Der Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib, der bisher hauptsächlich Erwachsenenalter eingesetzt wird, hat laut einer Studie im Journal of Clinical Oncology das ereignisfreie Überleben bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) deutlich verbessert.

Nicht alle Formen der ALL können heute durch eine Chemotherapie geheilt werden. Zu den Varianten mit bisher schlechten Therapieergebnissen gehört die Philadelphiachromosom–positive (Ph+) ALL. Die Standardtherapie besteht hier in einer Knochenmarktransplantation.

Es ist bekannt, dass Imatinib bei erwachsenen Patienten mit einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) langfristige Remissionen erzielen kann. Der Wirkstoff hemmt eine Tyrosinkinase, die infolge einer Translokation der Chromosomen 9 und 22 entsteht, die als Philadelphia-Chromosom bezeichnet wird. Es lag deshalb nahe, Imatinib auch bei jungen Patienten mit Philadelphia-Chromosom–positiver ALL (Ph+ ALL) zu untersuchen.

Die nordamerikanische Children's Oncology Group behandelte 92 Kinder und Jugendliche mit Ph-positiver ALL mit Imatinib. Alle Kinder hatten zuvor eine Standardchemotherapie erhalten. Aus historischen Kontrollen war bekannt, dass nur etwa 35 Prozent der Kinder über 3 Jahre ohne Rezidiv bleiben.

Wie die Gruppe um Kirk Schultz vom Child & Family Research Institute in Vancouver berichtet, konnte die 3-Jahres-Rate eines rezidivfreien Überlebens unter der Imatinibtherapie mehr als verdoppelt werden, wenn die Therapie langfristig durchgeführt wurde.

Patienten, die über 250 Tage behandelt wurden, waren zu 80 Prozent nach drei Jahren noch rezidivfrei. Eine kleine Gruppe von Patienten erhielt nach der Imatinibtherapie noch eine Knochenmarktransplantation, die das Ergebnis nicht weiter verbesserte.

Da es sich um eine Phase-II-Studie handelt, die primär die Verträglichkeit des Tyrosinkinasehemmers Imatinib bei Kindern und Jugendlichen mit ALL untersucht hat, ist ein abschließendes Urteil noch nicht möglich.

Die Autoren sind jedoch zuversichtlich, dass die anstehende Phase-III-Studie die Ergebnisse bestätigen wird, und den Kindern künftig die Strapazen und Risiken einer Knochenmarktransplantation erspart bleiben könnten.

Quellen:
Ärzteblatt.de vom 07.10.2009
Journal of Clinical Oncology (2009; doi: 10.1200/JCO.2008.21.2514)
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