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Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung einer Gentherapie ausgesprochen, die T-Zellen vor einer haploidentischen Stammzelltherapie im Labor mit einem Suizid-Gen ausstattet, um später eine Graft-Versus-Host-Reaktion durch die Gabe eines Medikaments stoppen zu können.

Bei Leukämie-Patienten, für die kein HLA-identischer Spender für eine Stammzellt­herapie gefunden wurde, weichen Hämatologen zunehmend auf einen haploidentischen Spender aus. In der Regel ist dies ein Elternteil, dessen Erbgut zur Hälfte mit dem des Spenders übereinstimmt. Eine haploidentische Stammzelltransplantation birgt jedoch das Risiko einer lebensgefährlichen Graft-versus-Host-Reaktion.

Zu ihr kommt es, wenn die T-Zellen vom Spender die Körperzellen des Empfängers (die für sie fremd sind) angreifen. Dies lässt sich verhindern, wenn die T-Zellen aus der Stammzellspende entfernt werden, was heute mit unterschiedlichen Methoden möglich ist. Diese T-Zell-Depletion kann jedoch die Erfolgschancen der Therapie vermindern. Denn die T-Zellen des Spenders greifen auch die Leukämie-Zellen des Empfängers an (die ebenfalls für sie fremd sind). Diese Graft-versus-Leukemia-Reaktion kann Leukämiezellen beseitigen, die die Chemotherapie der Leukämie überlebt haben.

Eine mögliche Lösung des Dilemmas könnte darin bestehen, die T-Zellen nur dann auszuschalten, wenn sie den Körper angreifen, in der übrigen Zeit aber die Graft-versus-Leukemia-Reaktion aufrecht zu erhalten. Forscher in Mailand haben hierzu ein Verfahren entwickelt, dass sie als „suizidale Gentherapie“ bezeichnen.

Dazu werden die T-Zellen des Spenders im Labor mittels Retroviren mit dem Gen für die Thymidinkinase von Herpes simplex-Viren ausgerüstet. Das Enzym hängt eine Phosphatgruppe an das Herpesmedikament Ganciclovir, das daraufhin als falscher Baustein in die DNA eingebaut wird. Jede Aktivierung der T-Zelle – sei es im Rahmen einer Graft-Versus-Host- oder eine Graft-versus-Leukemia-Reaktion – führt bei der Zellteilung zum Kettenabbruch und zum Absterben der T-Zelle.

Die Behandlung, deren klinische Entwicklung die Firma MolMed mit Sitz in Mailand übernommen hat, wurde zunächst in einer ersten offenen klinischen Studie an 30 Patienten erprobt. Alle erhielten eine haploidentische Stammzelltherapie, deren T-Zellen mit dem Verfahren namens Zalmoxis (in der antiken Mythologie eine Göttin, die ewiges Leben verheißt) aufbereitet wurden. Bei 23 Patienten konnte das Immunsystem wieder hergestellt werden. Von diesen erkrankten zehn Patienten an einer Graft-Versus-Host-Krankheit. Neun der zehn Patienten wurden mit Ganciclovir behandelt. Alle neun überlebten ohne schwere Folgen der Graft-Versus-Host-Reaktion.

Inzwischen wurden 45 Patienten, darunter 15 aus einer zweiten laufenden Studie, behandelt. Die Überlebensrate nach einem Jahr betrug laut EMA 49 Prozent. Sie war damit etwas höher als nach der Analyse eines Patientenregisters zu erwarten gewesen war. Dort hatten nur 37 Prozent der Patienten nach einer haploidentischen Stammzelltherapie überlebt.

Das Committee on Advanced Therapies und das Committee for Medicinal Products for Human Use der EMA empfehlen der EU-Komission aufgrund dieser Ergebnisse die vorläufige Zulassung des Verfahrens. Eine endgültige Zulassung wird von den Ergebnissen der laufenden Phase-3-Studie abhängig gemacht, in der Zalmoxis an 170 Patienten mit anderen Verfahren der T-Zell-Depletion verglichen wird. An dieser Studie beteiligen sich auch fünf Zentren in Deutschland (Berlin, Hannover, Leipzig, Tübingen, Ulm)

Ärzteblatt vom 27.06.2016

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