BIRC3 Mutation

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Alan
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Alan » 02.07.2020, 20:38

Hallo Georgine,
bei einer monoklonalen Gammopathie hast du ein geringes Risiko für Waldenström ,Multiples Myelom und oder Amyloidose zu entwickeln. Risiken sind keine Gewissheiten. Bei Waldenström wird die Mutation CXCR 4 bei 30 % der Pat. nachgewiesen und MYD88 bei 90 % der Pat. MYD88 wird auch , wenn auch selten bei CLL nachgewiesen, wenn man tiefer gräbt findet man mehr. Wenn eine Therapie in Reichweite ist, sollte man vor Beginn der Therapie die Mutationen kennen ( Test ) .

Leichte Ketten Kappa und Lambda verbinden sich mit schweren Ketten zu Immunglobulinen . Das Problem : FREIE leichte Ketten beziehen sich auf solche, die nicht Teil ganzer Immunglobuline sind und im Blut vorhanden sind. Jede Art von Immunglobulin besteht aus 4 Protein Ketten , 2 identische schwere Ketten und 2 identische leichte Ketten. Eine bestimmte Plasmazelle produziert nur eine Art von Immunglobulin.
Normalerweise wird ein geringer Überschuss an FREIEN Ketten erzeugt , so das im Blut geringe Mengen an freien Kappa - und Lambda Ketten nachgewiesen werden. Bei Gammopathie wird eine Plasma Zelle neoplastisch , teilt sich mehr als sie sollte und produziert eine große Anzahl Kopien. Freie leichte Ketten sind im Blut mit einem Kappa – Lambda- Verhältnis von ca. 0,26 bis 1,65 für Pat- mit normaler Nierenfunktion vorhanden.
Im Zusammenhang mit MGUS weisen eine erhöhte Produktion der freien leichten Ketten und ein deutliches abnormales Kappa – Lambda – Verhältnis auf ein erhöhtes Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit hin. ( Nierenfunktion sollte überwacht werden. )
Ich wünsche dir alles Gute
Gruß Alan

Georgine
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Georgine » 01.07.2020, 12:24

Hallo Alan,

Diese Erklärung war super, auch wenn ich es ein paarmal lesen muss um es zu verstehen.

Um herauszufinden ob diese IGM Klone von der cll gemacht werden, die Hoffnung stirbt zuletzt, oder ob doch noch was Zusätzliches dahintersteckt, muss man diese von dir genannten Mutationen (CXCR4 usw.)im Blut abklären?

Wobei ich momentan erstmal abwarten werde, wie die nächste Blutuntersuchung aussieht. Meine Psyche muss meine neue Zytogenetik mit den bis vor kurzem noch nicht bekannten Mutationen erstmal verkraften. Eine zusätzliche Diagnose wäre heftig.

Viele Grüße und nochmal danke.

Alan
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Alan » 27.06.2020, 17:49

Hallo Georgina,
B- Lymphozyten reagieren auf eine Infektion, indem sie sich in einen anderen Zelltyp verwandeln die als Plasma - Zelle bezeichnet wird, die Immunglobuline bilden.
Monoklonale Gammopathie ist ein anormaler Zustand , in dem Klone einen einzelnen Plasma – Zelle erhöhte Mengen eines Immunmoleküls produzieren. Die Analyse von Serum und Urin zeigt dann eine deutliche Monoklonale Bande in einer Region. Da Maligne Zellen Klone sind, die von einer einzelnen Plasma – Zelle stammen , produzieren sie alle identische abnormale monoklonale Immunglobuline.
Wenn bei einer monoklonalen Gammophatie ( MGUS ) der Pat. keine Symptome hat, machen die abnormalen Zellen ( IgM ) weniger als 10 % im Knochenmark aus und die Menge an monoklonalen Protein im Blut ist weniger als 3 g / dl . MGUS verursacht selbst keine Probleme, der Pat. hat aber ein geringes Risiko wie Waldenström , Multiples Myelom und Amyloidose zu entwickeln. Waldenström – Makroglobulinämie ähnelt einmal der CLL und dem multiplen Myelom , daher Hybriderkrankung.
Das Hyperviskositätssyndrom führt bei einigen Pat. dazu , dass das Blut zu dick wird ( Blutschlamm ) durch zu viel monoklonales IgM , was zu großen Problemen führen kann. ( Therapie Plasmapherese ) . Eine Serumproteinelekrophorese misst die Gesamtmenge an Immunglobulin und findet monoklonales IgM.
In der Blutflüssigkeit sind in einem Liter 60 g Protein ( Eiweiß ) Dieses Gesamtprotein besteht aus vielen verschiedenen Eiweißstoffen. . Zur Erkennung von Krankheiten ist es wichtig zu wissen welches Protein ( IgM ) vermehrt oder vermindert ist. Das Gesamtprotein wird dann in einzelne Eiweißstoffe aufgetrennt. Auf einer Folie bringt man eine kleine Menge Blut und eine elektrische Spannung wird an die Folie angelegt. Die Proteine wandern dann zu dem + Pol , aber unterschiedlich schnell .
Auf der Folie gibt es eine Auftrennung der Proteine nach Wandergeschwindigkeit . Man färbt die Proteine zu dem auf der Folie. Die Proteine haben zunächst 5 Bereiche
bandförmiger Anfärbung . Proteine sind : Albumin, Alpha 1 , Alpha 2, Beta und Gammaglobuline . Die gefärbte Folie wird auf einen Scanner gelegt und von einem Computerprogramm die einzelnen Flächen berechnet und jeweilige Konzentration der einzelnen Proteine . Das Ergebnis gibt man in % oder in absolut an. Je schmaler die einzeln Bande eines Proteins um so geringer die Konzentration.
Aus dem Immunglobulin Gamma Gesamt können auf die gleiche Art die Konzentration von IgG , IgM , IgA , IgE und IgD ermittelt werden.
Bei Waldenström wird seit Jahren Ibrutinib als Therapie eingesetzt , Venetoclax ist nicht zugelassen. Pat.mit Waldenström können geschichtet werden mit einem Albumin unter 3,5 und einer CXCR4 Mutation etwa 30 % Chromosomenlokalisation 2q 22.1 . Sowie MYD88 Mutation etwa 90 % Chromosomenlokation 3p 22.2. Achte auf deine Erys deine Werte Erys 3,8 Hb 11,9 Normalwerte weiblich Erys 4,1 bis 5,3 Normalwerte Hb 12,1 bis 15,1 gldl.
Gruß Alan

Georgine
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Georgine » 25.06.2020, 13:59

Irgendwie ist mein Posting gerade verschwunden.

ok, meine Konsultation Uniklinik ist vorüber. Ich war in Heidelberg und in Köln anschließend, weil ich in Heidelberg enttäuscht war über den ganzen Ablauf des Gespräches.

Ergebnis: BIRC 3 :
Heidelberg, keine Chemo mehr sinnvoll, wie Alan ja auch schon erklärt hatte.

Köln: lt. Ärztinist die Datenlage, ob dies wirklich ein ungünstiger prognostischer Parameter ist, unklar. Es zeigt sich in den wenigen Daten, die über diese sehr seltene Mutation bekannt sind kein signifikant schlechteres Überleben, aber, es ist einfach wenig bekannt und so gut wie keine Studie vorhanden.

IGM Erhöhung: Lt. Laborbericht der Serumfixation von Köln: Es zeigt sich sowohl in der Spur der IGM als auch in der SPur der gesamten lambda Leichtketten eine schmale, scharf begrenzte Bande. Was bedeutet das ???
Diese verlaufen auf gleicher Höhe. polyklonale Immunglobulin Produktion ( IGA, IGG) ist vermindert, Beta 2 erhöht (3,3).
Zusammenfassend ist es eine monoklonale Gammopathie, entweder M. Waldenström oder eben durch die B-CLL. Das war ja schon vorher im Raum gestanden. Leider konnte damit meine Sorge, dass auch noch der Waldenström mitspielt, nicht genommen werden. In der Beurteilung der Uni Köln heißt es , dass die Menge des monoklonalen Proteins sehr gering ist und deshalb auch hier w&w. Ob meine beidseitige Vaskulitis an den Beinen nach längeren Wanderungen daher kommt ist nicht bekannt.

In Heidelberg wurde bezüglich des IGM nichts untersucht, es gab lediglich die Empfehlung per Blutuntersuchung zu überwachen.

Insgesamt war es interessant, die verschiedene Herangehensweise von Heidelberg und Köln zu sehen. Es war in Heidelberg nicht bekannt, dass es die Kombi Ibrutinib und Obinutuzumab gibt. Und wenn es sie gäbe, sieht der Arzt dort keinen Vorteil gegenüber der Monotherapie mit Ibrutinib. Warum ? Ich habe nicht mehr gefragt, er hatte einen schlechten Tag. Auch ob die Vaskulitis mit der CLL oder Waldenström zu tun hat, Antwort in Heidelberg, dann probieren Sie es aus, wenn es weggeht, gut, wenn nicht, dann setzen Sie es einfach wieder ab.

Solche Aussagen kamen in Köln nicht, dort ist der Vorschlag weiter w&w. Auch die Handhabung sehr einfühlsam. Nur es steht einfach dieser Waldenström im Raum als Zusatzbonus meiner CLL. Und wenn das so wäre, würde Venetoclax nicht gut wirken. Die Ärztin hat dann noch gesagt, wenn es zur Therapie kommt, könnte man evtl untersuchen, worauf meine Zellen besser reagieren. Wie, weiß ich nicht, habe nicht gefragt, da momentan noch w&w Empfehlung.

Fazit: in Köln habe ich mich viel besser aufgehoben gefühlt.

Georgine
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Georgine » 02.06.2020, 11:36

Danke Alan, ich bin sehr froh, dass du so ausführlich, kompetent und dadurch für mich aufmunternd geantwortet hast.

Ich werde berichten, was die Uniklinik spricht.
Viele Grüße

Alan
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Alan » 01.06.2020, 18:49

Hallo Georgine,
Die Mutation BIR - C3 ist seit 2013 bekannt. Es ist richtig das die Mutation im Watch und Wait bei 5 % liegt und durch klonale Evolution bis auf 20 % ansteigt. Ibrutinib wurde in Europa im Okt. 2014 zugelassen und ich werde seit 15.09.2014 mit Ibrutinib behandelt und es geht mir gut. Ich habe die Del. 11q mit Verlust von BIR -C3 sowie 17p Del. mit Verlust von Tp53 . Für Ibrutinib und in Kombi mit Obinutuzumab ist BIR – C3 kein Problem und es gibt keine Hinweise auf ein frühzeitiges Rezidiv.
Vaskulitis ist eine Gruppe von Erkrankungen und eine Entzündung der Blutgefäße . Sekundäre Vaskulitis kann durch eine Autoimmun Erkrankung , Infektionen , Hepatitis B oder C, rheumatoide Arthritis in Einzelfällen auch Lymphome können Auslöser sein.
Der IgM Sollwert ist 37 – 286 mg / dl und dein IgM ist von 40 auf 240 gestiegen. Im Verlauf einer CLL fallen IgM , IgG, IgA weiter ab wodurch die Risiken für Infekte steigen.
Nur zur Info : 4 – 5 % der Cll – Pat. haben eine Hypergammaglobulinämie . Es ist wichtig zu bestimmen ob die Erhöhung, wenn weit über die Sollwerte hinaus, polyklonal sind und auf einen entzündlichen Prozess hinweist wie Lupus , Vaskulitis und andere, oder monoklonal auf ein Lymphom / Myelom.
Menschen die monoklonales IgM produzieren haben möglicher weise eine verwandte Krankheit, die als Waldenström – Makroglobulinämie bezeichnet wird. Monoklonale Gammopathie ist die Produktion kleiner Mengen identischer Kopien desselben Immunglobulins ( MGUS )
Bei einem Istwert von 240 IgM sehe ich kein Problem , die Immunglobuline solten jedoch engmaschig überwacht werden. Die Vaskulitis sollte in der Uni – Klinik besprochen werden.
Gruß Alan

Georgine
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Georgine » 31.05.2020, 17:19

Hallo Alan, vielen Dank für die Antwort und die Hinweise auf frühere Erklärungen. Das ist ja hochkomplex. Ich werde demnächst nach Köln fahren und mich dort auch nochmal beraten lassen. Mein hiesiger Onkologe hatte diese Mutation noch nicht. Soweit ich mich informieren konnte, haben diese Mutation nur ca. 5 % der sich in w/w befindenden Patíenten. Es tritt wohl öfter auf beim Rezidiv, dann ca. 20 %. D.h. ich habe wohl gleich eine Stufe übersprungen, was auch erklärt für mich, dass anscheinend auch das Ansprechen der neuen Medikamente ausprobiert werden muss und es nicht so lange dauert bis zum Rezidiv. Was meine anderen Blutwerte anbelangt:
Leukos ca. 55000
Thrombos ca 130000
Erys 3,8 Hb 11,9
LK Größe noch nicht störend, Milz ca 15 cm
aber es steigt IGM , war immer bei 40 , jetzt steigt es auf 240
seit einiger Zeit öfter Vaskulitis an den Beinen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die früher auch nicht da waren.
Ansonsten keine Begleiterkrankungen und guter Allgemeinzustand.

Ich werde berichten.
Viele Grüße

Alan
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Re: BIRC3 Mutation

Beitrag von Alan » 30.05.2020, 16:25

Hallo Georgine,
BIR – C 3 = Baculoviral IAP Repeat enthaltenes Protein . Infos aus Datenbanken sind extrem komplex .
Multifunktionales Protein das Caspasen = Cysteinproteasen gleich Zielproteine an einer Peptidbindung und Apoptose reguliert, sowie Entzündungssignale , Immunität , Zellteilung und moduliert die Zellinvasion.
Mitglied einer Proteinfamilie und bindet über Traf 1 und Traf 2 ( Signalwandler ) an den Tumor Nekrose Faktor Rezeptor und hemmt die Apoptose durch Störung der Aktivierung von Caspasen .

Zytogenetische Position Chromosom 11 q 22.2 .
Es gibt Studien von Pat. die mit FCR behandelt wurden mit BIR- C 3 Mutation sie erreichten eine durchschnittliche Remission von knapp 2,5 Jahren. Der Grund für die kurze Remission ist, dass Cycloposphamid und Rituximab Wirkung zeigen aber Fludarabin wirkungslos ist.
CLL Experten = BIR -C3 hilft den Zelltod zu regulieren und ist resistent gegenüber Fludarabin und wird zu Zeiten der Chemo – Immuntherapie in Kategorie Hochrisiko eingeteilt.

BIR-C3 wird trotz Ibrutinib – Kombi Therapie sowie Venetoclax als mittleres bis hohes Risiko eingestuft. Ein Therapiebeginn ist vom klinischen Verlauf der CLL abhängig , nicht vom IGVH Mutations Status oder der Anzahl der Mutationen. Welche B – Symtome und Blutwerte darauf hindeuten, dass eine Behandlung ansteht, dazu lese meinen Beitrag ““ Studie Behandlung ““ vom 03.03.2020. Mit Ibrutinib Mono , besser in Kombi mit Obinutuzumab sowie Venetoclax in Kombi mit Obinutuzumab stehen dir sehr gute Therapie Möglichkeiten zur Verfügung.
Gruß Alan

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BIRC3 Mutation

Beitrag von Georgine » 29.05.2020, 21:17

Meine cll Diagnose besteht seit 2015. Bis jetzt w/w
Ich habe eine trisomie 12, ighv Status 4-4*02 mutiert, BIRC3.

Leider finde ich wenig an Infos zu BIRC3. Was an Therapien überhaupt möglich ist mit welchem zeitlichen Erfolg.

Hat hier jemand Erfahrung?

Viele Grüße Georgine

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