Arbeitslosigkeit und CLL

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Irgendwer
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Re: Arbeitslosigkeit und CLL

Beitrag von Irgendwer » 18.10.2020, 12:49

@Frauke

Als erstes solltest du -falls nicht vorhanden- eine Schwerbehinderung beantragen. CLL bringt allein wenigstens 30% GdB (Grad der Behinderung) + X für die Schwerhörigkeit.

Ziel sind natürlich mindestens GdB50, aber auch mit 30 gibt es die sogenannte "Gleichstellung". Paar andere Klienigkeiten hat man meist auch noch, also die wenigstens 30 erst mal mitnehmen, gegen den Bescheid Widerspruch einlegen -falls unter GdB50-, dann notfalls klagen (vor Sozialgericht, kostenfrei, dauert aber ewig, Sache läuft erstmal).

Krank ist in BRD -abseits von Corona mit Pauschalverdacht- nämlich nur der, dem es amtlich bescheinigt wurde. Und bei einem vohandenen GdB ist der Umgang seitens dieser Jobcenter in aller Regel "besser".

Die Chancen auf dem Arbeismarkt sind aktuell ohnehin sehr schlecht, gesundheitlich beeinträchtigt nochmals schwerer. Ganz zu schweigen von der eigenen verminderten Leistungsfähigkeit. Mittelfristig Erwerbsminderungsrente ins Auge fassen, am besten parallel Antrag bei DRV stellen. Wird ohnehin erst mal abgelehnt, dann Prozedere wie oben. Alles schön dem JC mitteilen. Normal nehmne die dich dann aus der Vermittlung u.ä. raus. Falls nicht, gegen Sinnlos-Maßahmen (also bei denen eigentlich alles) mit Krankschreibung/Dauer-Krankschreibung vorgehen.

Watson
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Re: Arbeitslosigkeit und CLL

Beitrag von Watson » 08.10.2020, 13:16

Hallo,
wäre es nicht so traurig, könnte man fast schon drüber lachen, welchen sinnlosen Aktionismus das Arbeitsamt hier betreibt. Einmal abgesehen davon, dass man jemanden, der jahrelang in einem Beruf gearbeitet hat, wohl kaum mehr über "den eigenen Integrationsweg" belehren muss. Wir haben eine Krankheit, bei der jede größere Infektion die Letzte sein kann und genau deswegen musstest du ja letztlich deinen Beruf aufgeben. Dass sich die Behörden dieses Landes nicht entblöden, als Alternative dafür mitten in der Corona-Zeit, in der manche Politiker und Panikvirologen selbst gesunde Menschen am liebsten sicherheitshalber einsperren würden, ausgerechnet einen CLL-Patienten zu einem 6-monatigen Lehrgang zu schicken, hat schon etwas von Situationskomik. Wir CLLer sind ja ohnehin doppelt gestraft: Einerseits eine unheilbare, oft heimtückige und symptomatisch durchaus belastende Krankheit zu haben. Und andererseits immer wieder von Behörden hören zu müssen, dass CLL ja eigentlich eine symptomlose, einfach zu behandelnde und die Lebenszeit kaum verkürzende Krankheit ist, die in den gängigen Behinderungs- und Berentungskriterien keinerlei Niederschlag findet. Aber wir sind leider zu wenige, um da eine Lobby zu haben, folglich kann man solchen Unsinnigkeiten nur mit gesundem Menschenverstand begegnen: Lass dir, wie Thomas schon schrieb, vom Arzt die Unmöglichkeit solcher Schulungen wegen der Infektionsgefahr bescheinigen, oder dich ggf. krankschreiben. Nicht schön, aber offenbar die einzige Antwort darauf.

frauke

Re: Arbeitslosigkeit und CLL

Beitrag von frauke » 21.09.2020, 17:06

Danke,Thomas,
ich habe zufällig am Mittwoch einen Termin zur Blutabnahme, da werde ich gleich mal danach fragen!
LG Frauke

Thomas55
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Re: Arbeitslosigkeit und CLL

Beitrag von Thomas55 » 21.09.2020, 16:54

Hallo Frauke,
wenn es bei Dir irgendwo die Möglichkeit gibt, würde ich mich da beim VdK beraten und ggfls. unterstützen lassen. Ansonsten müsste eine Bescheinigung Deines Hämatologen oder Deines Hausarztes eigentlich reichen, dass Du in Zeiten von Corona besonders gefährdet bist und deshalb ein Besuch des beschriebenen Kurses zu riskant für Dich ist.
Gruß
Thomas

frauke

Arbeitslosigkeit und CLL

Beitrag von frauke » 21.09.2020, 13:36

Hallo, ich bin zur Zeit arbeitslos und bekam von der Bundesagentur für Arbeit eine " Zuweisung in eine Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung "für die Dauer von 6 Monaten.
Inhalte sind u.a. Kompetenzanalyse, Planung des eigenen Integrationsweges, Gesundheitsorientierung, Bewerbungscoaching, Vermittlungsunterstützung, Abbau von Vermittlungsbarrieren, betriebliche Erprobung...
Ich habe als Altenpfleger gearbeitet und es wurde beim Eintritt in die Arbeitslosigkeit vom Amtsarzt ein Gutachten für die BfA erstellt, daß der Beruf wegen der zu erwartenden Infektanfälligkeit bei CLL nicht mehr ausgeübt werden kann/soll.
Die Beratung vom Amt lief bisher nur telefonisch wegen Corona. Ich bat um einen persönlichen Termin ( da ich zu allem auch noch schwerhörig bin ), um dieses spezielle sogenannte"Vermittlungshemmnis" zu besprechen; der wurde aber abgelehnt.
Ich sehe in der Maßnahme keinen Sinn, da ich sehr wohl selbst in der Lage bin, mich um Arbeit zu kümmern; meine Bewerbungsunterlagen in einem Bewerbungstraining vom Arbeitsamt unlängst auf den neuesten Stand gebracht wurden und ich mich trotz des Gutachtens bei verschiedenen Trägern erkundigt habe, ob sie mich einstellen würden - eben nur nicht in der Pflege, sondern mehr in der Betreuung. Bei Erwähnung der CLL gab es natürlich lange Gesichter und Absagen.
Das Problem sind eben nicht fehlende Kenntnisse, unvollständige Unterlagen...sondern die CLL und die Schwerhörigkeit.
Die nun angebotene Maßnahme hat das Ziel, die Leute in einen Job zu vermitteln und nun kommt wieder die CLL ins Spiel.
Ich hatte bei demselben Bildungsträger schon das Bewerbungstraining und anschließend war ich extra einen Tag länger dort zum Einzelcoaching ( " Vielleicht fällt den Mitarbeitern dort etwas ein, was man mit Ihnen machen kann " - Bemerkung der Mitarbeiterin vom Amt ). Das " Einzelcoaching " brachte uns auch nicht weiter, die Mitarbeiterin vom Bildungsträger fragte sogar, warum die Arbeitsagentur mich denn dort hingeschickt hätte - sie hatte absolut keinen Schimmer, was man mit mir machen könnte. Und nun diese Maßnahmezuweisung beim selben Träger...
Hat jemand schon mal ähnliche Erfahrungen - Bundesagentur / CLL gemacht?
Hat jemand eine Idee, wie ich diese Maßnahme ablehnen kann?
Ich danke für`s Lesen.

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