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Krebs früher erkennen: Bluttests zur Krebsentstehung
von jan
am Donnerstag, 24. Juli 2008 um 23:06 Uhr
(2176x gelesen)

Forschung Die Möglichkeiten, Krebs frühzeitig zu erkennen, sind heute noch relativ bescheiden. Abgesehen von Darmspiegelungen, genauen Kontrollen durch den Hautarzt, eine Mammografie der Brust oder so genannten PSA-Tests beim Urologen, die zur Früherkennung von Prostatakrebs dienen sollen, sind die Instrumentarien der Vorsorgemediziner noch recht dünn gesät. Richard Greil, Leiter des Krebsforschungszentrums in Salzburg, hofft, dass die Chancen auf zuverlässige Bluttests bereits in fünf, sechs Jahren stark steigen könnten. Tumorzellen würden nämlich DNA (Erbinformation) im Blut freisetzen, sagt er. Am Beispiel von Lungenkrebs wisse man schon heute, dass tumorspezifische DNA bereits im Blut zu finden sei, bevor das Bronchuskarzinom entstehe.

Die Molekularbiologen und Genforscher machen derzeit rasche Fortschritte, was das Wissen um den Zellstoffwechsel und die Entwicklung von Krebszellen betrifft. In Zukunft könnte es möglich sein, nach einem Bluttest, der verdächtige DNA enthält, gezielt Tumorzellen anzugreifen und zu neutralisieren. Das wäre ein Quantensprung in der Vorsorgemedizin.

Genau diesen Zellstoffwechsel untersuchen auch Richard Greil und sein Team sehr genau. Sie machten in diesem Zusammenhang jüngst mit einer Studie zur Chronisch Lymphatischen Leukämie international auf sich aufmerksam, die auch für eine Reihe anderer Krebsarten von Bedeutung sein könnte.

Konkret geht es dabei um ein Gen (p53), dessen zentrale Funktion es ist, Zellen, die genetische Schäden aufweisen, nicht mehr zuzulassen. Diese Zellen gehen dann durch Apoptose zu Grunde. Die Apoptose ist ein mehrstufiger Mechanismus, der einem Selbstmord der Zelle gleichkommt. Wenn die Funktion von p53 durch eine Mutation im Gen eingeschränkt oder aufgehoben ist, werden genetisch geschädigte Zellen nicht mehr aussortiert. So können sich im Laufe von mehreren Zellzyklen genetische Schäden anreichern und letztlich Tumore entstehen.

Greil sagt, dass angeborene Veränderungen des p53-Gens das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich erhöhten, weil das Gen dadurch seine Kontrollfunktionen frühzeitig verliere. "50 Prozent aller Krebspatienten haben Veränderungen im p53-Gen", betont er.

In diesem Zusammenhang untersuchten die Salzburger Krebsforscher auch ein Protein (MDM2), das in der Regulation des p53-Gens eine entscheidende Rolle spielt. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil die Salzburger Krebsforscher versuchen, künstliche Moleküle zu entwickeln, die zwischen die Bindungsstellen von p53 und MDM2 passen. Das würde dann wieder neue Wege eröffnen, die Aktivität von p53 zu beeinflussen und den Krebszellen wirksam zu Leibe zu rücken.

Spannend: Ein Wirkstoff, der gerade gegen Leukämie derzeit wieder neu entdeckt wird, ist Arsen.

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 24.07.2008


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