Therapieoptionen eingeschränkt?

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Alan
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Re: Therapieoptionen eingeschränkt?

Beitrag von Alan » 21.05.2022, 18:48

Ergänzung zur Diagnose :

die CLL-Expertin Dr. Jennifer Brown vom Dana Farber Cancer Institute (DFCI) in Boston zu einem Thema zu befragen, das auf den ersten Blick kein großes Problem zu sein scheint, nämlich die korrekte Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie.
Es stellt sich heraus, dass die Diagnose nicht immer ein Slam Dunk ist.( Volltreffer )
Das erste Ziel für jeden Patienten ist es, sicherzustellen, dass wir die richtige Diagnose haben.
Unsicherheit über die korrekte Diagnose von CLL ist im Sprechzimmer eines tertiären CLL-Experten kein ungewöhnliches Ereignis, aber das Erreichen einer falschen Diagnose ist insgesamt ein relativ seltenes Problem.,
Die Durchflusszytometrie, ein Standard-Hämatologietest, der aus einer regelmäßigen Blutentnahme oder gegebenenfalls aus einer Knochenmarkbiopsie oder Lymphknotenbiopsie durchgeführt werden kann, untersucht die Immunphänotypen oder Fingerabdrücke der Zellen, um chronische lymphatische Leukämie oder Blutkrebs genau zu diagnostizieren.
Das klassische Muster, das zur Diagnose von CLL benötigt wird, ist eine Population von > 5.000 identischen (monoklonalen) B-Zellen pro Mikroliter Blut, die die folgenden Marker exprimieren:
CD19+ CD20(+Iow) CD22(+niedrig) CD5(+hoch) CD23+ FMC7-CD79b(+Iow) sIg(+Iow)
Der CD5 + -Marker ist ungewöhnlich, da er typischerweise nur auf T- und nicht auf B-Zellen gefunden wird.
Ohne sorgfältige Überprüfung der Durchflusszytometrie kann CLL manchmal mit Milz-Randzonenlymphom (SMZL) oder Mantelzelllymphom (MCL) verwechselt werden.
Diese verwandten B-Zell-Lymphome (denken Sie daran, dass CLL sowohl ein Lymphom als auch eine Leukämie ist) können sich unterschiedlich verhalten oder unterschiedliche Therapien erfordern.
Einige Fälle passen nicht eindeutig zu einem klassischen Muster und bleiben nicht spezifiziert.
Die gute Nachricht ist, dass es in den meisten Fällen eine Zeit des Beobachtens und Wartens (aktive Beobachtung) gibt, und wenn die Behandlung indiziert ist, kann ein erneuter Test in der Regel die richtige Diagnose und Behandlung feststellen.

Einzelne Labore benutzen die Oberflächenmarker CD200 und CD43 anstatt CD22, CD79b und FMC7 um möglicherweise die Diagnose zu verfeinern und besser abzugrenzen z MCL. Es gibt jedoch keinen Konsens unter CLL - Experten. Oft wird die Methode bei atypischer CLL angewandt. ( vergrößerte Lymphozyten und in der Form verändert. )
Gruß Alan

Alan
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Re: Therapieoptionen eingeschränkt?

Beitrag von Alan » 21.05.2022, 18:29

Hallo Bettina,
die Mindeststandard Tests nach Cll Diagnose oder vor einem Therapiebeginn sind I FISH mit hoher Genauigkeit IGVH- Mutationsstatus und Tp53 Mutationsanalyse und nicht die Karyotypisierung . Die Karyotypisierung identifiziert nicht die charakteristischen und spezifischen Aberrationen wie I FISH mit speziellen Sonden für jedes einzelne Chromosom , wie 13 q , 11q, Trisomie 12 , 17p und die Translokation t(11,14 ) um ein Überlappung mit MCL nachzuweisen.

Bei der Chromosomenanalyse müssen alle 23 Chromosomenpaare in eine Metaphase versetzt werden, damit sich alle Chromosomen teilen. Man sieht dann alles was wesentlich ist. Ein schwieriger und nicht immer ein zuverlässiger Test. Es können weitere Aberrationen nachgewiesen werden die beim I FISH – Panel nicht erfasst werden. Wenn dies wie bei dir nachgewiesen, würde das bedeuten : CLL IGVH mutiert mit 13q Del. und komplexer Karyotyp.
Die spezifischen Aberrationen beim I FISH – Test sind nicht nur prognostische Marker , sondern auch prädiktiv , dies bedeutet sie entscheiden welche Therapie. Aberrationen bei der Karyotypisierung sind für eine Therapieentscheidung nicht wesentlich. Eine Genom – Sequenzierung der B – Zellen hat die Karyotypiesierung abgelöst. ( Kosten ? ).
Gruß Alan

Betti75
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Re: Therapieoptionen eingeschränkt?

Beitrag von Betti75 » 20.05.2022, 09:55

Hallo Alan,

vielen Dank für deine Antwort. Das klingt alles sehr kompliziert. Aber dein Satz, dass Therapieoptionen nicht eingeschränkt sind, beruhigt mich erstmal.

Das steht in meinem Befund zu den Oberflächenmarkern: Die lymphatischen Zellen exprimieren fast ausschließlich (91 %) den Immunphänotyp einer reifen BZellneoplasie mit Leichtkettenrestriktion Lambda, deutlicher Koexpression von CD5, CD23, CD200 und CD43, schwächer auch von CD25, somit dem Immunphänotyp einer BCLL entsprechend. Daneben etwa 7 % reife T-Zellen mit normaler CD4/CD8-Ratio.

Viele Grüße
Bettina

Alan
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Re: Therapieoptionen eingeschränkt?

Beitrag von Alan » 16.05.2022, 19:04

Hallo Bettina,
deine Oberflächenmarker ( Fingerabdrücke ) auf den B- Zellen , die eine Cll identifizieren hast du hier nicht mitgeteilt. Deshalb kann ich dir dazu nichts sagen. Eine Gen – Analyse ( Expression ) gibt darüber Auskunft, welche Gene eines Lymphoms aktiviert sind. Sind von der Veränderung BCL-2 betroffen , spricht man von einer Translokation.

Bei CLL : BCL -2 ist als Mitglied innerhalb einer Familie für die Zellstabilität verantwortlich und andere Mitglieder für das Ausscheiden von unbrauchbaren Zellen ( Apoptose) .BCL -2 wird bei CLL hoch reguliert was zur Hemmung der Apoptose führt. Bei CLL ist die häufigste chromosomale Veränderung 13q ( 50 % ) was zur Löschung von 2 mikro RNAs führt, wenn sie verloren gehen wird BCL – 2 hochreguliert.
Therapieoption ist nicht eingeschränkt. BCL -2 Entdeckung bis zur Entwicklung und Zulassung von Therapien vergingen ca. 30 Jahre, die Forschung ist nicht abgeschlossen.
Eine Translokation ( Chromosomenumlagerung ) kann ausgewogen – und unausgewogen sein . Ein Stück eines Chromosoms verschoben oder abgebrochen und an einem anderen befestigt.
Es kommt zu einem Verlust oder Gewinn von genetischem Material.
Varianten können die DNA – Sequenz eines Gens ändern, nicht unbedingt die Funktion aus dem Gen hergestellten Protein.
Varianten : Pathogen, wahrscheinlich pathogen, mit unklarer Bedeutung , wahrscheinlich gutartig und gutartig. Eine Variante kann bewertet werden ( Klassifizierung ) wenn durch Forschung Infos bekannt sind.
Die typische chromosomale Veränderung beim follikulären Lymphom ist die Translokation t( 14, 18 )
Es entsteht ein fehlerhafter Austausch von Gen Abschnitten. Die Zelle gerät dadurch außer Kontrolle . Bei einigen Chromosomenveränderungen , wie von dir berichtet , nach denen wird nach CLL – Diagnose nicht gesucht, aber dies bedeutet nicht , dass sie nicht vorhanden sind. Was ich von einer Karyotypisierung nach CLL – Diagnose halte , in Teil II.
Gruß Alan

Betti75
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Therapieoptionen eingeschränkt?

Beitrag von Betti75 » 15.05.2022, 10:40

Liebes Forum,

interessiert lese ich seit Februar eure sehr informativen und hilfreichen Beiträge.

Ich bin 47 Jahre alt und habe im Februar 2022 die Diagnose B-CLL erhalten. Es war ein Zufallsbefund nach einer Coronainfektion (ungeimpft) Anfang Januar 2022. Meine Leukozyten lagen Anfang Februar bei rund 38.000. Bei der Kontrolluntersuchung am 9.5.2022 waren diese auf rund 54.000 gestiegen. Der rasche Anstieg hat mich schon geschockt. Mein Onkologe ist aber noch entspannt, nächste Kontrolle in drei Monaten. Am 14.06. habe ich einen Termin bei einem anderen Onkologen in Berlin für eine Zweitmeinung.

Es wurden auch die prognostischen Marker bestimmt und die Immunglobuline. Immunglobuline sollen i.O. sein. Keine TP53 Mutation, IgVH hypermutiert. Soweit ich das verstehe, also erstmal eine gute Prognose.

Es wurde auch der Karyotyp bestimmt und eine Deletion 13q14 festgestellt sowie eine Translokation des BCL2-Lokus. Und da verstehe ich etwas nicht. Ich zitiere jetzt mal:
"Zusammenfassend wurde zytogenetisch ein aberranter Zellklon mit Translokation t(18;22)(q21;q11) unter Beteiligung des BCL2-Lokus nachgewiesen. Darüber hinaus zeigte sich eine Deletion 13q.

Bei der Translokation t(18;22)(q21;q11) [BCL2::IGL] handelt es sich ume eine variante Form der Translokation t(14;18)(q32;q21) [IGH::BCL2], die bei 80-90% der follikulären Lymphome, bei 30% der DLBCL und selten bei anderen lymphoproliferanten Erkrankungen wie CLL beschrieben wird."

Was bedeutet die Translokation des BCL2-Lokus? Kommt eine Therapie mit einem BCL2-Inhibitor dann überhaupt infrage? Habe ich vielleicht gar keine CLL?

Vielen Dank fürs Lesen und eure Antworten.

Liebe Grüße Bettina

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