Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Wie gehe ich mit Leukämie im Alltag um? Wie unterstütze ich als Freund oder Angehöriger? Welche Erfahrungen gibt es bezüglich Rente, Behindertenausweis, Psychotherapie, Kur?

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PMF2SZT
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von PMF2SZT » 23.03.2020, 10:32

Ich habe jetzt auch ein offizielles Dokument von der DGHO zum Coronavirus gefunden:
https://www.dgho.de/publikationen/stell ... 200318.pdf
Joachim
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jan
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von jan » 14.03.2020, 11:04

Hallo Thomas,

Absolut wichtig und richtig, Danke für die Ergänzung. Eine Isolation ist in Fällen des beeinträchtigten Immunsystems, was bei anderen Leukämien oder Lymphomen (wie der CLL) ja häufig der Fall ist, extrem wichtig.

Für sehr wichtig halte ich auch, dass die Angehörigen der Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, das sehr ernst nehmen, weil sie letztlich auch den Virus ins engste Umfeld anschleppen können, weil sie die Gefahr für sich selbst nicht sehen. Gerade mit Kindern oder Enkeln im Teenager-Alter können die Diskussionen sehr schwierig sein, weil unter Schülern das COVID-Problem immer noch als unsinniger Hype oder Paranoia wahrgenommen wird. Zumindest so lange, bis Großeltern eines Freundes auf der Intensivstation landen und die Stimmung plötzlich kippt.

Viele Grüße
Jan

Thomas55
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von Thomas55 » 14.03.2020, 09:19

Hallo,
die unten stehenden drei Posts beziehen sich auf die CML. Bei der Cll sieht die Situation anders aus, da bei den meisten Cllern oft ein Immunproblem vorhanden ist. Es ist ja häufig auch ein Diagnosegrund, dass Leute mit vielen Infekten zum Arzt gehen und dann eine Cll diagnostiziert wird und Infekte sind die Haupttodesursache der Cll. Eine nicht geringe Anzahl der Cller müssen mit Globulinen substituiert werden. Hinzu kommt, dass alle mir bekannten Therapien das Immunsystem mehr oder weniger stark zusätzlich belasten. Ich möchte keine Panik machen, aber es ist wichtig dass Cller ganz besonders darauf achten keine Infekte zu bekommen (es gibt ja nicht nur Corona). Ich selbst lebe in einer Großfamilie mit Kindern und Enkeln zusammen, glücklicherweise habe ich die Möglichkeit mich räumlich zu isolieren, da ich ein substitutionspflichtiges Immunmangelsyndron habe, vielleicht finden andere besonders gefährdete Mitpatienten auch eine Möglichkeit (z.B. getrennt zu schlafen) Joachims Hinweise drei Posts weiter unten sind sehr wichtig.

Gruß
Thomas

scratch
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von scratch » 14.03.2020, 09:11

Hi Jan,

danke für die Antwort.

Ist mir jetzt fast ein wenig peinlich, dass ich seit letztem WE nicht mehr auf die Hauptseite gesehen und somit den Artikel vorher nicht gelesen habe, sorry dafür.

Allerdings finde ich die zusätzlichen Infos in deinem Beitrag hier auch sehr interessant, vielen Dank.

Ich wünsche euch alles Gute und ggf. einen milden Verlauf!

LG
Andy

jan
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von jan » 14.03.2020, 08:46

Hallo scratch

Die International CML Foundation und unser CML Advocates Network haben für CML-Patienten die aktuelle Einschätzung einiger CML-Experten zu COVID-19 zusammengefasst - ich habe den Text hier auf Deutsch übersetzt:
https://www.leukaemie-online.de/38-cml/1319-covid19

Wir beobachten die Situation, bisher wurde uns nur von zwei Fällen von CML-Patienten mit COVID-19 aus China berichtet. Ein 47jähriger aus Hubei mit CML in kompletter zytogenetischer Remission ist geheilt. Ein anderer 82jähriger CML-Patient, seit 10 Jahren unter Imatinib mit suboptimalem Ansprechen auf die Therapie ist an schwerer COVID19-Erkrankung verstorben.

Es gibt wohl eine Theorie, dass manche CML-TKI das Andocken des Virus im Körper erschweren könnte - Conny hat da einen Artikel ausgegraben - aber das ist soweit ich weiß bisher ein reines Modell und nicht wirklich in der Klinik geprüft.

Ich selbst denke (als Laie, und wenn ich die o.g. Empfehlungen sehe), dass bei normal funktionierendem Immunsystem eines CML-Patienten das Risiko vergleichbar ist mit anderen Menschen ohne CML. Kritisch ist es, wenn die Blutwerte sehr niedrig sind und daher die Immunabwehr beeinträchtigt ist (zB in fortgeschrittenen Phasen der CML oder wenn das Knochenmark so geschädigt ist, dass die normale Blutbildung beeinträchtigt ist), oder mit höherem Alter (was im Durchschnitt die meisten Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose ja sind), oder bei Vorliegen von schwereren Begleiterkrankungen - Lunge, Asthma, aber auch andere.

COVID-19 ist gefährlich und der Virus wird die meisten von uns erreichen, die Komplikationen sind bei Jüngeren eher mild, aber bei Älteren führt der Weg sehr häufig auf die Intensivstation, und die Kapazitäten werden in Deutschland in den nächsten Wochen nicht reichen. CML oder nicht, ich rate dringend davor, sich und seine Verwandten mit konsequenten Hygienemassnahmen und weitgehender sozialer Isolation von Gruppen zu schützen.

Viele Grüße
Jan

scratch
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Re: Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von scratch » 14.03.2020, 08:19

Die Situation in sämtlichen Ländern wird ja immer ernster.

Hat von euch schon mal wer mit dem Arzt darüber gesprochen oder weiß, ob für Menschen mit CML ein erhöhtes Risiko besteht? Bzw. hat möglicherweise von uns schon jemand das Virus gehabt und kann berichten, wie es ihm dabei ergangen ist?

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Schutz vor Infektionen durch das Coronavirus

Beitrag von PMF2SZT » 25.02.2020, 15:03

Jetzt, da offenbar die Coronawelle auf uns zu kommt, stellt sich die Frage, wie man sich vor einer Infektion mit diesem für immungeschwächte Menschen lebensgefährlichen Virus schützen kann. Dieses Thema sollte niemand auf die leichte Schulter nehmen. Es gab bereits zu viele Todesfälle. Also: AUFPASSEN!

Da das Thema Infektionsvermeidung für stammzelltransplantierte Menschen besonders wichtig ist, haben wir dazu im LENAforum.de einige Hinweise zusammen gestellt, die ich hier gerne zitiere:

Man sollte Menschenansammlungen (Kino, Konzerte, Theater, Fußballstadion, usw.) und öffentliche Verkehrsmittel vermeiden. Ist das nicht möglich, trägt man am Besten eine geeignete Atemschutzmaske (Schutzklasse FFP3, alle 24h wechseln); auch waschbare Baumwollhandschuhe können anfangs eine große Hilfe sein. Die handelsüblichen Mundschutz-Masken bieten nur ungenügenden Schutz vor Keimen. Man sollte Körperkontakt vermeiden (kein Händeschütteln!, Umarmen, Küssen, usw.). Von hustenden oder niesenden Personen sollte man sich möglichst weit entfernt aufhalten. Falls dies nicht möglich ist, eine Atemschutzmaske tragen. Geschäfte nur außerhalb der Stoßzeiten betreten und Kontakt mit Bargeld vermeiden. Besser alles mit Karte bezahlen (nach Eingabe der PIN Hände desinfizieren nicht vergessen!). Griffe von Einkaufswagen immer mit einem Desinfektionstuch abwischen. Öffentliche WCs grundsätzlich meiden. Merke: Jeder Türgriff ist eine Infektionsquelle!

Beim Arztbesuch: Atemschutzmaske tragen! Kein Wartezimmer betreten! Man sollte sich nach anderen Wartemöglichkeiten erkundigen, notfalls draußen warten. Dies gilt auch für alle anderen Situationen, in denen man ggf. warten muss (z.B. Therapeuten, Friseur, u.s.w.). Ebenso sollte man immer darauf hinweisen, daß man immungeschwächt ist und besondere Vorsicht und Hygiene erforderlich sind.

Auch alle anderen Personen, die im eigenen Haushalt leben, sollten unbedingt in diese Maßnahmen eingewiesen werden!

In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung wurde insbesondere nochmals auf die Keimbelastung von
  • Bargeld
  • Türgriffen
  • öffentlichen Toiletten
  • Einkaufswagengriffen
  • Handgriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Handy- und Tabletoberflächen
  • Tastaturen von Geldautomaten und Kartenterminals
hingewiesen.

Vielleicht schaffen wir alle es jetzt endlich, grundsätzlich und für immer auf das unselige Händeschütteln zu verzichten. In der heutigen Zeit ist es wohl nicht mehr erforderlich durch das Händeschütteln zu demonstrieren, dass man unbewaffnet ist, so wie es unsere Vorfahren im Mittelalter noch mussten.

Für die Händedesinfektion wird ein Desinfektionsmittel mindestens mit der Eigenschaft "begrenzt viruzid plus" benötigt (z.B. desderman® pure).

Urlaubspläne sollte man ggf. auf Infektionsgefahren hin überprüfen. Unseren Südtirol-Urlaub im Mai habe ich schon storniert. In Norditalien ist es mir definitiv zu gefährlich.

Vielleicht fallen Euch noch weitere Tipps zur Infektionsvermeidung ein? Einfach hier antworten.
Joachim
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