Leukämie-Online 09.09.2010, 09:44
Homepage ¦ Suche ¦ Feedback ¦ Login ¦ Abmelden ¦ Impressum ¦  ¦ English 
Suche   
Neues & Foren
· Nachrichtenthemen
· Archiv ältererer Artikel
· E-Mail-Newsletter
· SMS-Erinnerung
· Diskussionsforen

Über Leukämie
· Über Leukämie
· Neu diagnostiziert?
· Häufige Fragen (FAQ)
· Leukämie-Lexikon
· Bücher
· Artikel-Download
· Links im Internet
· Spenden
· Über uns/Impressum

Aktuelle Termine
Für die kommenden Wochen ist kein Veranstaltungstermin eingetragen, spätere siehe Monatsübersicht.

Möchten Sie eine Veranstaltung vorschlagen?

Neue Links
·Laurig.de KMT-Blog
·Lifeline Special CML
·CELSG - Central European Leukemia Study Group
·Int. CML Foundation
·Medikamentenmitnahme ins Ausland

[Weitere Links]

Neutrale Evolution unterstützt Krebsmedikament
von marc
am Mittwoch, 03. März 2010 um 14:54 Uhr
(1036x gelesen)

Chronische Myeloische Leukämie (CML) Patienten mit CML können gezielt mit dem Wirkstoff Imatinib behandelt werden. Bislang nahm man an, dass Imatinib diese Form von Blutkrebs nicht heilen kann, die in den Stammzellen des Knochenmarks entsteht. Deshalb müssen die Patienten Imatinib dauerhaft einnehmen. Ein Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön hat nun mit Hilfe mathematischer Modelle gezeigt, dass die entarteten blutbildenden Stammzellen nach einer ausreichend langen Behandlung mit Imatinib mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwinden.

Der Erfolg von Imatinib beruht auf so genannter neutraler Evolution, denn die mutierten blutbildenden Stammzellen teilen sich genauso oft wie die gesunden. Diese theoretischen Ergebnisse können erklären, warum die Krankheit bei einigen Patienten in klinischen Studien auch nach Absetzen des Medikaments nicht wieder auftritt. Die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit dauerhaft zu heilen, steht damit direkt im Zusammenhang mit der Dauer der Therapie.

Jeder Mensch besitzt im Knochenmark blutbildende Stammzellen, deren Gesamtzahl relativ konstant bleibt. Wann immer sich eine Stammzelle teilt, differenziert sich eine andere und bildet Vorläuferzellen, aus denen wiederum weiter differenzierte Blutzellen hervor gehen. Auch diese Zellen können sich weiter teilen bis hin zu ausdifferenzierten Zellen, wie z.B. den roten Blutzellen. Bei Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie lagern sich in den blutbildenden Stammzellen zwei Chromosomen zusammen. Dadurch entsteht das krankheitstypische "Philadelphia-Chromosom", bei dem die Gene BCR und ABL fusioniert sind. Während das neugebildete BCR-ABL-Protein auf die Stammzellen vermutlich keinen Effekt hat, teilen sich die entarteten Vorläuferzellen und weißen Blutkörperchen in anderer Weise und ihre Anzahl im Blutkreislauf steigt krankhaft an. Dieser Gendefekt ist für 20% der Leukämie-Erkrankung bei Erwachsenen verantwortlich.

Die Erkrankung kann seit einigen Jahren gezielt mit dem Wirkstoff Imatinib oder Varianten davon behandelt werden, die das Wachstum von Vorläuferzellen und fertigen weißen Blutkörperchen mit dem Philadelphia-Chromosom verhindern, normale Zellen jedoch unbehelligt lassen. Auf die blutbildenden Stammzellen scheint der Wirkstoff ebenfalls keine Auswirkung zu haben. Bislang nahm man deshalb an, dass Imatinib die chronische myeloische Leukämie nicht heilen, sondern nur aufhalten kann. Diese Sicht muss nun eventuell korrigiert werden. Zusammen mit Kollegen aus den USA, Belgien und Portugal hat Arne Traulsen vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie die Blutbildung in einem mathematischen Modell nachgestellt. Dabei berücksichtigte er, dass sich die entarteten Stammzellen nicht häufiger teilen. Sie haben durch die Mutation also keinen Fitness-Vorteil, die Wissenschaftler sprechen deshalb auch von neutraler Evolution. Da mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch mutierte Stammzellen sterben, sollte ihre Zahl mit der Zeit abnehmen. Es zeigte sich im Modell, dass die mutierten Stammzellen bei den meisten Patienten vermutlich schon nach wenigen Jahren verschwunden sind.

Medikamente, die wie Imatinib sehr spezialisiert mutierte Zellen angreifen, können sich also die neutrale Evolution zunutze machen und Erkrankungen heilen, wenn die krankheitsauslösenden Zellen keinen Fitnessvorteil haben. Dabei ist immer vorausgesetzt, dass keine Resistenz gegen die Medikamente auftritt. "Unser Modell legt nahe, dass Imatinib oder neuere, ähnlich wirkende Medikamente die chronisch myeloische Leukämie bei den meisten Patienten durchaus heilen können, wenn mit der Therapie rechtzeitig begonnen wird und mehrere Jahre ohne Unterbrechung fortgesetzt wird", so Arne Traulsen. Damit scheint es eine Alternative zu riskanten Knochenmarktransplantationen zu geben, um diese Krankheit zu heilen.

Quelle: Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft vom 15.02.2010l - und Haematologica, 11. Februar 2010, online veröffentlicht

[Diesen Artikel per E-Mail versenden] | [Diesen Artikel drucken]

 
Login
Mitgliedsname
Passwort
Registrierung

Verwandte Links

Weitere Artikel zum Thema 'Chronische Myeloische Leukämie (CML)':
· CML: Resistenzen für Imatinib besser erkennen...
· Mit Histon-Deacetylase-Hemmern mit Imatinib schlaf...
· Weltweites Treffen der CML- und GIST-Patientengrup...
· Beschleunigtes Zulassungsverfahren für Dasatinib i...
· Nilotinib in den USA zur Erstlinientherapie von CM...
· ASCO: Vorteil von Dasatinib und Nilotinib gegenübe...
· AP24534 erhält "Orphan Drug" Status bei der Europä...
· Bortezomib und Paclitaxel mit Wirkung auch bei res...
· Möglichkeiten zur Behandlung der T315I-Mutation: T...
· Forscher finden Mechanismus für die Entstehung der...
· ...Weitere Artikel

Weitere Artikel von marc


Meistgelesener Artikel zum Thema 'Chronische Myeloische Leukämie (CML)':
Studie: Glivec in früher Phase von CML medikamentöse Therapie der Wahl



Alle Logos, Marken und Warenzeichen sind Eigentum Ihrer jeweiligen Besitzer, Kommentare und Beiträge fremder Autoren stehen im Verantwortungsbereich der jeweiligen Autoren. Soweit nicht anders angegeben liegt das Copyright (c) von Artikeln bei Leukämie-Online. Leukämie-Online wird von Betroffenen für Betroffene betrieben und ist kein medizinischer Ratgeber. Holen Sie bitte im Bedarfsfall medizinischen Rat bei Ihrem Arzt ein. Hinweise zu Haftung und Nutzungsbedingungen finden Sie im Impressum.