Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) können heute häufig durch zyklische, intensive Behandlungen geheilt werden. Allerdings ist die Standard-Chemotherapie hinsichtlich der optimalen Dosis des Hauptwirkstoffes Cytarabin, der optimalen Zahl der Behandlungszyklen und der Wirksamkeit bestimmter zusätzlich verabreichter Medikamente noch immer unzureichend wissenschaftlich überprüft. Unter Federführung von Wissenschaftlern der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus konnten über 120 Ärzte und Forscher aus Deutschland und Tschechien in einer über sechs Jahre laufenden unabhängigen Studie Klarheit herbeiführen: Bei Patienten zwischen 18 und 60 Jahren führt die Gabe zusätzlicher Medikamente zum Hauptwirkstoff Cytarabin innerhalb der Konsolidierung nicht zu besseren Therapieergebnissen. Häufig sind infolge der Zusatz-Wirkstoffe sogar vermehrt Nebenwirkungen zu beobachten. Die für die Behandlungsstrategien bei jungen Erwachsenen bedeutsamen Erkenntnisse wurden im „Journal of Clinical Oncology“, der weltweit am häufigsten zitierten Fachzeitschrift für Krebserkrankungen, publiziert.

Fast 1.200 Patienten mit unbehandelter AML konnten in diese multizentrische, unabhängige, prospektive und randomisierte Studie eingeschlossen werden. Sie wurden bei der Diagnose mit ihrem Einverständnis für die nach den ersten beiden Behandlungszyklen vorgesehene Konsolidierungstherapie zufällig entweder einer dreizyklischen Standard-Chemotherapie mit dem hochdosierten Wirkstoff Cytarabin oder einer Chemotherapie, die neben dem Cytarabin die zusätzlichen Wirkstoffe Mitoxantron bzw. Amsacrin enthielt, zugeteilt. Bisher vermuteten die Ärzte, dass durch die Gabe der zusätzlichen Wirkstoffe ein besseres Therapieergebnis, also eine höhere Heilungsrate, erzielt werden könnte.

Doch die Ergebnisse der Studie zeigten eindeutig: Bei jüngeren Erwachsenen mit AML erzielt die Konsolidierungstherapie mit Mitoxantron und Amsacrin in Kombination mit Hochdosis-Cytarabin keine verbesserten Behandlungsergebnisse. Häufig ist infolge der Zusatz-Wirkstoffe sogar eine erhöhte Unverträglichkeit zu beobachten, einhergehend mit einer höheren Rate von Infektionen und Blutungen, was zu einer kürzeren 3-Jahres-Überlebensrate im Vergleich mit der Standard-Therapie führte.

„Mit der Studie konnte eine wichtige Unklarheit bezüglich der Konsolidierungs-Therapie bei AML-Patienten beseitigt werden“, unterstreicht Prof. Markus Schaich, Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 am Dresdner Universitätsklinikum und Erstautor der Studie. Der nun publizierte Artikel ist von enormer Bedeutung für zukünftige Therapiestrategien bei jungen, erwachsenen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie – dies zeigt auch das durch den Direktor des "Dana Farber Cancer Institutes" der "Harvard Medical School" in Boston, USA, Prof. Richard M. Stone, zu dieser Veröffentlichung verfasste Begleiteditorial. Das "Journal of Clinical Oncology" ist mit einem Impact Factor von 18,4 die am häufigsten zitierte Fachzeitschrift der Welt für Krebserkrankungen.

Mit 55 an der Studie beteiligten Institutionen – beispielsweise aus Heidelberg, Münster, Berlin, Prag und Brno – war die Erhebung breit aufgestellt. Die Dresdner Federführung ist Zeichen der extrem guten nationalen und internationalen Vernetzung des Forschungsstandorts in Sachen Onkologie.

Hintergrund

Die Leukämie ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Leukämien zeichnen sich durch stark vermehrte Bildung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und vor allem ihrer funktionsuntüchtigen Vorstufen aus. Diese Leukämiezellen breiten sich im Knochenmark aus, verdrängen dort die übliche Blutbildung. Sie können Leber, Milz, Lymphknoten und weitere Organe infiltrieren und dadurch ihre Funktion beeinträchtigen. Durch die Störung der Blutbildung kommt es zur Verminderung der normalen Blutbestandteile. Es entsteht eine Anämie durch Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen (Erythrozyten), ein Mangel an blutungsstillenden Blutplättchen (Thrombozyten) und ein Mangel an funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die häufigste akute Form bei Erwachsenen ist die akute myeloische Leukämie, die mit zunehmendem Alter vermehrt vorkommt. Da die Weltbevölkerung immer älter wird, gewinnt die AML an Bedeutung.
In Deutschland erkranken jährlich insgesamt rund 3.600 Menschen an AML.

Literaturangabe:

“High-Dose Cytarabine Consolidation With or Without Additional Amsacrine and Mitoxantrone in Acute Myeloid Leukemia: Results of the Prospective Randomized AML2003 Trial”; in: Journal of Clinical Oncology.
Autoren: Markus Schaich, Stefani Parmentier, Michael Kramer, Thomas Illmer, Friedrich Stölzel, Christoph Röllig, Christian Thiede, Mathias Hänel, Kerstin Schäfer-Eckart, Walter Aulitzky, Hermann Einsele, Anthony D. Ho, Hubert Serve, Wolfgang E. Berdel, Jiri Mayer, Norbert Schmitz, Stefan W. Krause, Andreas Neubauer, Claudia D. Baldus, Johannes Schetelig, Martin Bornhäuser, and Gerhard Ehninger, doi: 10.1200/JCO.2012.46.4743

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