10.1073/pnas.0712148105).

An der Studie nahmen sechs Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) teil, der bei Erwachsenen häufigsten Form von Blutkrebs. Ihnen wurden einige der entarteten Zellen entnommen und im Labor gentechnisch verändert. Dazu bauten die Forscher ein harmloses Virus inklusive eines zusätzlichen Gens in das Erbgut der Krebszellen ein, das in der Lage ist, das Immunsystem zu aktivieren. Anschließend injizierten die Wissenschaftler den Patienten die umgebauten Zellen in fünf Portionen mit einem Abstand von je zwei Wochen wieder - ein Schritt, den man mit einer Impfung gleichsetzen könne, sagt Kipps.

Bei fünf der sechs Teilnehmer reagierte das Immunsystem auf die Behandlung, indem es mit der Produktion von Antikörpern begann, berichten die Forscher. Während zwei der Patienten dabei lediglich Abwehrproteine gegen das verwendete Virus bildeten, waren bei drei Probanden zusätzlich Antikörper nachzuweisen, die gezielt gegen die Leukämiezellen gerichtet waren.

Das Ziel der Attacken, ROR1, wird normalerweise nur während der embryonalen Entwicklung gebildet und ließ sich bei den Studienteilnehmern ausschließlich auf den entarteten Zellen nachweisen. Es dient den Krebszellen dazu, an bestimmte Schlüsselproteine anzudocken und damit ihre Überlebenschancen zu verbessern, betonen die Forscher. Die Antikörper verhindern jedoch dieses Andocken und reduzieren damit die Lebenserwartung der entarteten Zellen.

Die Ergebnisse sind nach Ansicht der Wissenschaftler vor allem deshalb interessant, weil das Immunsystem aufgrund der Natur einer CLL notorisch schwierig zu aktivieren ist. ROR1 sei daher nicht nur für die Entwicklung einer Gentherapie oder einer therapeutischen Impfung ein sehr attraktiver, bisher unbekannter Ansatzpunkt, sondern auch für andere Behandlungsstrategien, erläutert Kipps - schließlich gebe es umso weniger Nebenwirkungen, je genauer eine Behandlung auf die Krebszellen zugeschnitten sei.

Quelle: Netdoktor vom 13.02.2008
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