Leukämie-Kranke mit Eltern aus verschiedenen Ländern müssen oft lange nach einem passenden Knochenmarkspender suchen. "Es ist schwieriger, wenn ein Elternteil etwa aus dem Irak kommt und einer aus Deutschland", sagte Andrea Stahr von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Da Menschen ihre Gewebemerkmale "zur Hälfte vom Vater und zur Hälfte von der Mutter" hätten, könne es bei Patienten mit einem Migrationshintergrund zu "sehr seltenen Kombinationen" kommen.

Die DKMS sucht derzeit einen Knochenmarkspender für einen 32-Jährigen aus München, dessen Eltern aus Deutschland und dem Irak stammen. Vor Journalisten warb die Organisation am 2. Juni 2010 in München für ihr Anliegen. 

"Man darf aber nicht sagen, es gibt typisch deutsche, türkische oder iranische Gewebemerkmale", sagte die Biologin. Die Verteilung sei allerdings je nach Region verschieden. "Der Unterschied im Vorkommen ist vor allem zwischen Europäern und Asiaten sehr hoch", so Stahr. Kinder mit diesen Elternteilen hätten möglicherweise weniger "genetische Zwillinge". Laut Expertin bedeutet das "aber noch lange nicht, dass nicht überall ein Spender gefunden werden kann".

Die Biologin hält es daher für wichtig, dass sich "so viele Menschen wie möglich" als Knochenmarkspender eintragen lassen. "Je mehr unterschiedliche Spender aufgenommen werden, desto besser", sagte Stahr. Das sei gerade für Patienten mit seltenen genetischen Kombinationen "die einzige Chance".

Geeignete Spender müssen dabei nicht automatisch denselben Migrationshintergrund haben wie der Patient. "Es macht natürlich Sinn, aber es ist sicher keine Garantie", erklärte Stahr. "Jemand mit türkischen Eltern kann genauso gut einen deutschen Spender finden." Weltweit gebe es 4000 unterschiedliche Gewebemerkmale. "Es ist nichts unmöglich", sagte die Expertin. "Prinzipiell kann wirklich jeder der Richtige sein."

Quelle: Ärzte Zeitung online, 02.06.2010

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