Häufige Fragen (FAQ)

Leukämie-Online FAQ (Frequently Asked Questions)

Fragen zur Transplantation, Stammzellen und Nabelschnurblut sowie zu Leukämie-Online

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Was ist eine Knochenmarktransplantation?

Die Übertragung der im Knochenmark enthaltenen blutbildenden Stammzellen von einem gesunden Spender auf einen Patienten heißt Knochenmarktransplantation. Dabei sei darauf hingewiesen, dass hierbei nicht das Rückenmark, wie von vielen fälschlicherweise angenommen, sondern das Knochenmark transplantiert wird. Knochenmark und Rückenmark sind verschiedene Teile des menschlichen Körpers, die nichts gemeinsam haben. Eine Knochenmarktransplantation kann bei bösartigen Blutkrankheiten, wie z.B. bei einigen Leukämiearten, aber zunehmend auch bei anderen Krankheitsbildern, wie solide Tumoren und ausgewählte Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankungen notwendig für die Heilung sein.

Grundsätzlich kommt eine KMT für Patienten mit folgenden Grunderkrankungen in Frage:
  • Akute myeloischer Leukämie (AML)
  • Chronische myeloische Leukämie (CML)
  • Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Non-Hodgkin-Lymphome niedriger und hoher Malignität (NHL)
  • Hodgkin´sche Erkrankung (HD)
  • Plasmozytom (Multiples Myelom - MM)
  • Schwere aplastische Anämie (SAA)
Zur Gewinnung von Stammzellen aus dem Knochenmark wird dem Patienten selbst oder einem anderen Spender unter Narkose durch mehrere Einstiche in beide Beckenknochen etwa ein Liter Knochenmarkblut entnommen. Diese Menge ist notwendig, um eine ausreichende Zahl von blutbildenden Stammzellen für den Wiederaufbau der Blutbildung zu erhalten. Abgesehen vom allgemeinen Narkoserisiko ist die Knochenmarkentnahme ungefährlich.

Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Transplantation ist u.a. das Erreichen einer Remission durch eine vorhergehende Chemotherapie eine genaue Übereinstimmung der sogenannten HLA-Gewebemerkmale (HLA= Humane Leukozyten-Antigene) zwischen Spender und Empfänger. Sollte kein passender Spender gefunden werden, wird versucht dem Patienten durch andere Behandlungsformen (Chemo- oder Strahlentherapie) zu helfen. Die Heilungschance ist in einem solchen Fall jedoch weitaus geringer. In manchen Fällen ist eine Heilung ohne Transplantation unmöglich. Man unterscheidet folgende Arten der KMT:

  • - allogene, verwandte Transplantation

  • Der HLA-verträgliche Spender ist mit dem Empfänger blutsverwandt. In erster Linie kommen Geschwister in Frage.

  • allogene, nicht verwandte Transplantion

  • Der HLA-verträgliche Spender ist nicht mit dem Empfänger verwandt und wurde in der Regel durch Suche in einem nationalen oder internationalen Spenderregister gefunden.

  • autologe, Transplantation

  • Der Patient erhält nach einer intensiven Chemotherapie seine eigenen, vorher durch Tiefgefrieren haltbar gemachten Zellen zurück.

    Was ist Knochenmark?

    Das Knochenmark befindet sich beim Erwachsenen im Inneren der großen Knochen des Körpers, vor allem des Hüftknochens und des Oberschenkels. Es ist der Ort, an dem alle Zellen des Blutes und des Abwehrsystems ständig neu gebildet werden. Dies ist nötig, da die meisten dieser Zellen nur eine Lebensdauer von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen haben. Damit ist die Funktion des Knochenmarks lebensnotwendig. Das Knochenmark selbst bildet sich ständig neu und steht beim Gesunden reichlich zur Verfügung, reagiert aber durch den ständigen Umbau sehr empfindlich auf Gifte und Strahlung. Das Knochenmark darf nicht mit dem Rückenmark verwechselt werden, das einen Teil des Nervensystems darstellt. Es ist unersetzlich und bildet sich nicht nach, so dass eine Transplantation von Rückenmark undenkbar ist.

    Wie wird Knochenmark gespendet?

    Die (konventionelle) Knochenmarkspende ist ein kleiner Eingriff, der in der Regel in Vollnarkose durchgeführt wird und etwa eine Stunde dauert. Dabei wird gut ein Liter Knochenmark-Blutgemisch aus den Schaufeln des Beckenknochens abgesaugt. Dies stellt nur einen Bruchteil dessen dar, worüber ein Erwachsener verfügt, und wird in wenigen Wochen nachgebildet. Alternativ dazu wird heute zunehmend die sogenannte (periphere) Blutstammzellspende“ durchgeführt. Nach der Gabe eines Wachstumsfaktors (G-CSF) können diese Zellen an einem sogenannten Zellseparator ohne Narkose aus dem Blut gewonnen werden.

    Wie wird Knochenmark verabreicht?

    Verblüffend einfach: Das Knochenmark bzw. die Blutstammzellen werden wie eine Blutkonserve als Infusion verabreicht. Die Zellen finden ihren Weg ins Knochenmark von ganz alleine.

    Ist eine Knochenmarkspende riskant?

    Bei der Knochenmarkspende besteht das wesentliche Risiko in der Narkose. Sonstige Beschwerden wie etwa der Wundschmerz werden naturgemäß von den Spendern unterschiedlich, aber meist nicht gravierend erlebt. Bei der peripheren Blutstammzellspende kann der Wachstumsfaktor grippeähnliche Beschwerden (Kopf- und Gliederschmerzen) auslösen, die aber gut zu lindern sind. Dieses Verfahren hat die konventionelle Knochenmarkspende bei autologen Transplantationen fast ganz und bei verwandten Spendern überwiegend ersetzt und kommt inzwischen auch bei nicht verwandten Spendern zunehmend zum Einsatz. Auch wenn die Risiken minimal sind, werden die Spender rechtzeitig vor einem Eingriff nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse aufgeklärt und können nochmals frei entscheiden, ob sie dazu bereit sind.

    Was ist eine periphere Blutstammzelltransplantation?

    Stammzellen können entweder aus dem Knochenmark, dem Ort ihrer Entstehung, oder aus der Blutbahn gewonnen werden. Im ersten Fall nennt man das Verfahren ihrer Übertragung Knochenmarktransplantation, im zweiten periphere Stammzellentransplantation. Periphere Blutstammzellen werden nicht aus dem Knochenmark, sondern aus dem Blut des Körperkreislaufs gewonnen, wo sie in geringerer Zahl ebenfalls vorhanden sind. Durch Gabe des hämatopoetischen Wachstumsfaktors (Wachstumsfaktoren der Blutbildung) G-CSF können sie zum vermehrten Übertritt aus dem Knochenmark in die Blutbahn angeregt werden. Ist der Patient sein eigener Spender (autologe Stammzellentransplantation), nutzt man zusätzlich den Effekt, daß in der Erholungszeit unmittelbar nach einer Chemotherapie Stammzellen in größerer Zahl in der Blutbahn auftreten. Nach dieser "Mobilisierungsphase" können durch spezielle Zellauftrennungsverfahren gezielt weiße Blutzellen aus dem Blut entnommen werden. Unter ihnen sind auch die gesuchten Stammzellen. Nach Entnahme der Blutstammzellen, egal ob aus dem Knochenmark oder aus der Blutbahn, werden sie bis zu ihrer Rückgabe nach der intensiven Chemotherapie bei minus 196°C tiefgefroren.

    Welche Risiken bestehen bei der Entnahme peripherer Stammzellen?

    Für die Lebensspende mittels der peripheren Stammzellentnahme ist weder eine Vollnarkose noch eine stationäre Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich. Lediglich während der Stimulation (Anregung) zur Stammzellproduktion durch G-CSF können Gliederschmerzen auftreten, die mit denen während einer Grippe vergleichbar sind. Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme wird in der Medizin seit 1988 angewandt. Das Risiko der Langzeitnebenwirkungen wird von der Wissenschaft als gering eingeschätzt.

    Was sind Stammzellen?

    Stammzellen sind für die Entwicklung und Neubildung von Körperzellen verantwortlich. Sie können sich unbegrenzt teilen und anschließend neue Funktionen übernehmen. Aus Stammzellen werden beispielsweise Gewebe-, Blut- oder Nervenzellen. Die jüngsten (verfügbaren) Stammzellen sind die embryonalen Stammzellen. Sie befinden sich im Inneren einer Zellkugel (Blastozyste), die sich wenige Tage nach der Befruchtung aus der sich teilenden Eizelle bildet. Diese embryonalen Stammzellen sind extrem vielseitig, weil sie sich in alle anderen Zellarten umwandeln können. Zum Zeitpunkt der Geburt befinden sich zudem Stammzellen im kindlichen Blutkreislauf. Diese können nach der Geburt aus Nabelschnur und Plazenta gewonnen werden. Deshalb heißen sie Nabelschnurblut-Stammzellen. Bislang sind vor allem die blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen im Nabelschnurblut von Interesse. Es enthält aber auch Vorläuferzellen von verschiedenen Körpergeweben, die in der Zukunft für die Entwicklung von neuem Gewebe von Interesse sein könnten. Auch nach der Geburt findet sich noch ein Rest an Stammzellen im Menschen - die sogenannten erwachsenen (adulten) Stammzellen. Sie sorgen beispielsweise im Knochenmark dafür, dass sich das Blut regelmäßig erneuert.

    Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es für Stammzellen?

    Bei einer Krebsbehandlung durch eine hochdosierte Chemotherapie werden die Krebszellen abgetötet. Als unerwünschte Nebenwirkung werden dabei jedoch die blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks zerstört. Deshalb müssen nach einer solchen Behandlung neue blutbildende Stammzellen transplantiert werden. Ansonsten würde der Patient sterben. Bislang werden für die meisten Behandlungen Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem peripheren Blut gewonnen. Bei bösartigen Erkrankungen, wie Lymphknotenkrebsen und soliden Tumoren, werden zumeist die eigenen Stammzellen des Patienten transplantiert, die zuvor von Krebszellen gereinigt wurden. Bei Fremdtransplantationen, die zum Beispiel bei Leukämien bevorzugt werden, sind Stammzellen von nahen Verwandten die erste Wahl, da hier das Risiko einer akuten oder chronischen Abstoßungsreaktion geringer ist, als bei nichtverwandten Spendern.

    Warum ist Nabelschnurblut so wertvoll?

    Das Blut aus der Nabelschnur enthält wertvolle Stammzellen, die schon heute bei der Therapie schwerer Krankheiten eingesetzt werden können. Darüber hinaus sind sie ein wertvoller Rohstoff für die Medizin der Zukunft. Das Nabelschnurblut hat gegenüber den bislang am häufigsten transplantierten Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem peripheren Blut mehrere Vorteile: Die Entnahme von Nabelschnurblut ist einfach und risikolos. Nabelschnurblut ist sofort verfügbar, wenn es gebraucht wird. Nabelschnurblut enthält keine Tumorzellen und ist weitgehend frei von Viren. Nabelschnurblut wird von einem Verwandten oder einem fremden Empfänger bei einer Transplantation besser vertragen als erwachsene (adulte) Stammzellen.

    Was sind Blutstammzellen?

    Blutstammzellen sind eine Art von Zellen, die normalerweise vorwiegend im Knochenmark vorkommen. Sie stellen den Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Abwehrsystems dar und sind eigentlich die einzige Art von Zellen aus dem Knochenmark, die bei der Transplantation wirklich nötig ist.

    Wie ist Leukämie-Online entstanden?

    Diese Webseite entstand Anfang 2002, d.h. zu einem Zeitpunkt, an dem in deutscher Sprache nur wenige Informationen über neue medikamentöse Behandlungsmethoden im Internet vorhanden waren. Im englischsprachigen Internet hingegen gab es auf Webseiten und in Diskussionsforen reichhaltige Informationen über neue Medikamente und potentielle Wirkstoffe zur Bekämpfung der Leukämie. Um Patienten, denen medizinische Texte in englischer Sprache nicht zugänglich sind, eine Möglichkeit der qualifizierten Diskussion mit dem Arzt ihres Vertrauens zu geben, hat ein selbst von Leukämie Betroffener viele dieser englischen Informationen übersetzt und nach Entwicklung dieses Internet-Portals strukturiert aufbereitet.

    Wer steckt hinter Leukämie-Online?

    Leukämie-Online wurde von Jan Geissler, selbst CML-Patient seit 2001, aufgebaut und wird von diesem gemeinsam mit anderen Betroffenen in eigenem Engagement betrieben und inhaltlich getragen. Hinter Leukämie-Online stehen daher ausschliesslich von Leukämie mittelbar oder unmittelbar betroffene Patienten und/oder deren Angehörige. Leukämie-Online e.V. ist ein eingetragener Verein und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

    Wer finanziert Leukämie-Online?

    Leukämie-Online wird von Betroffenen privat getragen und lebt von Spenden. Diese Seite wird ohne kommerzielles Interesse als offene und unabhängige Online- Gemeinschaft von Betroffenen für Betroffene betrieben. Besonders wichtig ist den Betreibern dabei die inhaltliche Unabhängigkeit von Unternehmen, Verbänden und Interessensgruppen, um Betroffenen ein möglichst neutrales Informationsangebot bieten zu können. Als reines Online-Angebot ohne Hochglanzbroschüren, ohne Marketing-Budget und ohne Call-Center ist der finanzielle Aufwand für den Betrieb der Webseite relativ gering, es lebt daher aber auch ausschließlich von Engagement der privaten Besucher. Die Kernaktivität des Vereins, der Betrieb der Webseite, wird ausschließlich durch Privatspenden finanziert.

    Für kostenintensivere Projekte wie die alle 1-2 Jahre stattfindenden Patiententreffen sowie der SMS-Dienst reichen jedoch die Spenden bisher nicht aus. Für diese erhält der Verein Unterstützung von Unternehmen, wobei strenge Grundsätze für den Umgang mit Spendern und Sponsoren gelten.

    Gibt Leukämie-Online medizinischen Rat?

    Nein. Leukämie-Online stellt ausschließlich allgemeine Informationen aus dem Bereich der Krankheit Leukämie zur Verfügung. Diese Informationen können in keinem Fall als ein Hinweis auf das Vorliegen oder Nicht- Vorliegen einer bestimmten Krankheit oder eines anderen Leidens verstanden werden. Ebensowenig dürfen die erteilten Informationen oder Auskünfte als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden. Die auf Leukämie-Online bereitgestellten Informationen ersetzen niemals die Behandlung durch einen Arzt, sondern können lediglich eine generelle und unverbindliche Unterstützung für den Patienten und ggf. den Arzt Ihres Vertrauens sein. Die Erkennung oder Behandlung einer Krankheit oder eines anderen Leidens kann allein und ausschließlich durch die Konsultation eines Arztes erfolgen. Die auf Leukämie-Online bereitgestellten Informationen dürfen auch niemals als eine Aufforderung zur Selbstbehandlung oder Selbstbestimmung einer Krankheit oder eines anderen Leidens verstanden werden.

    Wie kann ich mit den Menschen hinter Leukämie-Online Kontakt aufnehmen?

    Jeder Interessierte kann sich gerne jederzeit an Jan, den Betreiber von Leukämie-Online, wenden. Dies ist möglich per EMail oder per Kontaktformular. Bitte beachten Sie, dass diese Seite von Privatpersonen getragen wird - die Antwort kann daher etwas Zeit in Anspruch nehmen.

    Wie kann ich Leukämie-Online unterstützen?

    Da Leukämie-Online ausschließlich von Privatpersonen getragen und betrieben wird, ist jede Hilfe willkommen. Dies reicht von
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