Zielgerichtet, maßgeschneidert, personalisiert: So könnte die Krebsmedizin der Zukunft aussehen. Schwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie ist "Der Weg zur personalisierten Krebsmedizin". 4.500 Experten tauschen sich vom 1. bis 5. Oktober 2010 in Berlin über neueste Erkenntnisse in Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen aus. Aber auch Fragen nach der Finanzierbarkeit der Krebsbehandlungen und notwendige strukturelle Veränderungen werden diskutiert.


Für die 450.000 Patienten, die in Deutschland pro Jahr neu an Krebs erkranken, ist es eine Hoffnung: Mithilfe molekulardiagnostischer Verfahren gezielt die richtige Therapie zu ermitteln, die das individuelle Ansprechen verbessert und unnötige Nebenwirkungen vermeidet. Während klassische Zytostatika meistens nach dem Gießkannenprinzip sich schnell teilende Zellen im Wachstum hemmen, sollen die zielgerichteten neuen Tumormedikamente den Zellzyklus und damit das Tumorwachstum anhalten. "Inzwischen weiß man viel mehr über die Krebsentstehung als noch vor wenigen Jahren. Diese biologischen Erkenntnisse gehen jetzt endlich in neue Therapiekonzepte über", so der Kongresspräsident Professor Eckhard Thiel, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie der Charité Campus Benjamin Franklin.

Schwerpunktthema Personalisierte Medizin auf der Jahrestagung 2010


Auf der Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie, die 1. bis 5. Oktober 2010 im ICC / Messe Berlin stattfindet, steht der Weg zur personalisierten Krebstherapie im Fokus. Zahlreiche wissenschaftliche Symposien, Fortbildungsveranstaltungen und Key Note Lectures beschäftigen sich mit neuen, zielgerichteten Behandlungsmethoden sowie mit aktuellen Erkenntnissen aus Grundlagenforschung und Diagnostik zu bösartigen Tumoren und Bluterkrankungen.

Namhafte Experten aus dem In- und Ausland werden auf der Tagung über die neuesten Studienergebnisse zu verschiedenen Krebs- und Bluterkrankungen berichten. Professor Rafael Rosell vom Catalan Institute of Oncology in Badalona (Spanien) wird über maßgeschneiderte zielgerichtete Therapien beim Lungenkarzinom referieren. Diese Krebserkrankung führt in Industrienationen am häufigsten zum Tod. Mit der Entdeckung molekularer Marker ist es inzwischen möglich vorherzusagen, ob ein Krebspatient auf eine bestimmte Therapie ansprechen wird. Eine gezielte Therapie kann bei einer bestimmten Gruppe von Lungenkrebspatienten das progressionsfreie Überleben signifikant verlängern und die Lebensqualität dieser Patienten verbessern.

Ein weiteres Highlight wird der Vortrag von Professor Bob Löwenberg vom Erasmus University Medical Centre in Rotterdam zur Therapie der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) sein. Die AML ist die häufigste Form der akuten Leukämie im Erwachsenenalter. Die Analyse der Leukämiegene hat dazu geführt, dass sich AML inzwischen als sehr heterogene Erkrankung darstellt, die individualisiert behandelt werden muss. Derzeit werden in internationalen Studien Medikamente geprüft, die bewirken sollen, dass Patienten nicht so häufig Rezidive erleiden. "Bei einer Subgruppe der AML wurde schon ein vielversprechender Erfolg erzielt: Hier konnte die Prognose so verbessert werden, das 80 bis 90 Prozent der Patienten überleben", so Professor Gerhard Ehninger, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.

Enormer Kostenschub durch neue Medikamente


Die neuartigen, zielgerichteten Medikamente stellen eine Bereicherung für die Therapie von Krebserkrankungen dar, sind aber mit enormen Kosten verbunden. Pro Patient und Jahr kann ein neues Medikament weit über 50.000 Euro kosten. Zudem profitieren hiervon nur bestimmte Patientengruppen. Wie mit dem Thema in anderen Ländern umgegangen wird, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Großbritannien. Dort hat das National Institute for Health and Clinical Excellence sich kürzlich erneut gegen die Kostenübernahme eines Angiogenese-Hemmers zur Behandlung von Darmkrebs ausgesprochen.

"Auch in Deutschland stellen wir uns als medizinische Fachgesellschaft der Diskussion, wie der medizinische Fortschritt weiterhin bezahlbar ist”, so Ehninger. "Ärzte und Fachgesellschaften müssen sich kritisch in die Kosten- Nutzen-Bewertung einbringen, da viele der teuren neuen Medikamente im Nachhinein keinen wirklichen Fortschritt bringen. Es ist deshalb immens wichtig, wirkliche Innovationen von anderen zu unterscheiden”, betont Ehninger. "Um hier das notwendige Wissen zu generieren, plädiert die DGHO schon lange für die Finanzierung industrieunabhängiger klinischer Studien", so der DGHOVorsitzende weiter.

DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.


Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. besteht seit über 70 Jahren und hat heute mehr als 2.500 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit der Ausarbeitung von Aus-, Fort- und Weiterbildungscurricula, der Erstellung von Behandlungsleitlinien und Behandlungsempfehlungen sowie mit der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen. 

Quelle: Pressemitteilung der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. vom 16.09.2010. Weitere Informationen unterwww.dgho.de.
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